CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer will Kanzlerkandidatur im Herbst 2020 regeln

Wie lange bleibt Angela Merkel noch Kanzlerin? Über diese Frage wird seit Monaten spekuliert. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat es nach eigenen Angaben nicht eilig mit einer möglichen Ablöse.

Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel: Kein "mutwilliger Wechsel" im Kanzleramt
Kay Nietfeld/ DPA

Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel: Kein "mutwilliger Wechsel" im Kanzleramt


Bundeskanzlerin Angela Merkel wird bei den kommenden Bundestagswahlen nicht mehr antreten. So viel steht fest. Doch wann sie aus dem Amt scheidet, ist unklar. Sollte Merkel vorzeitig zurücktreten, wird die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Regierungschefin aufsteigen, sind einige überzeugt. Kramp-Karrenbauer hat solche Pläne nun erneut in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" dementiert.

Die Bürger "erwarteten zu Recht", dass Merkel die Verpflichtung, die mit ihrer Wahl einhergehe, ernst nehme, sagte Kramp-Karrenbauer. Merkel und die Regierung seien für die gesamte Legislaturperiode gewählt. "Ich kann also für mich ausschließen, dass ich auf einen mutwilligen Wechsel im Kanzleramt hinarbeite." Ihr Plan sehe stattdessen vor, dass sich die CDU nach der Europawahl ein neues Grundsatzprogramm geben und im Spätherbst 2020 eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten nominieren werde.

"Wir wissen dabei beide um unsere Verantwortung"

Allerdings schließt Kramp-Karrenbauer nicht aus, dass Merkel noch vor 2021 zurücktreten könnte. Auf die Frage, ob sie eine Ablöse Merkels betreiben werde, wenn eine Fortsetzung der Kanzlerschaft der CDU schaden würde, antwortete Kramp-Karrenbauer: "Der Maßstab muss sein: Wie entwickelt sich erstens das Land? Wie entwickelt sich zweitens die Partei? Darüber reden Angela Merkel und ich sehr offen. Wir wissen dabei beide um unsere Verantwortung."

Auf die Frage, ob Merkel und sie Freundinnen seien, reagierte die CDU-Chefin zurückhaltend. Freundin sei für sie ein "privater Begriff" für jemanden, mit dem sie "im Sandkasten gespielt habe" oder zur Schule oder Uni gegangen sei. Merkel und sie seien aber "so etwas wie Weggefährtinnen", sagte Kramp-Karrenbauer.

Sollte es nach der Europawahl zu Veränderungen im Kabinett kommen, will Kramp-Karrenbauer gemeinsam mit Merkel über die Auswahl der CDU-Minister entscheiden. Sie selbst will allerdings keinen Ministerposten übernehmen.

AKK über Giffey-Plagiatsvorwürfe

Im Interview legte Kramp-Karrenbauer der SPD zudem eine Ablösung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nahe, sollten sich die Plagiatsvorwürfe gegen die Politikerin bestätigen. Sie gehe dann davon aus, "dass die SPD an ihre eigene Ministerin die gleichen Maßstäbe anlegt, die sie an die Unionsminister angelegt hat", sagte Kramp-Karrenbauer.

Sie spielte damit auf den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die ehemalige Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) an. Beide waren zurückgetreten, nachdem ihnen ihre Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen aberkannt worden waren. In beiden Fällen hatte die SPD den Rücktritt gefordert.

Die Freie Universität Berlin (FU) prüft Giffeys Doktorarbeit seit Februar wegen Plagiatsverdachts. Die SPD-Politikerin hatte die Hochschule selbst darum gebeten, nachdem die Internetseite VroniPlag mehrere Stellen beanstandet hatte. Zugleich betonte Giffey, sie habe die Arbeit "nach bestem Wissen und Gewissen verfasst".

koe/dpa/Reuters

insgesamt 37 Beiträge
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hardeenetwork 12.05.2019
1. Albtraum
AKK als Kanzlerin wäre in meinen Vorstellungen ein Albtraum. Sie wäre weder gut für Deutschland noch für die EU. Ihre Ansichten sind rückwärts gewand und sie steht nicht für einen klaren Kurs gegen Klimawandel, Artensterben und eine moderne EU.
Capetonian 12.05.2019
2. Frau KK wird nie Kanzlerin
Bis 2020 hat die CDU so viele Wahlen vergeigt, daß sich die Frage erübrigt. Zur Amtsübernahme 2019 fehlt die Kraft.
friedrich_eckard 12.05.2019
3.
Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte. ... die Kanzler/innen/frage könnte sich der CDU natürlich schon in etwas mehr als zwei Wochen stellen, einen entsprechenden Ausgang der Wahlen zum EU-Parlament und zur Bürgerschaft in Bremen vorausgesetzt - wenn dann nämlich in der Rest-SPD die "Seeheimerdämmerung" anbrechen sollte. Sehr unwahrscheinlich ist das nach dem Umfragestand nicht. Bis dahin bin ich grimmig entschlossen mich an keinerlei Spekulationen zu beteiligen.
ein-berliner 12.05.2019
4. AKK Kanzlerkandidatin?
Die Kanzlerkandidatur regelt sich schon allein, die nächsten Wahlen werden die Richtung anzeigen.
hörtauf 12.05.2019
5. Man kann nur hoffen..
..dass die CDU Frau AKK nicht als Kanzlerkandidatin zulässt - das wäre der Untergang der CDU und Deutschlands..
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