Minutenprotokoll Andrea Nahles verspricht Anschlagsopfern Anspruch auf Entschädigung

Die Opfer des Terroranschlags sollen laut Medienbericht entschädigt werden können. Der Berliner Senat will den Moscheeverein, den der getötete Attentäter besucht haben soll, verbieten. Hier das Minutenprotokoll zum Nachlesen.

Andrea Nahles am 20.12. beim Trauergottesdienst zum Gedenken an die Opfer
DPA

Andrea Nahles am 20.12. beim Trauergottesdienst zum Gedenken an die Opfer


Anis Amri ist in Mailand getötet worden. Der Attentäter von Berlin wurde am Bahnhof der Stadt Sesto San Giovanni im Großraum Mailand von einem Polizisten erschossen. Auch ab Freitagmorgen gab es bei SPIEGEL ONLINE einen Newsblog, der Sie umfassend über diese und weitere wichtige Entwicklungen rund um den Anschlag und die Ermittlungen informiert hat.

Hier können Sie alle Geschehnisse des Tages nachlesen.

19:48

Die Familie des getöteten Berliner Attentäters will, dass seine Leiche nach Tunesien überführt wird. Das wurde aus tunesischen Behördenkreisen verlautet. Demnach sind Angehörige von Anis Amri am Freitag bei der lokalen Verwaltung vorstellig geworden.

Der Sprecher des Außenministeriums, Bouraoui Limam, sagte, es werde eine Weile dauern, bis Amris Leichnam überführt werden könne. Erst müssten die Ermittlungen, an denen Deutschland, Italien und Tunesien beteiligt seien, abgeschlossen werden.

18:53 Uhr

Nach dem Tod des Berliner Attentäters in Mailand wird Kritik an der Namensnennung der beiden italienischen Polizisten geübt. Polizeichef Franco Gabrielli warnte laut italienischen Medienberichten vor möglicher Vergeltung gegen Polizisten.

Einer der beiden Beamte hatte den Tatverdächtigen Anis Amri in der Nacht zu Freitag im Großraum Mailand erschossen. Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni und Innenminister Marco Minniti hatten daraufhin Christian Movio und Luca Scatà öffentlich gedankt und auch ihre Namen genannt.

Selbstkritik aus Italien war ob des Stolzes über die "Identifizierung und Neutralisierung" Amris zunächst nicht zu vernehmen. Dabei hatte sich der mutmaßliche Attentäter vor seiner Ausreise Richtung Deutschland fast fünf Jahre in Italien, überwiegend in Gefängnissen, aufgehalten.

18:21 Uhr

Die Opfer des Terror-Anschlags sollen laut Medienberichten entschädigt werden können. Das kündigte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) laut Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland an, über die die "Bild"-Zeitung berichtete. "Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Berlin ist dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales wichtig, dass jetzt jeder die Hilfe bekommt, die er braucht", teilte das Ministerium demnach mit.

Laut Opferentschädigungsgesetz (OEG) steht den Opfern keine Entschädigung zu. Das liegt an einer Klausel, die "Schäden aus einem tätlichen Angriff, die von dem Angreifer durch den Gebrauch eines Kraftfahrzeuges oder eines Anhängers verursacht worden sind", ausschließt. Sollten sich mit Blick auf die Geschehnisse in Berlin aus der Abgrenzungsregelung Nachteile für die Betroffenen ergeben, so werde geprüft, "ob im geplanten Gesetzgebungsvorhaben Änderungen vorgenommen werden müssen", teilte das Sozialministerium mit.

Das Ministerium hatte bereits gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärt, man "bereite" bereits seit Längerem eine Novellierung des Sozialen Entschädigungsrechts vor, zu dem auch das OEG gehöre.

18:10 Uhr

Der nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag am Montag irrtümlich festgenommene Pakistaner Navid B. hat sich erstmals wieder zu Wort gemeldet. Er sei gerade in einem Park, dem Tiergarten, gewesen "und wollte meine U-Bahn erwischen, um nach Hause zu fahren", sagte der Asylbewerber der "Welt am Sonntag". Dabei sei er über eine Straße gerannt, weil Autos kamen.

