Anti-Atom-Demo Tausende bilden Menschenkette durch Münchens Innenstadt

Zehntausende Kernkraftgegner haben in München mit Trillerpfeifen und Plakaten ihren Unmut über die Laufzeitverlängerung der deutschen Meiler zum Ausdruck gebracht. Sie bildeten eine zehn Kilometer lange Kette durch die bayerische Landeshauptstadt. Laut Polizei lief die Veranstaltung friedlich ab. 
Odeonsplatz in München: Zehntausende Atom-Gegner bildeten Menschenkette

Odeonsplatz in München: Zehntausende Atom-Gegner bildeten Menschenkette

Foto: Andreas Gebert/ dpa

schwarz-gelben Bundesregierung

München - Friedlicher Protest in München: Mehrere zehntausend Menschen haben gegen die Atompolitik der protestiert. Höhepunkt der Demonstration gegen verlängerte Laufzeiten der Atomkraftwerke war eine rund zehn Kilometer lange Menschenkette durch die Münchner Innenstadt. Nach Angaben der Organisatoren nahmen daran etwa 50.000 Menschen teil, die Polizei sprach hingegen nur von rund 25.000. Erst Mitte September waren in Berlin rund 100.000 Menschen gegen die Atompolitik von Union und FDP auf die Straße gegangen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel

"Das ist ein Riesenerfolg für uns. Es ist das angekündigte und erwartete Erdbeben", sagte Marcus Greineder, Cheforganisator des Bündnisses "KettenreAktion Bayern". Aus Berlin erklärte zu der Münchner Protestaktion: "Das zeigt einmal mehr, dass die Bevölkerung die Lobbypolitik der Bundesregierung für die vier Atomkonzerne nicht einfach hinnimmt."

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte bei der Abschlusskundgebung am Odeonsplatz, mit der gesetzlichen Regelung eines Atomausstieges habe es bereits einen gesellschaftlichen Konsens gegeben. "Dass man wieder auf die Straße gehen muss, ist dem Wortbruch der Atomindustrie und der schwarz-gelben Regierung zu verdanken", kritisierte er.

Münchner Menschenkette größte Anti-Atom-Demo in Bayern seit 1985

Ude warf der Koalition eine verantwortungslose Politik vor. "Wörter wie Nachhaltigkeitdarf darf eine solche Regierung nicht mehr in den Mund nehmen", sagte er. Die Zukunft müsse den erneuerbaren Energien gehören, es dürfe keinen Rückfall in das Atomzeitalter geben. Union und FDP hatten den zehn Jahre alten Atomausstieg von Rot-Grün im September aufgekündigt. Deshalb soll der letzte Atommeiler nun nicht vor dem Jahr 2036 vom Netz gehen.

Von der geplanten Laufzeit-Verlängerung sind auch fünf bayerische Atomkraftwerke betroffen - darunter der besonders umstrittene Meiler Isar 1, der bereits seit 1977 am Netz ist. Ein breites Bündnis aus mehreren Parteien und Bürgerinitiativen hatte zu der Demonstration aufgerufen. Das Bündnis fordert eine Wende, weg von der Kernkraft und hin zu erneuerbaren Energien.

Bayernweit war die Münchner Aktion die größte Anti-Atom-Demonstration seit der Kundgebung gegen die - damals noch geplante, später aber doch verworfene - atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf im Jahr 1985. Damals hatten bis zu 50.000 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt gegen die Nutzung der Atomenergie protestiert.

luk/dpa/ddp
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