Schavan gegen Lammert Machtkampf um Spitze der Adenauer-Stiftung

Wer führt künftig die CDU-nahe Adenauer-Stiftung? Im SPIEGEL zeigt Annette Schavan erstmals öffentlich Interesse. Doch der Widerstand ist groß - und einen möglichen Gegenkandidaten gibt es auch.

Bundeskanzlerin Merkel, Ex-Bildungsministerin Schavan
DPA

Bundeskanzlerin Merkel, Ex-Bildungsministerin Schavan


Im Streit um die Besetzung des Chefpostens in der CDU-nahen -Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) hat die mutmaßliche Wunschkandidatin Angela Merkels, Ex-Bildungsministerin Annette Schavan, erstmals öffentlich ihr Interesse bekundet.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 46/2017
*AUFWACHEN! Warum China schon jetzt Weltmacht Nr. 1 ist - ein Weckruf für den Westen

"Wenn ich vorgeschlagen werde, werde ich mich damit beschäftigen", sagte Schavan dem SPIEGEL. Es gebe Leute, die sie für die richtige Kandidatin hielten, aber sie habe sich selbst nie ins Spiel gebracht. "Man kandidiert nicht, man wird für ein solches Amt vorgeschlagen." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Nach SPIEGEL-Informationen hat das Auswärtige Amt Schavans derzeitigen Posten als deutsche Botschafterin im Vatikan verlängert - aber nur bis Mai 2018. Danach braucht sie eine Anschlussverwendung.

Der Widerstand gegen Schavans Kandidatur wächst allerdings: "Als Altstipendiaten hielten wir es für unpassend, wenn die KAS von einer Person ohne berufsqualifizierenden Abschluss geleitet würde", sagte Ralf Höcker, Gründer des Merkel-kritischen Stipendiatenzirkels "Konrads Erben".

Schavan war ihr Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen aberkannt worden - damit verlor sie ihren akademischen Abschluss. In Facebook-Gruppen und Mail-Verteilern der KAS-Stipendiaten zeigt sich eine starke Stimmung gegen Schavan und für ihren Gegenkandidaten, den ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. Für Lammert wird bereits eine Unterschriftenliste geführt.

In der Stiftung besteht auch die Sorge, künftig zu nah an die Parteivorsitzende Angela Merkel heranzurücken. "Die KAS soll kein verlängerter Arm der CDU sein, sondern zur politischen Debatte in diesem Land beitragen", warnte der Historiker Andreas Rödder, der im KAS-Vorstand sitzt. "Das heißt natürlich auch, im besten Sinne kritisch zu sein."

Noch vor der KAS-Vorstandssitzung am 22. November ist ein Gespräch zwischen Merkel und dem einflussreichen KAS-Ehrenvorsitzenden Bernhard Vogel über die Personalfrage geplant. Seit Anfang 2010 ist der frühere EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering Vorsitzender der Stiftung.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

