Deutschland Antisemitismusbeauftragter ruft für Samstag zum Kippa-Tragen auf

"Ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Juden": Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung appelliert an alle Deutschen, am Samstag Kippa zu tragen. Es könne eine echte Chance geben, "diesen Kampf zu gewinnen".

Männer mit Kippa: "Für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt"
Markus Schreiber/ AP

Männer mit Kippa: "Für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt"


Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat an die Deutschen appelliert, am kommenden Samstag Kippa zu tragen. Damit setze man ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Juden und trete ein für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt, sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger in Berlin und überall in Deutschland auf, am kommenden Samstag, wenn in Berlin beim 'Al-Kuds-Tag' wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird, Kippa zu tragen", sagte Klein. Er forderte auch dazu auf, an der Demonstration in Berlin gegen den "Al-Kuds-Tag" teilzunehmen.

Hintergrund der anti-israelischen Proteste am "Al-Kuds-Tag" ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

Klein hatte vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt, als er Juden geraten hatte, sie sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen. Er begründete dies mit der "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung", die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei. Israels Präsident Reuven Rivlin hatte bestürzt auf diese Empfehlung reagiert und von einer "Kapitulation vor dem Antisemitismus" gesprochen.

Felix Klein
Rene Bertrand/Bundesinnenministerium BMI/ DPA

Felix Klein

Im Jahr 2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen. Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen. "Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen", sagte Klein nun.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Montag, die staatlichen Institutionen müssten dafür Sorge tragen, dass Menschen überall in Deutschland sicher eine Kippa tragen könnten. "Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung eines jeden möglich ist", sagte Seibert. Jeder Mensch solle sich an jedem Ort dieses Landes - auch mit einer Kippa - sicher bewegen können. "Zu dieser Verantwortung stehen wir."

aar/dpa/AFP

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