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10. Dezember 2018, 12:34 Uhr

SPON-Umfrage

Grünen-Wähler sind von Kramp-Karrenbauer überzeugter als Unions-Wähler

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende. Laut einer SPON-Umfrage lehnen AfD- und FDP-Wähler die Merkel-Nachfolgerin ab. Anhänger von Union und Grünen sehen das ganz anders. Auch bei der SPD kommt sie gut an.

Für die CDU war es eine Zäsur: Seit Freitag steht Angela Merkel nicht mehr an der Spitze der Partei - nach 18 Jahren. Ihre Nachfolgerin wird Annegret Kramp-Karrenbauer. Die ehemalige Generalsekretärin setzte sich auf dem Parteitag in Hamburg gegen den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Union Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn durch.

Noch Ende Oktober hatte sich eine Mehrheit laut einer SPON-Umfrage Merz als Merkel-Nachfolger gewünscht. Wie sehen sie nun die Wahl Kramp-Karrenbauers?

Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE erinnern auf den ersten Blick sehr stark an die Abstimmung auf dem Parteitag selbst. Dort setzte sich Kramp-Karrenbauer erst in einer Stichwahl gegen Merz durch - und auch dort nur knapp. In der Frage nach der neuen Führung schien die Partei gespalten. Nach der Wahl zeigen sich nun auch in der Bevölkerung zwei Lager, die ähnlich groß sind. Insgesamt 43,8 Prozent aller Befragten bewerten das Ergebnis positiv, 39,8 sehen es negativ.

Aber anders als beim Parteitag gibt es bei der SPON-Umfrage innerhalb der Unionwähler eine klare Tendenz pro Kramp-Karrenbauer: Insgesamt 61,6 Prozent der CDU- und CSU-Anhänger bewerten die Entscheidung auf dem Parteitag positiv, fast 40 Prozent sogar sehr positiv. Negativ schätzen die Wahl nur 25,7 Prozent ein. (Klicken Sie in der Grafik auf "Nach Parteien", um die Werte je nach Wählerschaft zu sehen)

Es gibt allerdings eine Partei, die die Wahl noch positiver sieht als die Union selbst: 64,7 Prozent der Grünen-Wähler zeigen sich zufrieden mit Kramp-Karrenbauer als neuer CDU-Chefin. Wähler des Koalitionspartners SPD sind zwar deutlich weniger überzeugt, aber auch hier kommt die Merkel-Nachfolgerin gut an. 48,4 Prozent bewerten ihre Wahl positiv, nur 27,1 Prozent negativ. Rund ein Viertel sind noch unentschlossen.

Auffällig ist die klare Ablehnung durch FDP (80,3 Prozent negativ) und AfD (88,8 Prozent negativ). FDP-Chef Christian Lindner sagte, die Entscheidung für Kramp-Karrenbauer bedeute, dass die CDU auf "Kontinuität" setze. Entweder gefällt das der Anhängerschaft der Liberalen nicht - oder sie haben es noch in schlechter Erinnerung, dass Kramp-Karrenbauer im Jahr 2012 im Saarland die Jamaika-Koalition auflöste und diesen Schritt mit "anhaltenden Zerwürfnissen" innerhalb der FDP begründete.

AfD-Chef Alexander Gauland sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland schon kurz nach der Wahl: "Frau Kramp-Karrenbauer ist die Fortsetzung von Merkel mit anderen Mitteln. Sie hat die Flüchtlingspolitik mitgetragen und wird sie nicht korrigieren." Die Wähler seiner Partei sehen das offenbar ähnlich und lehnen Kramp-Karrenbauer deshalb ab.

Die neue Vorsitzende muss nun versuchen, die Lager in der eigenen Partei zu einen. Darüber hinaus muss sie aber auch einen Kurs finden, mit dem sie ehemalige CDU-Wähler von der AfD zurückgewinnt. Ob ihr das gelingt? Im Durchschnitt aller Parteien glaubt eine Mehrheit nicht daran. 55,3 Prozent trauen ihr diesen Erfolg nicht zu. Nur 29,2 Prozent gehen davon aus, dass sie es schafft.

Eine Überzeugung, dass Kramp-Karrenbauer tatsächlich zur AfD abgewanderte Wähler wieder für die Christdemokraten begeistern kann, gibt es einzig in der Union selbst - bei immerhin 51,1 Prozent der Befragten. Bei allen anderen Parteien herrscht Skepsis.

Besonders auffällig sind die Werte der Partei, von der Kramp-Karrenbauer nun Wähler zurückgewinnen soll. Nur 1,9 Prozent der AfD-Wähler glauben, dass die neue CDU-Chefin die ehemalige Anhängerschaft, die zur AfD abgewandert ist, zurückgewinnen kann. Die Skepsis außerhalb der Union scheint damit aktuell durchaus begründet zu sein.

aev

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