Ansprache im Bundestag Grünen kritisieren geplante Papst-Rede

Der geplante Auftritt des Papstes im Bundestag trifft nicht bei allen Fraktionen auf Zustimmung: Unter den grünen Abgeordneten gibt es Widerstand. Benedikt XVI. soll während seines Berlin-Besuchs im September 2011 vor den Parlamentariern sprechen.

Papst Benedikt XVI.: Kein einhellige Zustimmung wegen Bundestags-Rede
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Papst Benedikt XVI.: Kein einhellige Zustimmung wegen Bundestags-Rede


Hamburg/Berlin - Die Grünen-Fraktion hat Bedenken gegen die Pläne für eine Rede des Papstes im Bundestag. "Der Deutsche Bundestag ist zu Recht zurückhaltend bei der Einladung ausländischer Staatsgäste", sagte der Geschäftsführer der Fraktion, Volker Beck. "Der Papst ist in erster Linie das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft."

Nach momentaner Planung soll Papst Benedikt XVI. im Rahmen seines Deutschland-Besuchs im September 2011 vor den Bundestagsabgeordneten sprechen. Bei der ersten offiziellen Staatsvisite in Deutschland will er auch das Bistum Erfurt und das Erzbistum Freiburg besuchen. Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) teilte mit, das katholische Kirchenoberhaupt habe seine Einladung angenommen.

Lammert sagte, von den Partei- und Fraktionsführungen habe er "Signale der Zustimmung" zu dem Vorhaben bekommen. Doch die Grünen widersprechen. Es gebe in der Frage "kein Einvernehmen" mit seiner Fraktion, sagte Geschäftsführer Beck. "Im Sinne der religiösen Vielfalt" stelle sich die Frage, welche anderen Religionsgemeinschaften eingeladen werden müssten, vor dem Parlament zu sprechen.

Der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl reagierte mit Unverständnis auf die Einwände der Grünen. "Jetzt ist die Dagegen-Partei auch noch gegen den Papst", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Auch von der CSU kam Kritik.

Die Linksfraktion reagierte zurückhaltend. "Wir sind nicht dagegen, wir nehmen es zur Kenntnis", sagte Sprecher Hendrik Thalheim. "Staatsoberhäupter können dort sprechen, also kann auch der Papst dort sprechen." Die Linksfraktion sehe der Rede mit Interesse entgegen, weil Amtsvorgänger dieses Papstes in Friedensfragen und sozialen Fragen zum Nachdenken angeregt hätten.

Die Visite im kommenden Jahr wird der dritte Besuch von Benedikt XVI. in Deutschland sein. Kurz nach seiner Wahl zum Papst 2005 war Benedikt XVI. zum Weltjugendtag nach Köln gereist, im September 2006 besuchte er in seiner bayerischen Heimat München, Altötting, Marktl am Inn, Regensburg, Pentling und Freising. Bereits in den vergangenen Jahren war wiederholt über einen Berlin-Besuch des Papstes spekuliert worden, beispielsweise zum 20. Jahrestag des Mauerfalls oder der Wiedervereinigung.

flo/dpa/dapd



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