Anschlag in Berlin "Islamischer Staat" reklamiert Lkw-Attentat für sich

Die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" will für den Anschlag in Berlin verantwortlich sein. Eine Bestätigung durch die Sicherheitsbehörden steht noch aus. Ermittlungsbehörden sammelten inzwischen über 500 Hinweise.


Der sogenannte "Islamische Staat" (IS) hat denAnschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin mit zwölf Toten und Dutzenden Verletzten für sich reklamiert. Der IS gab eine entsprechende Information am Dienstag über sein Sprachrohr Amaq bekannt. Amaq wird auch als "Nachrichtenagentur" der Dschihadisten bezeichnet. Sie ist de facto das Verlautbarungsorgan der Terrormiliz.

Der Täter sei "ein Soldat des Islamischen Staates" gewesen, behaupten die IS-Propagandaagentur. Die Erklärung beinhaltet allerdings keinerlei Insider-Informationen oder Angaben zum Täter. Das deutet eher darauf hin, dass der Anschlag nicht von der IS-Führung im Irak und in Syrien koordiniert wurde. Der Anschlag sei eine Reaktion auf die Angriffe der internationalen Koalition gegen Irak und Syrien.

Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Bekenntnissen der Extremisten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte zuvor erklärt, vieles spreche für ein islamistisches Motiv. Nach dem mutmaßlichen Bekenntnis betonte er, man ermittle weiterhin in mehrere Richtungen. "Diese angebliche Bekennung des sogenannten "Islamischen Staates" - das ist ja in Wahrheit eine Terrorbande - haben wir gerade erst bekommen", sagte der CDU-Politiker am Dienstagabend in der ARD. Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. "Wir sollten die Sicherheitsbehörden ihre Arbeit machen lassen. Die arbeiten mit Hochdruck. Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind", sagte der Minister.

Der Schauplatz des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, der Breitscheidplatz, bleibt auch am Mittwoch weiträumig abgeriegelt. Die Polizei begründete diesen Schritt am Dienstagabend mit der andauernden Ermittlungsarbeit des Landeskriminalamtes. Zu der Bluttat vom Montagabend seien inzwischen 508 Hinweise über das dafür bereitstehende Telefon eingegangen, twitterte das Polizeipräsidium in Berlin.

Auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche nahe des Kurfürstendamms war am Montagabend ein Lkw in die Menge gerast. Zwölf Menschen wurden getötet, darunter der ursprüngliche Fahrer des aus Polen stammenden und wohl gestohlenen Lkw. Verletzt wurden laut Bundesanwaltschaft 45 Personen, davon 30 schwer. Ein zunächst als tatverdächtig festgenommener Pakistaner wurde am Dienstag wieder auf freien Fuß gesetzt. "Die bisherigen Ermittlungsergebnisse ergaben keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten", teilte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mit.

Was bisher geschah im Video-Überblick:

ala/dpa/Reuters

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