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30. März 2019, 10:03 Uhr

Durchsuchungen

Elf mutmaßliche Islamisten wegen Terrorverdachts festgenommen

Die Polizei nahm in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg elf mutmaßliche Islamisten fest. Die Beamten ermitteln wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Die Verdächtigen sind aber wieder frei.

In Süd- und Westdeutschland wurden mehrere Männer von Spezialkräften der Polizei wegen Terrorverdachts vorübergehend festgenommen. Bei Razzien wurden Gebäude in Düsseldorf und Essen nach Waffen und Sprengstoff durchsucht.

Auch in Wuppertal, Mönchengladbach, Duisburg sowie im baden-württembergischen Ulm schlugen die Ermittler zu. Insgesamt nahmen die Beamten dabei elf Verdächtige fest, zunächst war von zehn Festgenommenen die Rede. Die mutmaßlichen Islamisten stammen überwiegend aus Tadschikistan.

Nach SPIEGEL-Informationen gehen die Durchsuchungen auf die Überwachung der Kommunikation eines Gefährders aus Mönchengladbach zurück. Die Ermittlungen führten zu der nun kontrollierten Gruppe. Als einer der Verdächtigen am Telefon darüber sprach, morgen werde etwas explodieren, entschieden sich die Beamten nach SPIEGEL-Informationen zum Zugriff.

"Splittergruppe des IS oder Sympathisanten"

Am anderen Ende der Leitung lud der Gesprächspartner hörbar eine Schusswaffe durch. Da einer der verdächtigten Tadschiken auf dem Weg nach Ulm war, wurde die Ulmer Innenstadt gestern zweitweise abgeriegelt.

Hinzu kam, dass ein 19-jähriger Tadschike gestern in Essen mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Essener Innenstadt fuhr. "Da hatte man die Befürchtung, dass das vielleicht der Auftakt ist für mehrere Anschlagsszenarien", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf. Zwischen diesem Fall und den durchsuchten Gruppenmitgliedern gibt es nach aktuellen Erkenntnissen aber keinen Zusammenhang.

Nach SPIEGEL-Informationen waren bei einer Durchsuchung vor zwei Wochen bei zwei Personen aus derselben verdächtigen Gruppe bereits scharfe Waffen gefunden worden. Bei einem der Verdächtigen fanden die Ermittler IS-Propagandamaterial auf dem Handy.

Bei den aktuellen Razzien wurden jedoch weder Waffen noch Sprengstoff gefunden. Die Festgenommen kamen bei der Razzia in Gewahrsam, mittlerweile sind sie nach SPIEGEL-Informationen aber alle wieder auf freiem Fuß.

Die federführende Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf ermittelt wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, sagte ein Behördensprecher. Es gebe aber keine Hinweise auf konkrete Ziele oder eine konkrete Tat. "Wir vermuten, dass es eine Splittergruppe des IS oder Sympathisanten sind."

rol/jdl/apr/dpa

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