Anschlagspläne auf Maget Wollten Neonazis Rache nehmen?

Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Franz Maget ist offenbar das Ziel eines Attentats von Neonazis gewesen - möglicherweise eine Art Racheakt. Innenminister Schily sieht eine neue Qualität der Gewaltbereitschaft. Maget selbst sagt: "Ich habe keine Angst."


Im Visier von Rechtsterroristen: Franz Maget, Spitzenkandidat der SPD bei der bayerischen Landtagswahl
DDP

Im Visier von Rechtsterroristen: Franz Maget, Spitzenkandidat der SPD bei der bayerischen Landtagswahl

München - Magets Sprecher Michael Langer erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass der SPD-Politiker am vergangenen Mittwoch bei einer Kommunalveranstaltung in Garching über die Gefährdungslage informiert worden sei. Die Münchner Polizei habe ihm mitgeteilt, dass bei der Festnahme des Rechtsextremisten Martin Wiese Unterlagen gefunden worden seien, wonach Maget ausgespäht wurde.

Dabei ging es den Verdächtigen insbesondere um die Fahrwege des SPD-Politikers und die Frage, wann er morgens das Haus verlässt. Es habe aber keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag geben, weder zum Zeitpunkt noch zur Art und Weise eines Attentats, so Langer.

Zum möglichen Hintergrund gab Langer folgende Erklärung, die auf eine Art Racheakt hinweisen könnte: Maget habe Ende Mai am Rotkreuzplatz in Münchens Innenstadt einen SPD-Stand besucht. Kurz darauf sei Wiese mit einer Reihe von Gefolgsleuten aufmarschiert, die störten und grölten. Daraufhin habe Maget Wiese zur Rede gestellt. Anscheinend sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, so dass die Polizei geholt werden musste.

Innenminister Otto Schily bestätigte den Dokumentenfund. Offenbar seien auch schon Personen losgeschickt worden, um den Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl auszuspionieren.

Schily zeigte sich am Montag in München besorgt über diese Erkenntnisse. Man kenne aus früheren Jahren bei rechtsextremen Gruppen eine erhebliche Gewaltbereitschaft und auch Sprengstoffanschläge gegen Sachen, sagte der Innenminister. "Aber hier handelt es sich um eine neue Qualität."

Maget erhielt Personenschutz und ein gepanzertes Fahrzeug. Der SPD-Spitzenkandidat betonte: "Ich habe keine Angst." Die Gruppe sei ja größtenteils in Haft. Die Polizei habe ihm aber geraten, das ernst zu nehmen. Das bayerische Innenministerium versicherte, es würden alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz von Maget getroffen. Details wollte ein Sprecher nicht nennen.

Sowohl Schily als auch Maget mahnten ein entschiedenes Vorgehen gegen den Rechtsextremismus an. Dazu gehöre auch eine verstärkte Jugendarbeit. Schily sagte, man müsse die Jugendlichen gegen Neonazis immunisieren. Er wandte sich zugleich erneut gegen Vergleiche mit der terroristischen Rote Armee Fraktion, wie sie der bayerische Innenminister Günther Beckstein angestellt hatte. Es dürfe keine Übertreibungen geben. Schily betonte ferner, Bayern sei nicht der Schwerpunkt der Aktionen von Neonazis. Solche Gruppierungen gebe es vielmehr in ganz Deutschland.

Bereits am Freitag waren Überlegungen der Neonazis bekannt geworden, bei der Grundsteinlegung des neuen jüdischen Gemeindezentrums am 9. November eine Bombe explodieren lassen zu wollen. An dem Festakt teilnehmen wollten unter anderen Bundespräsident Johannes Rau und Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber.

Conny Neumann



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