Neu-Ministerin Kramp-Karrenbauer im Irak Schweißtreibende Grundausbildung

Drei Tage lang tourt Annegret Kramp-Karrenbauer durch Jordanien und den Irak. Bei ihren Soldaten versucht die CDU-Chefin den Eindruck zu zerstreuen, dass sie den neuen Job der Befehlshaberin nur als Zwischenstation sieht.

Annegret Kramp-Karrenbauer im Irak: Zeit für Gespräche mit Soldaten
Michael Kappeler/DPA

Annegret Kramp-Karrenbauer im Irak: Zeit für Gespräche mit Soldaten

Aus Bagdad berichtet


Bei ihren Personenschützern hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer im Irak schon am ersten Tag eine gute Portion Respekt erworben. Schweißüberströmt steht einer der BKA-Beamten mit schwerer Schussweste am Dienstagnachmittag im Camp Tadschi. Er erzählt von einer "Höllenfahrt".

Schon kurz nach der Abfahrt aus der Hauptstadt Bagdad sei die Klimaanlage im tonnenschweren Panzer-Jeep der Ministerin mit einem lauten Knall ausgefallen, sagt er. Von da an blies nur noch brennend heiße Luft in den Wagen.

Viele andere Minister hätten wohl sofort zum Anhalten geblasen, schließlich müssen Polit-VIPs im Irak auch in den geschützten Fahrzeugen für jede noch so kurze Fahrt in der Krisenregion schwere Schusswesten tragen. Kramp-Karrenbauer biss die Zähne zusammen. Gemeinsam mit einem Abteilungsleiter und den Bodyguards rollte sie weiter und schwitzte. Später scherzte sie nur über die "irakische Variante einer griechischen Sauna". Die neue Ministerin sei "ganz schön durchhaltefähig", staunte ein Soldat.

Mehr als pure Politik

Drei Tage lang tourte die frisch ernannte Befehlshaberin durch die Camps einer umstrittenen Mission der Bundeswehr, über deren Verlängerung der Bundestag in den nächsten Wochen entscheiden muss. Da die SPD diese bisher ablehnt, suchte sich Kramp-Karrenbauer Jordanien und den Irak für ihre erste Dienstreise aus. Sie will das Mandat für die Aufklärung durch "Tornado"-Jets und die Ausbildung der irakischen Armee unbedingt verlängern. Dazu aber braucht sie gute Argumente und einen Eindruck von vor Ort.

Doch Reisen von neuen Verteidigungsministern in die Einsatzgebiete sind immer etwas mehr als pure Politik, die Trips sind auch eine Art Testlauf für das Verhältnis zur Truppe. Nachdem diese sich durch Vorgängerin Ursula von der Leyen pauschal als rechtslastig verdächtigt fühlte, will Kramp-Karrenbauer die Sympathien der Soldaten zurückgewinnen. Von der Leyen stand bis zum Ende unter dem Verdacht, ihre Männer und Frauen allzu oft nur als Kulisse für sich selbst zu nutzen. Richtig warm wurde sie nie mit der Truppe.

Kramp-Karrenbauer mühte sich um einen neuen Angang. An allen drei Tagen nahm sie sich gleich mehrere Stunden für Gespräche mit Soldaten, nach ein paar Minuten für Schnittbilder wurden die Kameras weggeschickt. Dann, so erzählen Soldaten, sei die Ministerin von Gruppe zu Gruppe gegangen, habe ernsthaft nach Problemen bei der Mission gefragt, sich Notizen gemacht. Von der Arbeit der Soldaten, die Tag für Tag in der Gluthitze im Irak arbeiten, zeigte sie sich später schwer beeindruckt.

Kramp-Karrenbauer kämpft nicht nur bei der Truppe gegen den bösen Verdacht, sie wolle das Wehrressort nur als Vehikel auf dem Weg ins Kanzleramt nutzen. Bis zuletzt hatte die CDU-Chefin einen Wechsel in ein Ministeramt abgelehnt. Dann entschied sie sich völlig überraschend, ausgerechnet den als Schleudersitz bekannten Posten im Bendler-Block zu übernehmen. Dort heißt es hinter vorgehaltener Hand, die neue Ministerin wolle nur politisches Gewicht gewinnen.