Daraufhin hätten ihn Polizisten angehalten und ihn gefragt, warum er renne, sagte Navid B. weiter. Sie hätten ihn dann gefragt, "ob ich den Anschlag mit dem Laster verübt habe". Er habe dies abgestritten, war aber bis Dienstag in Gewahrsam gehalten worden. "Danach schickten sie mich in ein Hotel. Anschließend wurde ich in eine andere Flüchtlingsunterkunft gebracht."

In den vergangenen Tagen hatten sich Angehörige besorgt geäußert, weil Navid B. nach seiner Freilassung nicht wieder in seiner Unterkunft in Berlin-Tempelhof aufgetaucht war und sich zunächst nicht wieder bei ihnen gemeldet habe.

16:53 Uhr

Nach dem Terroranschlag in Berlin wird der Weihnachtsreiseverkehr in Deutschland schwer bewacht. An Flughäfen, Bahnhöfen und in einem 30 Kilometer breiten Streifen an den Grenzen Deutschlands sei die Bundespolizei stark präsent, teilte das Bundespolizeipräsidium in Potsdam mit. Auch nach dem Tod des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri blieben die Sicherheitsvorkehrungen auf unverändert hohem Niveau, hieß es aus der Bundespolizeidirektion Berlin. Die Maßnahmen würden bis auf Weiteres aufrechterhalten. Die Bundespolizei hat bundesweit 41.000 Mitarbeiter, darunter sind etwa 31.000 ausgebildete Vollzugsbeamte.

16: 38 Uhr

Die ARD hat den für den Neujahrstag vorgesehenen "Tatort"-Krimi aus Dortmund nach dem Terroranschlag in Berlin verschoben. Der Film "Sturm" sei "ein hochspannender 'Tatort' des WDR, der mit dem Selbstmordattentat eines Islamisten endet", sagte Programmdirektor Volker Herres in einer Mitteilung. Er wecke jedoch mit seinen Bildern und Eindrücken "Assoziationen zum Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin". Natürlich müsse ein "Tatort" nah an gesellschaftlichen Realitäten sein, sagte Herres weiter. "Aber mit Rücksicht auf die Opfer, ihre Angehörigen, Betroffene und das Empfinden von Zuschauern wollen wir diesen "Tatort" nicht am Abend des ersten Tages im neuen Jahr, sondern mit größerem zeitlichen Abstand zeigen." Der Film werde nun am 29. Januar gesendet.

16:32 Uhr

Mit dem Lied "We Are the World" haben Musiker am Brandenburger Tor ein Solidaritätskonzert im Gedenken an den Terroranschlag eröffnet. Unter dem Motto "Together Berlin" sollte die Aktion ein Zeichen setzen.

Gedenkveranstaltung am Brandenburger Tor
DPA

Gedenkveranstaltung am Brandenburger Tor

"Wir wollen uns Freundschaft, Verbundenheit und Liebe im Leben nicht nehmen lassen", sagte der Veranstalter Rainer Wohltat dazu vorab. Am Nachmittag waren bei kaltem Winterwetter zunächst nur einige Hundert Besucher unterwegs. Zur Sicherheit gab es Taschenkontrollen am Eingang und Betonsperren.

16:21 Uhr

Die Berliner Behörden prüfen ein mögliches Verbot des Moscheevereins Fussilet 33, in dem auch der mutmaßliche Attentäter vom Breitscheidplatz verkehrt haben soll. Derzeit werde geprüft, "ob man hier kurzfristig tätig werden kann", sagte Innenstaatssekretär Torsten Akmann im Berliner Innenausschuss. Es gehe um die Frage, ob "Verbotstatbestände" vorliegen, die einen solchen Schritt rechtfertigten. Dazu könnten Strafverfahren gegen Beteiligte gehören oder Hinweise auf Unterstützung terroristischer Vereinigungen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte im Anschluss an die Sitzung, man sein übereingekommen, das "jetzt noch einmal besonders intensiv zu betrachten und möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen." Über ein Verbot war bereits 2015 diskutiert worden.

16:08 Uhr

Unter den Opfern des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist auch eine Frau aus Neuss. Das Bundeskriminalamt habe sie identifiziert, teilte die Polizei in Neuss mit. Die Frau, zu der die Behörden keine näheren Angaben machten, sei zusammen mit ihrem erwachsenen Sohn auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, als der Lastwagen in die Menschenmenge fuhr. Der Sohn habe überlebt, werde aber noch im Krankenhaus behandelt.

