Rückkehr zu alter Tradition Bundeswehr begeht Gelöbnis vor dem Reichstag

Erstmals seit sechs Jahren hat die Bundeswehr ein öffentliches Gelöbnis vor dem Reichstag zelebriert - auf expliziten Wunsch der Verteidigungsministerin. Kramp-Karrenbauer will der Truppe wieder mehr Öffentlichkeit verschaffen.

Rekrutinnen und Rekruten vor dem Reichstagsgebäude
DPA

Rekrutinnen und Rekruten vor dem Reichstagsgebäude


400 Rekruten versammelten sich zum öffentlichen Gelöbnis vor dem Reichstag in Berlin. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte in einer Ansprache, die Bundeswehr verdiene "die Anerkennung unseres gesamten Landes" und "die bestmöglichen Rahmenbedingungen, die wir Ihnen in der Politik bieten können". Dafür werde sie sich "weiter mit aller Kraft" einsetzen.

Die Armee komme "aus der Mitte der Gesellschaft und gehört dort auch hin". Kramp-Karrenbauer hatte bei ihrem Amtsantritt im Juli unter anderem versprochen, die Bundeswehr durch öffentliche Gelöbnisse sichtbarer zu machen.

Dazu hatte sie nach eigenen Angaben "alle Ministerpräsidenten angeschrieben und ihnen vorgeschlagen, zum Geburtstag der Bundeswehr am 12. November in ihren Bundesländern öffentliche Gelöbnisse durchzuführen". Nicht alle folgten dem Aufruf: Insgesamt waren am Dienstag sieben feierliche Gelöbnisse in Deutschland geplant.

Schäuble: Öffentliche Gelöbnisse erzeugen "den notwendigen Rückhalt"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach sich als Ehrengast ebenfalls für mehr öffentliche Gelöbnisse aus. Diese demonstrierten "die Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Soldaten" und sorgten für "den notwendigen Rückhalt" in der Gesellschaft, sagte Schäuble. "Wir leben seit bald 75 Jahren im Frieden, aber dieser Friede ist eben nicht selbstverständlich."

Den Rekruten versprach Schäuble zudem, dass sie sich auf das Parlament verlassen könnten. Die Entscheidung für das Soldatendasein sei ein mutiges Versprechen, im Notfall auch zu kämpfen.

In der Vergangenheit hatte es in Deutschland immer wieder Proteste und Störungen bei Gelöbnissen gegeben. Kritiker erklärten, es werde Militarismus öffentlich zur Schau gestellt. Bundesweit gibt es jährlich zahlreiche Gelöbnisse, nach Angaben des Bundeswehrverbands sind es "im Durchschnitt rund 150 pro Jahr". In der heutigen Form wurden sie 1956 eingeführt.

Für Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sind die öffentlichen Solidaritätsbekundungen ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Bundeswehr. Zuletzt sprach sie sich auch für mehr Auslandseinsätze und die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats aus.

mes/dpa/AFP

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