Merz und Spahn über CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer "Sie macht vieles richtig"

Seit Annegret Kramp-Karrenbauer die CDU führt, steht sie in der Kritik - auch parteiintern. Nun erhält sie ausgerechnet von ihren einstigen Konkurrenten um den Parteivorsitz großes Lob.
CDU-Politiker Merz, Kramp-Karrenbauer, Spahn im November 2018 in Berlin

CDU-Politiker Merz, Kramp-Karrenbauer, Spahn im November 2018 in Berlin

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Vor wenigen Monaten noch waren sie Konkurrenten im Kampf um den CDU-Vorsitz, nun sichern sie sich gegenseitig ihre Unterstützung zu: Jens Spahn und Friedrich Merz haben Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Komplimenten für ihre politische Arbeit bedacht.

"Annegret Kramp-Karrenbauer hat die schwere Aufgabe gemeistert, die CDU nach einer äußerst knappen Entscheidung um den Parteivorsitz wieder zusammenzuführen", sagte Gesundheitsminister Spahn der "Welt am Sonntag" . Sie habe die Sprachlosigkeit überwunden, die in den letzten drei, vier Jahren in der Partei etwa bei der Migrationsfrage geherrscht habe. "Und sie hat mit Markus Söder CDU und CSU wieder versöhnt. Das sind große Verdienste."

Kramp-Karrenbauer hatte im Dezember den Parteivorsitz von Angela Merkel übernommen und sich dabei gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Spahn durchgesetzt. Kritik an der Parteichefin gibt es unter anderem wegen des schlechten CDU-Ergebnisses bei der Europawahl, generell unbefriedigender Umfragewerte und des Umgangs mit dem Video des YouTubers Rezo.

"Mit Staatsämtern spielt man nicht"

Auch Merz verteidigte die Parteichefin. "Es wird viel zu schnell der Stab über sie gebrochen. Ich finde es auch nicht immer fair, wie über sie berichtet wird", sagte der Unternehmer der "Bild am Sonntag" . "Sie macht vieles richtig. Und sie steht vor der schwierigen Aufgabe, die CDU thematisch und personell neu aufzustellen." Seinen Kontakt zu Kramp-Karrenbauer bezeichnete Merz als "sehr gut und sehr eng". "Wir telefonieren regelmäßig, und wir sehen uns auch regelmäßig."

Angesichts von Umfragen, denen zufolge er der erfolgreichste CDU-Kanzlerkandidat gegen Grünen-Chef Robert Habeck wäre, empfinde er aber auch eine gewisse Verantwortung: "Offensichtlich sind viele Wählerinnen und Wähler der Meinung, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass die Union stabil in die nächste Bundestagswahl geht. Diese Verantwortung sehe ich und der Verantwortung bin ich auch bereit, mich zu stellen."

So wolle er entgegen früherer Aussagen nun doch bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg die dortigen CDU-Spitzenkandidaten mit Auftritten im Wahlkampf unterstützen. Über eine mögliche Kanzlerkandidatur sagte Merz: "Mit Staatsämtern spielt man nicht. Ich möchte, dass Annegret Kramp-Karrenbauer erfolgreich ist, das habe ich in Hamburg nach ihrer Wahl gesagt, und daran halte ich mich."

Kritik an Grünen und AfD

Spahn räumte ein, die aktuellen CDU-Umfragen seien nicht so, wie sich die CDU das wünsche. Positiv sei aber, dass man in der Partei wieder "offener Debatten" führe. Er verteidigte auch die Trennung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz.

Zudem grenzte er die CDU von Grünen und AfD ab. "Die einen predigen die Klimakatastrophe, die anderen die Migrationskatastrophe. Die Antwort der CDU muss jeweils die gleiche sein: Besonnen, zuversichtlich, aber auch entschieden Antworten geben auf Klimaveränderungen, Migration und Integration, aber auch in der Pflege und zum digitalen Wandel", sagte Spahn. "Den Apokalyptikern müssen wir Konzepte, Substanz und konkretes Entscheiden entgegensetzen."

mxw/dpa