15:56 Uhr

Die AfD kann in einer neuen Umfrage in der Wählergunst deutlich zulegen. Bei dem nach dem Terroranschlag in Berlin durchgeführten aktuellen Insa-Meinungstrend kommen die Rechtspopulisten auf 15,5 Prozent, berichtet die "Bild"-Zeitung. Das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Bereits Ende September hatte die Partei bei Insa dieses Jahreshoch von 15,5 Prozent erreicht.

Die CDU verliert demnach 1,5 Prozentpunkte und liegt bei 31,5 Prozent, ebenso büßt die SPD einen Prozentpunkt ein (20,5 Prozent). Die FDP liegt bei sechs Prozent (minus 0,5 Prozentpunkte). Im Vergleich zur Vorwoche sind Linke (11,5 Prozent) und Grüne (10 Prozent) unverändert.

15:50 Uhr

Im Zuge der Ermittlungen im Umfeld des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri gab es am Donnerstag insgesamt zehn Durchsuchungen in Deutschland: Nach SPIEGEL-Informationen wurden dabei sechs Objekte in Nordrhein-Westfalen und vier in Berlin durchsucht.

15:42 Uhr

Das in Paris ansässige auf Afrikarecherchen spezialisierte Internetportal "Monde Afrique" berichtet, dass der marokkanische Geheimdienst dem BND zweimal brisante Informationen zu Anis Amri übermittelt hätte. Am 19. September soll Marokko demnach die deutschen Sicherheitsbehörden darüber informiert haben, dass Anis Amri als "inbrünstiger Unterstützer des 'Islamischen Staats' identifiziert" wurde. Knapp einen Monat später, am 11. Oktober, informierte der Geheimdienst die deutschen Behörden darüber, dass Amri sich seit 14 Monaten in Deutschland versteckt und unter anderem zwei "gefährliche Abgesandte des 'Islamischen Staats'" besucht habe. Einer von ihnen sei ein Russe, der von deutschen Behörden nach Russland abgeschoben wurde, der andere ein Marokkaner, dessen Pass von der Berliner Polizei beschlagnahmt wurde. Wie der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen erfuhr, gab es tatsächlich Hinweise der Marokkaner, die zeitgleich an den BND und das BKA gingen. Die Hinweise seien ernst genommen und im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) erörtert worden.

15:35 Uhr

Außer der Geldbörse hatte die Polizei auch das Handy des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri gefunden. Nach SPIEGEL-Informationen konnte außen an dem Lkw, der am Montagabend in einen Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast war, ein Mobiltelefon der Marke HTC sichergestellt werden, das Amri zugeordnet wird. Offenbar wurde das wichtige Beweisstück - genau wie die Geldbörse Amris - erst viele Stunden nach dem Anschlag gefunden. Es sei erst am Dienstag bei einer erneuten Untersuchung des Lkw durch die Spurensicherung in einer Halle auf dem Gelände der Berliner Julius-Leber-Kaserne entdeckt worden.

Der LKW nach dem Attentat
REUTERS

Der LKW nach dem Attentat

Der Grund für den späten Fund, so heißt es aus Berliner Polizeikreisen, sei der "Akribie der Tatortarbeit" geschuldet. Man habe nach dem Prinzip Gründlichkeit vor Schnelligkeit gearbeitet. Derzeit werde das Mobiltelefon durch Spezialisten der Kriminaltechnik ausgewertet, erfuhr der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen. Auch das Handy des ermordeten polnischen Lkw-Fahrers wurde nach SPIEGEL-Informationen inzwischen sichergestellt. Zeugen hatten das Gerät in der Nähe des Tatorts gefunden und der Polizei übergeben.

15:19 Uhr

CSU-Chef Horst Seehofer verlangt eine schärfere Prüfung der Identität von Flüchtlingen. Bei vielen Verfahren gebe es nur noch einen formalisierten Fragebogen ohne Gespräche und Beteiligung des Verfassungsschutzes, kritisiert der bayerische Ministerpräsident in einem Vorabbericht der "Welt am Sonntag". Zumindest diese Formblatt-Fälle müssten noch einmal überprüft werden.

