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06. Dezember 2003, 14:13 Uhr

Anti-Terror-Einsatz

Deutsches Marine-Engagement vorzeitig beendet

Nach Informationen des SPIEGEL hat die NATO-Militärführung festgestellt, dass die Aktion zur Sicherung der Seewege überflüssig ist. Die deutschen Marineschiffe dürfen aus der Straße von Gibraltar und dem Horn von Afrika abziehen. Auch in Bosnien will Struck deutsche Truppen reduzieren.

Bundesmarine am Horn von Afrika: Ende des Geleitschutzes
DDP

Bundesmarine am Horn von Afrika: Ende des Geleitschutzes

Hamburg - Drei Schnellboote und ein Versorgungsschiff der Deutschen Marine dürfen vorzeitig von einem Anti-Terror-Einsatz in der Straße von Gibraltar heimkehren. Sie waren seit dem 1. Oktober im spanischen Hafen Cádiz stationiert und sollten mit ihren 200 Soldaten ein halbes Jahr lang die internationale Seeschifffahrt vor Anschlägen schützen - zu monatlichen Kosten von gut 600.000 Euro. Die Militärführung der Nato musste aber feststellen, dass die Aktion ziemlich überflüssig ist. Denn die Schifffahrt zeigte wenig Interesse an dem Nato-Geleitschutz, an dem sich auch Spanien und Portugal beteiligten. Von rund 1750 Schiffen, die pro Woche die Engstelle zwischen Atlantik und Mittelmeer passieren, nahmen im Schnitt nur zwei bis drei den Eskort-Service der Allianz in Anspruch - durchweg Kampfschiffe oder mit Militärmaterial beladene Frachter der Kriegsmächte USA und Großbritannien. Auch der Einsatz von Marinefliegern, die im Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes "Enduring Freedom" die See am Horn von Afrika überwachen, wird bald beendet.

Auch aus dem Balkan will Verteidigungsminister Struck deutsche Truppen abziehen. Er appelliert an die Regierungen der Balkan-Staaten, mehr Verantwortung für den Friedensprozess in ihrer Region zu übernehmen und damit eine rasche Verringerung der internationalen Truppen zu ermöglichen. "Die EU wird ihrer Verantwortung gerecht. Genau das müssen auch die Regierungen auf dem Balkan. Es kann nicht sein, dass sie sich endlos auf unsere Hilfe verlassen", schreibt Struck in der "Bild am Sonntag".

Der SPD-Politiker sprach sich für eine schnelle Reduzierung der Friedenstruppen aus. "Deshalb dringe ich mit meinen Kollegen darauf, die Kontingente strikt zurückzufahren." So hätten die Fortschritte in Bosnien eine Verkleinerung von derzeit 12.000 auf 7.000 im nächsten Jahr ermöglicht. Auch Deutschland könne dann `einen großen Teil unserer 1.400 Soldaten nach Hause holen", erklärte Struck weiter. Dies sei gut für die Bundeswehr und `ein wichtiges Signal für den Balkan: Hilfe ja, aber sie muss in Selbsthilfe münden", sagte der Minister.

Die NATO-Verteidigungsminister hatten am vergangenen Montag eine entsprechende Reduzierung des SFOR-Kontingents in Bosnien beschlossen. Der Einsatz könnte im Laufe des nächsten Jahres von der EU übernommen werden. Die KFOR-Stärke in Kosovo soll dagegen vorerst mit 17.500 Soldaten konstant bleiben. In der Kosovo-Schutztruppe sind derzeit rund 3.350 deutsche Soldaten und zivile Mitarbeiter eingesetzt.

Struck wurde am Samstag zu einem Truppenbesuch in Bosnien erwartet. Wegen Nebels musste er jedoch seinen Flug vom Kosovo nach Sarajevo verschieben und fuhr zunächst ins mazedonische Skopje.

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