Anti-Castor-Protest Polizei räumt Straßenblockade bei Gorleben

Der Einsatz begann am frühen Morgen: Bei den Protesten gegen den Castor-Transport hat die Polizei die Zufahrt zum Zwischenlager Gorleben geräumt. Die letzte Etappe hat begonnen - die Tieflader mit dem Atommüll sind in Richtung Gorleben unterwegs.

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Gorleben - Nach fast zwei Tagen Blockade von mehreren tausend Atomkraftgegnern ist der Castor-Konvoi aus dem Verladebahnhof Dannenberg in Richtung Zwischenlager Gorleben gestartet. Falls die Tieflader mit dem Atommüll auf den letzten 20 Straßen-Kilometern zum Zwischenlager nicht mehr aufgehalten werden, könnten sie die Strecke in rund einer Stunde schaffen.

Am Dienstagmorgen gegen 07.30 Uhr beendete die Polizei die Räumung der Zufahrtsstraße, auf der zeitweise bis zu 4000 Menschen fast 45 Stunden auf Strohsäcken und Iso-Matten ausgeharrt hatten. Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood, die sich an Seilen über die Zufahrtsstraße gehängt hatten, wurden von der Polizei heruntergeholt.

Der Einsatz dauerte mehrere Stunden: Um 3.17 Uhr erging von der Polizei die dritte und letzte Aufforderung an die Protestierenden, das Areal zu verlassen. Ein Polizeisprecher sagte, der Austausch von Einheiten sei abgeschlossen, somit sei es möglich, nun mit der Räumung zu beginnen. Dies dürfte mehrere Stunden dauern.

Polizisten trugen gegen 03:25 Uhr die ersten Demonstranten weg, teilten die Organisatoren von der gewaltfreien Kampagne "X-tausendmal quer" mit. "Wir möchten ihnen nicht wehtun", sagt ein Polizist über Lautsprecher, als die Räumung begann. Tatsächlich verlief der Einsatz zunächst ruhig und besonnen, die Beamten trugen die Aktivisten vorsichtig ein paar Meter von der Straße in Richtung Wald und bauten Absperrgitter auf.

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Einsatz in Gorleben: Einbetoniert gegen den Castor
Das fand Anerkennung bei den Demonstranten - und bei Politikern: "Ein Lehrstück, wie man es machen kann", sagte Kirsten Lühman, SPD-Abgeordnete für den Wahlkreis Celle, die selber Polizeibeamtin ist. "Und zwar von beiden Seiten." Sie ist eine von mehreren Parlamentariern, die die Räumung beobachteten. Dass die Polizei auch anderes kann, hatte sie am Sonntagmorgen gezeigt, als sie Schotterer im Wald jagte und Schlagstöcke, Pfefferspray und Pferdestaffeln einsetzte.

Anfangs konnten die Demonstranten sich am Dienstagmorgen noch wenige Meter hinter den räumenden Polizisten einfach wieder auf die Straße setzen. Später wurde auch das verhindert. Womöglich fehlte es Anfangs schlichtweg am nötigen Personal. Erstmals hatte die Polizei die Atomkraftgegner am Montagabend gegen 21.30 Uhr aufgefordert, die Straße zu räumen. Nach Angaben der Protestler waren zuletzt 4000 Atomkraftgegner auf der Straße, die Polizei sprach von etwa 3000.

Weitere Blockaden beseitigt

Gleichzeitig gelang es der Polizei, eine Beton-Pyramide vor Gorleben, an die sich Bauern gekettet hatten, von der Straße zu räumen. Die Pyramide war eines der drei größten Hindernisse, um den radioaktiven Abfall vom Verladebahnhof nahe Dannenberg über die Straße nach Gorleben zu transportieren.

Ein weiteres Problem war eine Lastwagen-Blockade der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Dannenberg. Dort wurden am Dienstagmorgen laut Polizeiangaben zwei Umweltschützer aus ihrer Verankerung befreit. Die beiden waren mit einem Arm und beiden Beinen in einem Betonblock fixiert. Mehrere Spezialisten der Polizei versuchten seit Montagabend, den Protest mit Spezialwerkzeug zu beenden. Den Umweltschützern war es gelungen, die Transportstrecke mit einem als Getränkelastwagen getarnten Fahrzeug zu blockieren.