Auf die erste Dienstreise schleppte Kramp-Karrenbauer einen ziemlich schweren Rucksack mit. Durch ein missverständliches Interview hatte sie zuvor den Eindruck vermittelt, sie wolle Hans-Georg Maaßen, den früheren Verfassungsschutzchef, aus der CDU ausschließen. Nur Stunden später musste sie sich selbst korrigieren und eingestehen, dass sie sich in eine Misere manövriert hatte. Die Aufregung war für sie wohl auch ein Warnsignal, dass sie in Zukunft vorsichtiger agieren muss - auch bei Äußerungen über die Bundeswehr.

Im Irak bleibt ihr kaum Zeit zum Durchatmen. Hektisch ging es ab acht Uhr morgens bis spät in den Abend von Termin zu Termin. Generäle, Minister und Präsidenten drängten sie, die Bundeswehr müsse ihr Engagement für die Koalition gegen den "Islamischen Staat" verlängern. Kramp-Karrenbauer aber konnte nur sagen, dass sie es versuchen werde. Zwischendurch im Auto blieben immer nur ein paar Minuten, um mit Vertrauten zu telefonieren und die politische Lage in Berlin auszuloten.

Ein vollgepacktes Programm

Die Reise wurde so zu einer Art Vorgeschmack auf die kommenden Wochen und Monate. Statt sich nur auf die Partei zu konzentrieren, muss Kramp-Karrenbauer ab jetzt auch noch ein ziemlich kompliziertes Ministerium lenken. Dort hat sie viel vor. Noch im Herbst will sie eine Reform für den pannenbehafteten Einkauf von Material für die Truppe vorlegen. An dem Projekt hatte sich Vorgängerin von der Leyen über Jahre abgemüht. Nun wird von der Neuen im Bendler-Block ein großer Wurf erwartet.

Allein das Programm der nächsten Tage illustriert, wie viel sich Kramp-Karrenbauer vorgenommen hat. Nach einem nächtlichen Heimflug geht es am Donnerstagmorgen erst mal zurück ins Ministerium. Am Abend steht dann schon ein Wahlkampftermin an. In Brandenburg und Sachsen wird Anfang September gewählt. Schneidet die CDU schlecht ab, richten sich alle Augen auf die Parteichefin. Nicht wenige werden sagen, die Interview-Panne mit dem im Osten beliebten Ex-Verfassungsschutzchef habe der CDU im Schlussspurt massiv geschadet.

Im Irak zog Kramp-Karrenbauer ihre Mission trotzdem bis zum Ende durch. Selbst als sich am letzten Tag immer mehr Verspätung aufstaute, wollte sie den geplanten Abend mit ihren Soldaten im "Camp Stephan" in Erbil nicht absagen. Stattdessen wurde die Abreise verschoben. Auf dem Rückflug ging die Grundausbildung weiter. Da die Bundeswehr bis heute nicht über moderne geschützte Flugzeuge verfügt, musste die Ministerin mit einer der ziemlich betagten "Transall"-Maschinen raus aus dem Irak.

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frank.huebner 21.08.2019
1. Wahnsinn, ohne Klimaanlage
War der Artikel ernst gemeint oder Satire? AKK ist die Helding, weil sie ohne Klimaanlage durch den Irak fährt. Echt jetzt? Wenn die Soldaten ihr dafür schon Respekt zollen, dann erwarten sie echt gar nichts von ihrer Ministerin. Ein Null-Artikel.
skeptikerjörg 22.08.2019
2.
Zitat von frank.huebnerWar der Artikel ernst gemeint oder Satire? AKK ist die Helding, weil sie ohne Klimaanlage durch den Irak fährt. Echt jetzt? Wenn die Soldaten ihr dafür schon Respekt zollen, dann erwarten sie echt gar nichts von ihrer Ministerin. Ein Null-Artikel.
Sesselpuper! Ich lad Sie mal ein, im August nach Erbil zu kommen. Wahrscheinlich begänne das Problem schon damit, bei 40°C stundenlang die 15 kg der Splitterschutzweste zu ertragen. Heldin wird sie dadurch nicht, Anerkennung erwirbt sie schon.
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