Kramp-Karrenbauer über CDU-Vorsitz "Eine Frage, die im Moment niemanden interessiert"

Die CDU steckte in einem nervenaufreibenden Führungsstreit - dann kam Corona und die Umfragewerte stiegen. Annegret Kramp-Karrenbauer bereut ihren Rücktritt dennoch nicht. Sagt sie jedenfalls.
Annegret Kramp-Karrenbauer, trotz ihres seit Langem angekündigten Rücktritts locked down im Amt der CDU-Chefin

Annegret Kramp-Karrenbauer, trotz ihres seit Langem angekündigten Rücktritts locked down im Amt der CDU-Chefin

Foto: Tobias Schwarz/ AFP

Die noch amtierende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer glaubt nicht, dass sich die Bürger derzeit sonderlich für die Frage ihrer Nachfolge interessieren. Derzeit sei das eine Frage, die "in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in unserer eigenen Partei im Moment niemanden ernsthaft interessiert", sagte sie dem SWR in einem Interview.

Der Sonderparteitag zur Wahl von Kramp-Karrenbauers Nachfolgerin oder Nachfolger war eigentlich für diesen Samstag angesetzt worden. Doch wegen der Corona-Pandemie musste er auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Womöglich wird die Wahl nun auf dem für Dezember geplanten regulären Parteitag abgehalten.

Großveranstaltungen sind wegen der Pandemie bis mindestens Ende August verboten. "Insofern wird sich dann die Frage stellen, ab wann man einen Parteitag durchführen könnte und ob es dann Sinn macht, wenn im Dezember sowieso ein regulärer Parteitag vorgesehen ist, wenige Wochen vorher noch mal einen Sonderparteitag durchzuführen", sagte Kramp-Karrenbauer.

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Die Entscheidung, den Parteivorsitz abzugeben, bereue sie trotz der aktuell guten Umfragewerte der CDU nicht, sagte Kramp-Karrenbauer. Es sei aus ihrer Sicht "die richtige Entscheidung" gewesen, zu der sie auch stehe.

Ob Kramp-Karrenbauers Diagnose, niemand interessiere sich mehr für die Vorsitzendenfrage, auch für die offiziellen Kandidaten gilt, darf bezweifelt werden. Zu den Bewerbern zählen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der frühere Umweltminister Norbert Röttgen. Vor allen Dingen Laschet hat in den vergangenen Wochen versucht, sich als Krisenmanager zu profilieren.

Röttgen betonte, er halte an seiner Kandidatur fest. Daran habe sich nichts geändert, sagte er den Zeitungen, die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland gehören. Die Frage, wie die CDU künftig aussehen müsse, werde "bald wieder auftauchen - in veränderter, zugespitzter Form".

beb/afp
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