15:07 Uhr

Die Ermittlungen seien nicht vorüber, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Sie habe die Ermittler in Berlin besucht. "Wenn es weitere Helfershelfer gibt, werden wir sie zur Rechenschaft ziehen." Der Fall Amri werfe eine Reihe von Fragen auf, die sich auch auf die Zeit vor der Tat beziehen, als er nach Deutschland kam. "Wir können erleichtert sein, dass eine akute Gefahr beendet ist", sagte sie. Die Gefahr des Terrorismus bestehe aber weiter. Um unser aller Schutz zu gewährleisten müssten wir intensiv arbeiten, sagte Merkel weiter.

Angela Merkel
AFP

Angela Merkel

"Dort wo Bedarf für politische oder gesetzliche Veränderungen gesehen wird, werden wir notwendige Maßnahmen in der Bundesregierung zügig verabreden und umsetzen", sagt die CDU-Vorsitzende. Auch in der Zusammenarbeit mit den tunesischen Behörden habe es Fortschritte gegeben, was die Abwicklung von Abschiebungen betreffe. Merkel forderte mehr und schnellere Abschiebungen nach Tunesien. Die Rückführungen in das nordafrikanische Land müssten "deutlich" beschleunigt und die Zahl weiter erhöht werden, sagte Merkel in Berlin.

Es werde alles Menschenmögliche getan, damit "unser Staat ein starker Staat ist", sagte Merkel. "Unsere Demokratie, unser Rechtsstaat, unsere Werte, unsere Mitmenschlichkeit: sie sind der Gegenentwurf zur hasserfüllten Welt des Terrorismus."

15:05 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankt der italienischen Polizei für die enge Zusammenarbeit. Sie wünscht dem verletzten Polizisten eine rasche Genesung. Zudem bedankte sie sich auch bei den Sicherheitsbehörden anderer Länder für die Zusammenarbeit.

14.47 Uhr

Das IS-Sprachrohr Amaq hat ein Video veröffentlicht, auf dem der mutmaßliche Berlin-Attentäter Anis Amri zu sehen sein soll. Auf der knapp dreiminütigen Aufnahme schwört dieser dem Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue. Die Echtheit der Aufnahme konnte zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

14:38 Uhr

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kündigt rasche Beratungen über rechts- und sicherheitspolitische Konsequenzen an. Bei den Gesprächen "sehr zügig im Januar" mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) "wird es insbesondere um die Fragen gehen, wie Ausreisepflichtige so schnell wie möglich abgeschoben werden und wie Gefährder noch besser überwacht werden können", sagte der SPD-Politiker in Berlin. Maas sagte: "Auch wenn der Tatverdächtige tot ist, die rechtsstaatliche Aufarbeitung endet nicht. Die Ermittlungen laufen weiter. Denn: Wir müssen alles tun, um auch die Hintergründe des brutalen Anschlags aufzuklären."

14:35 Uhr

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich zu Amris Tod geäußert. Über seine Propagandaagentur Amaq teilte der IS mit: "Der Angreifer von Berlin führte einen neuen Angriff gegen eine Patrouille der italienischen Polizei in Mailand durch und kam während des Schusswechsels ums Leben." Wie schon das Bekennerschreiben zum Anschlag vom Breitscheidplatz enthält die Erklärung kein Täterwissen und keinen Hinweis darauf, dass Amri sein Vorgehen mit der IS-Spitze in Syrien und im Irak koordinierte.

14.21 Uhr

Innenminister Thomas de Maizière will nun mit Justizminister Heiko Maas über mögliche Konsequenzen beraten. Man werde anhand des Falles Amri untersuchen, was verbessert werden muss. De Maizière verwies dabei auf seinen vorliegenden Gesetzentwurf zur Abschiebungen und Duldungen.

Innenminister Thomas de Maizière
AFP

Innenminister Thomas de Maizière

14.17 Uhr

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat mit seinem italienischen Amtskollegen telefoniert. Dieser habe bestätigt, dass der Erschossene der Tatverdächtige Anis Amri ist. Die Identität sei über die Fingerabdrücke festgestellt worden. De Maizière beglückwünschte die italienischen Behörden und bedankte sich besonders bei den beiden Polizisten, die Amri im Großraum Mailand gestellt haben. Er sei "sehr erleichtert, dass von diesem Attentäter keine Gefahr mehr ausgeht". Die terroristische Bedrohungslage habe sich nicht verändert, sagte er. "Die Bedrohung bleibt hoch, die Behörden wachsam." Der Fahndungserfolg beende die Ermittlungen nicht. Weiter müsse nach möglichen Hintermännern gesucht werden. Noch am Freitag werde ein spezielles Team des BKA in Mailand eintreffen.

14.05 Uhr

Die Ermittlungen der "Besonderen Aufbauorganisation (BAO) City" des Bundeskriminalamts gehen mit Hochdruck weiter. Nach SPIEGEL-Informationen konnten die Fahnder inzwischen anhand von GPS-Daten die Fahrstrecke des gestohlenen Sattelschleppers rekonstruieren.

Demnach erfolgte die Anfahrt zum Tatort am Berliner Breitscheidplatz über die Hardenbergstraße, aus Richtung Ernst-Reuter-Platz. Zudem konnten die Ermittler, unter anderem durch die Analyse elektronischer Daten, ein vorläufiges Bewegungsprofil des mutmaßlichen Attentäters Amri erstellen: Demnach hielt er sich bereits seit Mittwoch, dem 14. Dezember, in Berlin auf.

14.01 Uhr

In den italienischen Zeitungen gab es Berichte, wonach Anis Amri "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen habe, bevor er auf die beiden Polizisten in Mailand geschossen habe. Davon wisse er nichts, sagt nun der Mailänder Polizeipräsident Antonio de Iesu. Der Tunesier habe die Polizisten aber als "Bastarde" beschimpft. Bei dem Schusswechsel verletzte Amri einen der Beamten. Sein Kollege feuerte zurück und traf Amri tödlich.

13.56 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich um 15 Uhr zum Tod des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri äußern.

13.55 Uhr

Die Mailänder Polizei hatte nach Angaben ihres Präsidenten keine Geheimdienstinformationen oder andere Hinweise darauf, dass sich Amri nach Mailand abgesetzt hatte. Amri habe sich verdächtig verhalten und sei deswegen kontrolliert worden. Die Polizeistreife habe nicht gewusst, dass es sich um den mutmaßlichen Berlin-Attentäter handeln könnte, sonst wäre sie vorsichtiger gewesen, so Antonio De Iesu.

13.40 Uhr

Die Ermittlungen konzentrieren auch auf die Tatwaffe. "Für uns ist von Interesse, ob die Waffe, die bei Amri in Mailand gefunden wurde, die Tatwaffe von Berlin ist", so Generalbundesanwalt Peter Frank. Die italienische Polizei hatte mitgeteilt, dass Amri mit einer Pistole vom Kaliber .22 schoss.

13.37 Uhr

Die Behörden fahnden also weiter nach eventuellen Hintermännern der Tat von Berlin. Dafür müsse auch der Fluchtweg von Amri analysiert werden, so Generalbundesanwalt Frank. Der Tunesier war laut italienischer Polizei per Zug über Frankreich nach Italien gereist. In Mailand wurde er am frühen Freitagmorgen erschossen.

13.34 Uhr

Generalbundesanwalt Peter Frank äußert sich vor der Presse. "Unsere Ermittlungen gehen weiter", sagt er. Nun müsse festgestellt werden, ob Amri bei der Vorbereitung des Anschlags in Berlin "Helfer oder Mitwisser" hatte.

13.10 Uhr

Bei den zwölf Todesopfern handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um sechs Männer und sechs Frauen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, darunter seien je eine Frau aus Tschechien, Italien und Israel sowie ein Pole - der getötete Lkw-Fahrer Lukasz U. Bei den übrigen acht Todesopfern handelt es sich um Deutsche. Unter den 45 Verletzten befinden sich Staatsbürger aus Israel, Spanien, Großbritannien, Ungarn, Finnland und dem Libanon. Das Bundeskriminalamt hat inzwischen eine Sonderkommission, die "Besondere Aufbauorganisation (BAO) City", eingerichtet, die zu den Hintergründen des Anschlags ermittelt.

12.55 Uhr

"Grazie e pronta guarigione ai colleghi feriti." Die Berliner Polizei hat sich per Twitter bei ihren italienischen Kollegen für die Hilfe bei der Suche nach Anis Amri bedankt. "Danke für die Unterstützung und gute Besserung dem verletzten Kollegen." Der mutmaßliche islamistische Terrorist Amri war bei Mailand gefasst und getötet worden.


12.50 Uhr

Wie das Berliner Landeskriminalamt mitteilte, handelte es sich bei dem Mann, der auf den Bildern einer Überwachungskamera an der Moschee in Moabit zu sehen war, definitiv nicht um Anis Amri. Der rbb hatte am Donnerstagabend die Bilder veröffentlicht. Demnach sollte Amri am frühen Dienstagmorgen dort gefilmt worden sein, also knapp acht Stunden nach dem Anschlag. Die Moschee gilt als Salafistentreffpunkt.

12.15 Uhr

Über die Schießerei, bei der der mutmaßliche Attentäter von Berlin italienischen Behördenangaben zufolge erschossen worden ist, hat Ministerpräsident Paolo Gentiloni Bundeskanzlerin Angela Merkel in Kenntnis gesetzt. "Ich habe Angela Merkel an diesem Morgen über den Einsatz informiert", sagte Paolo Gentiloni in Rom.

12.00 Uhr

Italiens Innenminister Marco Minniti dankte den zwei Polizisten für ihren Einsatz. Einer der Polizisten war bei dem Schusswechsel mit dem Berlin-Attentäter Anis Amri verletzt und an der Schulter getroffen worden. Daraufhin schoss sein Kollege, laut italienischen Zeitungen ein 29-jähriger Polizist in der Probezeit, zurück. Der verletzte Beamte wird jetzt in Monza behandelt. Der mutmaßliche Attentäter von Berlin ist demnach am Bahnhof der Stadt Sesto San Giovanni im Großraum Mailand erschossen worden. Anwohner berichteten am Freitag laut der Nachrichtenagentur dpa, sie hätten am Morgen mehrere Schüsse gehört.

11.50 Uhr

Die Bundesregierung hat den Tod des mutmaßlichen Attentäters von Berlin noch nicht offiziell bestätigt. "Ich würde sie da ein bisschen um Geduld bitten. Die Dinge sind im Fluss", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Die Regierung stehe in engem Kontakt mit den italienischen Behörden

11.35 Uhr

Anis Amri soll nach Polizeiangaben mit dem Zug von Berlin nach Italien gereist sein. Er sei aus Frankreich, aus Chambéry in Savoien, nach Turin gekommen, berichtete der Mailänder Antiterrorchef Alberto Nobili. Von Turin sei er wiederum mit dem Zug nach Mailand gefahren, wo er gegen 1 Uhr in der Nacht zum Freitag angekommen sei. Gegen 4 Uhr am Morgen sei er dann den zwei Polizisten begegnet, die ihn bei einem Schusswechsel töteten.

11.30 Uhr

Der verletzte Polizist erlitt bei der Schießerei einen Schulterdurchschuss. Das meldet der Nachrichtensender n-tv. Der getroffene Polizist schwebe nicht in Lebensgefahr, sagte der italienische Innenminister Marco Minniti.

11.17 Uhr

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin ist der Polizei in Mailand bei einer normalen Kontrolle ins Netz gegangen, so Italiens Innenminister Marco Minniti. Nach ersten Informationen fiel der Mann am frühen Freitagmorgen um 3 Uhr bei einer Routinekontrolle auf dem Platz des 1. Mai im Stadtteil Sesto San Giovanni im Norden von Mailand auf.

11.15 Uhr

Eine Polizeipatrouille habe den Terrorverdächtigen erkannt, sagte der italienische Innenminister Marco Minniti. Daraufhin habe Anis Amri sofort geschossen. Es kam zum Schusswechsel. Dabei wurde ein Polizist verletzt und Anis Amri getötet.

11.11 Uhr

Bei der in Mailand erschossenen Person handele es sich zweifelsfrei um den Terrorverdächtigten Anis Amri. Das teilte der italienische Innenminister Marco Minniti auf einer Pressekonferenz mit.

11.08 Uhr

Unter den Todesopfern des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt sind nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler mindestens vier Ausländer. Neben dem getöteten polnischen Lastwagenfahrer seien je ein Opfer aus Tschechien, Italien und Israel identifiziert worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Insgesamt wurden zwölf Menschen getötet, darunter mehrere Deutsche.

11.00 Uhr

Der nach dem Berliner Terroranschlag europaweit gesuchte Tunesier Anis Amri soll bei einem Schusswechsel mit der Polizei in Mailand getötet worden sein. Nach ersten Informationen ging Amri der Polizei offenbar bei einer normalen Kontrolle ins Netz. Dabei habe er eine Schusswaffe gezogen und auf die Polizisten geschossen. Diese hätten das Feuer erwidert und ihn getötet. "Die Abklärungen laufen, wir sind in Kontakt mit den italienischen Sicherheitsbehörden", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. In einer Pressekonferenz sollen später weitere Details genannt werden.

10.15 Uhr

Nach Angaben der dänischen Polizei ist in der Stadt Aalborg ein Mann gesehen worden, der starke Ähnlichkeiten mit dem Terrorverdächtigen Anis Amri aufweisen soll. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Polizei.

10.06 Uhr

Sahra Wagenknecht hat der Bundesregierung wegen des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan eine Mitverantwortung für Terror in Deutschland gegeben. "Aufgrund der vielen zivilen Toten stärken Kriegseinsätze in der muslimischen Welt letztlich den Terror statt ihn zu schwächen", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Deutschland sei noch nie am Hindukusch verteidigt worden, "aber die Sicherheit der Menschen in Deutschland wird auch durch die deutsche Kriegsbeteiligung am Hindukusch in Gefahr gebracht", sagte die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag.

09.20 Uhr

"Warum haben sie ihn nicht nach Tunesien geschickt? Warum wurde er nicht verurteilt? Warum wurde er nicht verhaftet?" Die Mutter des Terrorverdächtigen Anis Amri hat die europäischen Sicherheitsbehörden stark kritisiert. "Die Sicherheitsleute in Italien und in Deutschland tragen die Verantwortung mit. Sie haben ihn schon zweimal oder dreimal erwischt", sagte Nour Alhoda Hassani in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Der Familie im tunesischen Oueslatia, 140 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, war bekannt, dass Amri sich seit seiner Abreise nach Europa verändert hatte. Konfrontiert mit dem Fahndungsfoto des BKA sagt Amris Mutter: "Das tut weh, sehr weh. Wie konnte so etwas passieren? Mir tun die Unschuldigen sehr leid. Und mein Sohn tut mir auch leid. Warum hat er so etwas gemacht? Er trägt die Verantwortung."

Sein ältester Bruder Walid Amri hatte noch Tage vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Kontakt zu seinem Bruder Anis, will aber von dessen Plänen nichts gewusst haben: "Was er in Deutschland gemacht hat, darüber wussten wir nichts."

08.52 Uhr

Die Hamburger Polizei prüft derzeit, ob der Terrorverdächtige Anis Amri für den Mord an einem 16-Jährigen an der Alster verantwortlich sein könnte. Das berichten die Zeitungen der Funke-Gruppe. Die Mordkommission habe demnach Ähnlichkeiten zwischen dem Terrorverdächtigen Amri und dem Phantombild in dem Hamburger Mordfall vom Oktober festgestellt. Ein Polizeisprecher bestätigte den Bericht: "Das ist eine weitere Spur, der wir nachgehen. Nach derzeitigem Stand gibt es da aber keine Hinweise. "Ein Unbekannter hatte am 16. Oktober in Hamburg einen 16-Jährigen mit mehreren Messerstichen getötet. Anfang November hatte die Polizei ein Phantombild eines etwa 23 bis 25 Jahre alten Mann veröffentlicht. Eine Verbindung zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hält die Polizei weiter für unwahrscheinlich. Das IS-Sprachrohr "Amak" hatte die Tat aber für sich reklamiert.

08.40 Uhr

Die Festnahmen von zwei Männern in Duisburg stehen nach Polizeiangaben nicht in Verbindung zur Fahndung nach dem Terrorverdächtigen Anis Amri. "Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Fall Amri außer dem terroristischen Hintergrund", sagte ein Sprecher der zuständigen Polizei in Essen. Die Polizei hatte die Männer in Gewahrsam genommen, weil sie im Verdacht stehen, einen Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Oberhausen vorbereitet zu haben.