ama/ran/klw



insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
post.scriptum 11.11.2017
1. Es ist kein Machtkampf zwischen ...
... den Stiftungs-Aspiranten, sondern es geht wieder einmal um Merkel. Analog der Abstimmung um den CDU-Fraktionsvorsitz als Kauder eine erhebliche Anzahl an Gegenstimmen erhielt, galten diese auch wenige ihm als vielmehr Merkel. Es ist die Taktik der kleinen Nadelstiche, die vermutlich in nächster Zeit immer mehr zunehmen werden - bis Merkel eines Tages genervt aufgibt. Ihre Macht ist ohnehin nicht mehr die der letzten Jahre. Das wird ihre eigene Partei sie deutlich spüren lassen. Die anderen Schwampelianer, Lindner zuvorderst, sowieso.
Tante_Frieda 11.11.2017
2. Bewundernswert
Es ist bewundernswert,wie fürsorglich in den einkommensstärkeren Etagen dieses Landes dafür gesorgt wird,dass auch bei Leuten wie Frau Schavan immer eine reibungslose Anschlussverwendung zur Verfügung steht.Nachdem sie nach ihrem Plagiatsskandal als Botschafterin im Vatikan offenbar genügend Buße getan und dort ein paar angenehme Jahre verbracht hat,darf sie jetzt also hoffen,in der Heimat wieder ein warmes Plätzchen zu finden.Dazu kommen noch reichlich Ansprüche aus ihrer langjährigen Abgeordneten- und Landesminister-Tätigkeit.Beneidenswert,unsere Besserverdiener in Politik und Wirtschaft - dank Networking ein Leben ohne (finanzielle) Sorgen :-)
peterzar 11.11.2017
3. Die Argumente gegen Schavan
liegen auf der Hand und sind umfassend dargelegt. Wer ausgerechnet einen Doktortitel mit einer Doktorarbeit über Ethik unakademisch erwirbt und dann nach dem Rücktritt von dem Amt des Ministers für Bildung sich gegen alle bestehenden Voraussetzungen als Botschafterin im Vatikan durchsetzen läßt, kann einer Stiftung, die parteiführungsunabhängig arbeitet und " Wissenschaft " und junge Menschen in der Qualifikation fördert, nicht vorstehen. Da kann man zur Stiftung und zu Adenauer stehen wie man will. Das geht nicht - auch wenn die Staatsratsvorsitzende hier wieder in ihrer Machtorientierung ihren Kopf durchsetzen will. Lammert ist wissenschaftlich und politisch unumstritten. Er wäre eine Idealbesetzung im allgemeinen und im besonderen. Das sage ich als Linker !!!
luny 11.11.2017
4. Erstaunlich
Zitat von Tante_FriedaEs ist bewundernswert,wie fürsorglich in den einkommensstärkeren Etagen dieses Landes dafür gesorgt wird,dass auch bei Leuten wie Frau Schavan immer eine reibungslose Anschlussverwendung zur Verfügung steht.Nachdem sie nach ihrem Plagiatsskandal als Botschafterin im Vatikan offenbar genügend Buße getan und dort ein paar angenehme Jahre verbracht hat,darf sie jetzt also hoffen,in der Heimat wieder ein warmes Plätzchen zu finden.Dazu kommen noch reichlich Ansprüche aus ihrer langjährigen Abgeordneten- und Landesminister-Tätigkeit.Beneidenswert,unsere Besserverdiener in Politik und Wirtschaft - dank Networking ein Leben ohne (finanzielle) Sorgen :-)
Hallo Tante_Frieda, mich persönlich beeindruckt am meisten, daß Berufspolitiker Alleskönner sind. Deren Talent, die unterschiedlichsten Ämter zu bekleiden, muß selbstverständlich voll ausgeschöpft werden. Die glanzvolle politische Leistung von Frau Schavan muß belohnt werden, das hat die geschäftsführende Bundeskanzlerin glasklar erkannt. /Ironie aus. LUNY
luny 11.11.2017
5. Noch etwas
Zitat von peterzarliegen auf der Hand und sind umfassend dargelegt. Wer ausgerechnet einen Doktortitel mit einer Doktorarbeit über Ethik unakademisch erwirbt und dann nach dem Rücktritt von dem Amt des Ministers für Bildung sich gegen alle bestehenden Voraussetzungen als Botschafterin im Vatikan durchsetzen läßt, kann einer Stiftung, die parteiführungsunabhängig arbeitet und " Wissenschaft " und junge Menschen in der Qualifikation fördert, nicht vorstehen. Da kann man zur Stiftung und zu Adenauer stehen wie man will. Das geht nicht - auch wenn die Staatsratsvorsitzende hier wieder in ihrer Machtorientierung ihren Kopf durchsetzen will. Lammert ist wissenschaftlich und politisch unumstritten. Er wäre eine Idealbesetzung im allgemeinen und im besonderen. Das sage ich als Linker !!!
Hallo Peterzar, Herr Lammert ist eine integere Persönlichkeit. Zu Frau Schavan fallen mir viele Adjektive ein. Integer gehört definitiv nicht dazu. Herrn Lammert ist hoch anzurechnen, daß er sich von der Politik verabschiedete, bevor man ihn gewaltsam aus dem Plenarsaal tragen mußte. LUNY
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.