Anti-Terror-Aktion Türkische Polizei hebt Zelle der Islamischen Dschihad-Union aus

Anti-Terror-Razzia in der Türkei: Die Polizei hat 37 Verdächtige festgenommenen, die Mitglieder der Islamischen Dschihad-Union sein sollen. Am Mittwoch beginnt in Düsseldorf der Prozess gegen die "Sauerland-Gruppe", die ebenfalls dem Netzwerk angehören soll.

Von Yassin Musharbash und


Berlin/Istanbul - In sechs Provinzen im Süden und Osten der Türkei griff die Polizei am Dienstag zu, 37 Festnahmen waren die Folge der Razzia. Zunächst hatte es geheißen, die Männer würden verdächtigt, in Beziehung zum Terrornetzwerk al-Qaida zu stehen. Doch am Nachmittag meldete der türkische Fernsehsender NTV, dass die Festgenommenen tatsächlich Mitglieder der Islamischen Dschihad-Union (IJU) sein sollen.

Anti-Terror-Einsatz in Gaziantep im Südosten der Türkei: Die Festgenommen sollen Mitglieder Islamischen Dschihad-Union sein
AFP

Anti-Terror-Einsatz in Gaziantep im Südosten der Türkei: Die Festgenommen sollen Mitglieder Islamischen Dschihad-Union sein

In einigen Häusern stellten die Anti-Terror-Spezialeinheiten der türkischen Polizei Pistolen und Computer sicher, hieß es. Einige der Festgenommenen würden außerdem verdächtigt, in Afghanistan Terrorausbildungslager besucht zu haben. Zwei der Verhafteten sollen aus Usbekistan stammen und dort wegen ihrer Mitgliedschaft in der Gruppe gesucht werden. Über Afghanistan sollen sie in die Türkei gekommen und in Konya verhaftet worden sein.

Einer der Verhafteten ist außerdem der Nachfolger des türkischen Al-Qaida-Führers Mehmet Polat, der am 24. Januar letzten Jahres bei einer Polizeiaktion in Gaziantep getötet worden war.

Die Islamische Dschihad-Union (nach ihrer englischen Schreibweise zumeist IJU abgekürzt) ist eine ursprünglich usbekische militante Islamistenorganisation, die um 2002 entstand. Mittlerweile ist sie wegen des Verfolgungsdrucks in ihrem Heimatland nach Pakistan ausgewichen, in der Gegend von Mir Ali in Waziristan, nahe der afghanischen Grenze, soll sie ihre Zentrale und ihr Ausbildungslager betreiben.

Experten und Geheimdienstanalysten schätzen die IJU auf wenige hundert Kämpfer. In Deutschland wurde die IJU 2007 ein Begriff, als die Polizei am 4. September im sauerländischen Oberschledorn drei Terrorverdächtige festnahm. Den Ermittlungen des Bundeskriminalamtes (BKA) zufolge planten Fritz Gelowicz, Adem Yilmaz und Daniel Schneider im Auftrag der IJU, in Deutschland mehrere Sprengsätze zu zünden, um hunderte Menschen zu töten. Zuvor sollen alle drei in Pakistan ein Lager der IJU besucht haben.

Am Mittwoch beginnt in Düsseldorf der Prozess gegen diese so genannte Sauerland-Gruppe. Die Generalbundesanwältin Monika Harms wirft den drei Männern die Mitgliedschaft in einer inländischen und ausländischen Terrororganisation vor. Auch ein mutmaßlicher Mitverschwörer, Atilla Selek, steht in Düsseldorf vor Gericht. Die Ermittlungen des BKA hatten bisher nicht ergeben, dass die IJU eine derart gefestigte Struktur hat, wie es die Festnahmen in der Türkei nun nahezulegen scheinen.

Allerdings war im Zuge der Ermittlungen deutlich geworden, dass es eine türkische Verbindung der Sauerland-Gruppe gab. So hatte Atilla Selek der Anklageschrift zufolge von der Türkei aus das Anschlagsvorhaben unterstützt. Er soll zudem laut einem BKA-Dossier auf die Dienste des türkischen Islamisten Mevlüt K. zurückgegriffen haben, um 26 Zünder zu beschaffen, die später in Oberschledorn sicher gestellt wurden.

Welche Schlüsse aus den Festnahmen in der Türkei gezogen werden müssen, bleibt allerdings abzuwarten. Die türkische Polizei hat schon mehrfach in den vergangenen Jahren größere Gruppen mutmaßlicher Terroristen verhaften, ohne dass es danach zu spektakulären Verfahren gekommen wäre. Ob einer der in der Türkei Festgenommenen Kontakt zu der Sauerland-Gruppe gehabt haben soll, wurde am Dienstag nicht bekannt.



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