SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. Oktober 2008, 20:19 Uhr

Anschlag auf deutsche Soldaten

Bundesregierung weist Vorwurf der Mitschuld scharf zurück

Regierung und Bundeswehrverband haben sich ein heftiges Wortgefecht geliefert: Das Kabinett wehrt sich gegen Vorwürfe, für das Attentat auf deutsche Soldaten in Afghanistan mitverantwortlich zu sein - nichts als "geschmackloses Gerede" stecke dahinter. Nun bemüht sich der Verband um Mäßigung.

Berlin - Vize-Regierungssprecher Thomas Steg wählte für seine Replik deutliche Worte: Die Äußerungen des Bundeswehrverband seien "geschmackloses Gerede". Der Verband hatte der Bundesregierung eine Mitschuld an dem Anschlag in Afghanistan zugewiesen. Am Montag waren bei einem Attentat in Kunduz zwei Soldaten getötet worden.

Bundeswehr-Rekruten: "Ohne Sicherheit ist ein Wiederaufbau nicht möglich"
DPA

Bundeswehr-Rekruten: "Ohne Sicherheit ist ein Wiederaufbau nicht möglich"

Die "Passauer Neue Presse" hatte den stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes, Oberstleutnant Ulrich Kirsch, mit der Bemerkung zitiert: "Die Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung." Die heutige Situation hätte durch mehr ziviles Engagement verhindert werden können.

Der Verband trat anschließend dem Eindruck entgegen, er gebe der Bundesregierung eine Mitschuld an dem Selbstmordanschlag. Verbandssprecher Wilfried Stolze dementierte zwar nicht das Zitat. Er sagte aber der Deutschen Presse-Agentur dpa, es sei eine Mitverantwortung für die Gesamtsituation gemeint gewesen, nicht für den Anschlag.

Derweil haben die afghanischen Behörden entgegen ursprünglichen Angaben doch keine Verdächtigen gefasst. Ein Geheimdienstoffizier sagte, zwar seien zwei Stammesältere festgenommen worden, sie seien aber nicht in das Attentat verwickelt gewesen. Der Gouverneur der Provinz Kunduz, Engineer Mohammad Omar, hatte am Dienstag gesagt, ein Verdächtiger sei festgenommen worden, ein zweiter entkommen.

Die Bundesregierung stellt den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan trotz des Selbstmordattentats auf deutsche Soldaten nicht infrage. Ohne Sicherheit sei ein Wiederaufbau des Landes nicht möglich, sagte Steg am Mittwoch nach der Kabinettssitzung in Berlin. Für beides stelle Deutschland erhebliche Mittel bereit.

cht/AP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung