Verdächtiger Tunesier Anis Amris Spur durch Europa

Die Fahndung nach dem möglichen Attentäter Anis Amri läuft auf Hochtouren. In seiner Heimat Tunesien wird angeblich die Familie des Verdächtigen vernommen. Medien berichten zudem von direktem Kontakt zum IS.

DPA/ BKA

Europol fahndet nach Anis Amri, dem möglichen Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt. In Tunesien verhörten Ermittler nach einem Bericht der Zeitung "Al-Chourouk" Verwandte des 24-Jährigen in der nordöstlichen Provinz Kairouan, einer Salafisten-Hochburg. Die Familie habe ausgesagt, dass sie keinen steten Kontakt mit Amri hatte, seitdem er das Haus Ende 2010 verlassen habe. Sein Vater sagte dem tunesischen Sender Mosaique FM, Anis Amri habe Tunesien vor rund sieben Jahren verlassen.

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt halten Amri für dringend tatverdächtig und haben ihn zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben. 100.000 Euro sind als Belohnung ausgesetzt. Das Fahndungsschreiben wurde auch auf Arabisch, Dari, Farsi und Urdu veröffentlicht. Seine Duldungspapiere wurden in dem Lastwagen gefunden, der am Montagabend auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren war. Zwölf Menschen wurden getötet, rund 50 teils lebensbedrohlich verletzt. Ein zunächst festgenommener Pakistaner kam wieder frei.

Im Internet soll er sich über den Bau von Sprengsätzen informiert haben

Amri habe 2010 ersten Erkenntnissen von Ermittlern zufolge in seiner Heimat einen Lastwagen gestohlen und sei daraufhin zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, berichtet die "Welt". Ein Jahr später sei er dann als Flüchtling nach Italien gekommen, wie die dortige Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Dort wurde Amri angeblich in einem Auffanglager auf Sizilien untergebracht. Weil er Sachbeschädigungen und "diverse Straftaten" beging, kam er demnach in Palermo vier Jahre ins Gefängnis. Nach Informationen der "Welt" wurde er wegen Gewalttaten, Brandstiftung, Körperverletzung und Diebstahls verurteilt. Mithäftlinge hätten ihn als gewalttätig beschrieben.

Im Frühjahr 2015 wurde Amri laut Ansa entlassen, konnte wegen Problemen mit den tunesischen Behörden aber nicht ausgewiesen werden. Er sei dann nach Deutschland weitergereist.

Die "New York Times", berichtet außerdem, der 24-Jährige Tunesier habe sich im Internet über den Bau von Sprengsätzen informiert. Amri soll auch direkten Kontakt zum Terrornetzwerk "Islamischer Staat" (IS) gehabt haben.

Die Zeitung beruft sich auf Aussagen nicht näher genannter amerikanischer Offizieller. Unklar ist, auf welchen Zeitraum sich die Angaben beziehen. Amri stand demnach mindestens einmal über den Messengerdienst Telegram in Kontakt zum IS. Sein Name habe zudem auf der Flugverbotsliste der USA gestanden.

als/dpa

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