08.10 Uhr

"Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich seine Familie jetzt fühlen muss in dieser schrecklichen Situation." David Duncan ist nach eigenen Angaben Lkw-Fahrer in Großbritannien. Das Attentat in Berlin hat ihn geschockt - vor allem der Tod von Lukasz U. berührt ihn. Dabei habe er den Mann nie persönlich getroffen. Lukasz U. war tot in der Fahrerkabine des Lkw gefunden worden, den der Verdächtige Anis Amri in den Weihnachtsmarkt in Berlin gelenkt haben soll. Um die Familie seines verstorbenen Kollegen zu unterstützen, rief der Brite eine Spendenseite ins Leben. Inzwischen hat der Lkw-Fahrer mehr als 100.000 Euro gesammelt (rund 86.000 Pfund). Bisher haben 5700 Menschen auf der Crowdfunding-Seite GoFundMe gespendet.

07.51 Uhr

Wegen des Anschlags in Berlin wird der Reiseverkehr zu Weihnachten schwer bewacht. An Flughäfen und Bahnhöfen ist die Bundespolizei verstärkt präsent, teilte das Bundespolizeipräsidium in Potsdam mit. Mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen ausgerüstete Beamte gehen auf Streife. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurde die Präsenz bereits nach den Anschlägen von Paris und Brüssel erhöht. Auch am größten deutschen Flughafen in Frankfurt hatte die Bundespolizei gleich nach dem Anschlag die Fahndung intensiviert. Außerhalb der Bundeshauptstadt hat die Bundespolizei vor allem die Grenzen im Blick. Bundesweit darf sie in einem Streifen von 30 Kilometern zur jeweiligen Grenze kontrollieren.

07.25 Uhr

Neue Hinweise zum mutmaßlichen Attentäter Anis Amri könnten darauf hindeuten, dass der Tunesier nach dem Anschlag Unterschlupf in Berlin gesucht haben könnte. Der rbb veröffentlichte Überwachungsbilder, die den Verdächtigen knapp acht Stunden nach dem Lkw-Anschlag vor einem Berliner Moschee-Verein zeigen sollen. Nach Informationen des "Tagesspiegels" gehen die Ermittler davon aus, dass sich Amri noch in Berlin versteckt hält. Ein Zeuge habe ihn nach dem Anschlag mit Verletzungen im Gesicht fliehen sehen. Verschiedene Wohnungsdurchsuchungen blieben erfolglos. Nach rbb-Informationen soll Amri zudem auf der Flucht nicht nur seine Geldbörse mit diversen Dokumenten im Lkw-Fahrerhaus liegen gelassen, sondern auch sein Handy verloren haben. Die Bundesanwaltschaft kommentierte die Angaben noch nicht.

07.00 Uhr

Grünen-Chef Cem Özdemir macht den tunesischen Behörden wegen der gescheiterten Abschiebung des Terrorverdächtigen Anis Amri Vorwürfe. Das Verhalten der tunesischen Stellen in dieser Sache sei "ärgerlich", sagte der Grünen-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Es kann nicht sein, dass manche Länder über Unterstützung dankbar sind, aber sich weigern, Verbrecher aus ihren Ländern wieder aufzunehmen."

Migranten wie Amri, die als sogenannte Gefährder identifiziert worden seien, müssten künftig schneller abgeschoben werden, forderte Özdemir. "Wenn eine kürzlich eingereiste Person hierzulande gegen den Westen und seine Werte Anschläge verüben kann und damit das Leben meiner Mitbürger gefährden kann, sehe ich wenig Argumente, warum so eine Person bei uns bleiben soll."

05.30 Uhr

Ein Foto zweier Polizeibeamtinnen auf einem Kölner Weihnachtsmarkt hat für Irritation gesorgt. Sie tragen Maschinenpistolen - jedoch ohne Magazine. Das Bild der Polizistinnen, die mit Schutzwesten und Maschinenpistolen ausgestattet am Weihnachtsmarkt am Rudolfplatz stehen, war im "Kölner Stadt-Anzeiger" erschienen.

Das Foto verbreitete sich in den sozialen Netzwerken, auch innerhalb der Kölner Polizeibehörde. Das Problem: Die Beamtinnen hatten die Magazine nicht in die MP5 eingeführt, sondern trugen sie in den Innentaschen ihrer Westen. Ein Polizeisprecher sagte gegenüber der "Rheinischen Post": Die Trageweise entspreche nicht den Vorgaben. Die Waffen müsse einsatzbereit mitgeführt werden. Das Magazin in der Westentasche reiche dafür nicht aus. Nun soll es ein Gespräch mit den Vorgesetzten geben.

mho/kgp/brt/sun/dpa/Reuters/AP/AFP

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