Mit mehr als 85 Stunden ist dieser Castor-Transport bereits jetzt der längste in der deutschen Atommüll-Geschichte. Allein im Wendland wurden rund 40 Stunden lang Schienen und nun auch Straßen blockiert. Der Zug mit den elf Atommüll-Behältern aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague war am Montag mit eintägiger Verspätung in Dannenberg angekommen.

Unterdessen hat Umweltminister Norbert Röttgen eine Beteiligung der Atomindustrie an den Kosten für den Polizeieinsatz bei den Castor-Transporten abgelehnt. Der Betrieb von Kernkraftwerken und die Atommülltransporte seien genehmigt und legal, sagte Röttgen in der ARD-Talksendung "Beckmann" am Montagabend. "Wir haben Kernenergie in der Vergangenheit genutzt und diese Folgen müssen wir heute tragen. Dafür zahlen wir Steuern - das ist so."

ore/suc/anr/dpa/Reuters/dapd



insgesamt 17 Beiträge
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venividivodka 09.11.2010
1. Oh Mann...
... wie lange müssen wir uns den Mist eigentlich noch ansehen / anhören? Kann unsere linke Kuscheljustiz da endlich mal für freie Strassen und Bahnstrecken sorgen? Und die "friedlichen" Chaoten von der Strasse holen und einlochen? Das ist juristisch gesehen schwerer Landfriedensbruch, was unsere Polizei da duldet. Wusste noch gar nicht, das man in meinem Land machen darf, was man will. Peinlich...
bullet84 09.11.2010
2. Richtig so..
..wann lernen diese Leute, dass es jedesmal dasselbe ist, sie nichts damit erreichen und Millionen an Steuergeldern verschwenden, die woanders weiß Gott besser aufgehoben wären. Wird so ein Einsatz gegen Castor Gegner eigentlich von der Ökosteuer bezahlt? :P
elbröwer 09.11.2010
3. gegen das Volk
Der Erfüllungsgehilfe der Atomindustrie, Röttgen, sagt: "Wir haben Kernenergie in der Vergangenheit genutzt und diese Folgen müssen wir heute tragen. Dafür zahlen wir Steuern - das ist so." Durch die vom Volk abgelehnte Verlängerung der Laufzeiten haben die Regierenden und die Lobby einen Pakt gegen das Volk geschlossen. Es ist also eine Vereinigung entstanden die sich unmittelbar als volksfeindlich geriert. Auch wenn Röttgen nicht als Teilnehmer dieser Verschwörung zugelassen war, hat er nicht wieder gut zu machende Schuld auf sich geladen.
weilei 09.11.2010
4. Endlich!
Endlich geht ein ordentlicher Ruck durch dieses Land. CDU, FDP, SPD ab in die Tonne. 2011 in Stuttgart, 2013 in Berlin. Ich glaube es geht nicht mehr NUR um S21 und Atomkraft, sondern darum, daß die Leute von einer arroganten Politiker-Elite langsam die Schnauze voll haben! In BW zum Beispiel gibt es keine Demokratie, sondern eine Erbfolgemonarchie! Das sind fast 60 Jahre alte verkrustete Strukturen, die hier gerade aufgebrochen werden. Kann nur hoffen, daß das bei der nächsten Wahl auch klappt!
pistolero96 09.11.2010
5. Event-Protestler
Naechstes Mal einfach mit nem Hubschrauber transportieren. Wenn es den Lehrern und Event-Protestlern dann in den Garten faellt, haben die selber Schuld. Aergert mich jedes Mal mehr, dass ich mit meinem Steuergeld die unnoetigen Wochenend- und Nachtzuschlaege der tausenden Polizisten bezahlen muss. Man sollte Eintritt fordern und davon das Spielchen bezahlen.
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