Antisemitische Angriffe Beleidigungen, Randale, Prügel

Antijüdische Beleidigungen, Anschläge auf Synagogen, brutale Attacken: Noch immer ist Antisemitismus in Deutschland verbreitet - und Juden werden Opfer von Angriffen. Die Täter sind oft Neonazis, aber auch Muslime. Eine Dokumentation von Vorfällen aus diesem Jahr.
Schändung eines jüdischen Friedhofs (Bild von 2002): Wenn aus Hass Gewalt wird

Schändung eines jüdischen Friedhofs (Bild von 2002): Wenn aus Hass Gewalt wird

Foto: dapd

Hamburg - Die neue Synagoge in Ulm ist mit hellem Holz ausgekleidet, sie soll das Judentum an diesem Ort "mit Licht und Wärme bereichern". So wünschte es sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, bei der Eröffnung am Sonntag.

Doch nicht immer fällt es Juden leicht, Deutschland als Heimat zu erleben. Denn sie müssen nicht selten judenfeindliche Stereotype ertragen, die in der deutschen Alltagskultur verwurzelt sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte kürzlich, es gebe ein großes Maß an Antisemitismus in Deutschland.

"Ich habe erlebt, wie schnell aus Stimmungen Hass und aus Hass Gewalt werden kann", warnte Charlotte Knobloch, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in München, jüngst im SPIEGEL. Auch Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich bei der Eröffnung der Ulmer Synagoge besorgt. In den vergangenen Monaten seien wieder Sorgen und Ängste aufgekommen, ob jüdisches Leben in Deutschland noch möglich ist, sagte er. Dazu habe auch die Beschneidungsdebatte beigetragen, die sehr schnell Töne bekommen habe, "die auch mich erschreckt haben".

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland laut Bundesinnenministerium 1239 antisemitische Straftaten, darunter Brandanschläge auf Synagogen, Schändungen von Friedhöfen, Schmierereien an Gedenkstätten. Es fängt aber auch schon an, wenn betrunkene Jugendliche einen Kumpel zum Trinken animieren mit dem Spruch "Ach, sei kein Jude!".

Besonders schockierend ist es, wenn Antisemitismus in Gewalt eskaliert. Meist gehen die Attacken von Rechtsextremen aus, aber auch von Muslimen. Wie verstörend die antisemitischen Angriffe sind, zeigt diese Auflistung von Vorfällen aus dem Jahr 2012:

  • Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, wird am 26. September eigenen Angaben zufolge in Berlin-Charlottenburg bedroht. Der mutmaßliche Täter habe sich offenbar von einem Gebetsbuch, das Kramer sichtbar bei sich trug, provoziert gefühlt.
  • Fünf vermutlich arabische Mädchen beleidigen am 3. September in Berlin eine Gruppe jüdischer Schülerinnen. Nach Angaben von Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers hätten die Täterinnen sie als "Judentussen" beschimpft. Einen Tag später wird ein Jude in einem Weddinger Mietshaus als "Drecksjude" beleidigt.
  • Der Jüdische Friedhof in Kröpelin bei Rostock wird erneut schwer beschädigt - zum zweiten Mal in diesem Jahr. Unbekannte schmieren am 2. September Hakenkreuze und antisemitische Parolen auf Grabsteine und Mauern. Auf die Außenmauer sprühen sie "Sieg Heil".
  • Gewaltexzess am 28. August in Berlin: Arabischstämmige Jugendliche schlagen einen Rabbiner nieder - vor den Augen seiner siebenjährigen Tochter. Sie brechen Daniel Alter das Jochbein. Der Rabbiner war mit der jüdischen Kopfbedeckung Kippa unterwegs.
  • Am 7. August beleidigt ein Betrunkener im Berliner Viertel Friedrichshain ein Ehepaar antisemitisch und droht, sie anzuzünden.
  • Zwei Frauen werden am 23. Juli in der bayerischen Stadt Stein angegriffen. Ein 23-Jähriger sieht einen Davidstern an der Halskette einer der beiden Frauen und beleidigt sie. Er zeigt den Hitler-Gruß und besprüht beide Frauen mit Reizgas.
  • Am 18. Juli wirft ein angetrunkener Mann in Berlin leere Glasflaschen auf vorbeifahrende Autos. Als die Polizei ihn entdeckt, brüllt er antisemitische Parolen.
  • Der Jüdische Friedhof in Anklam, Mecklenburg-Vorpommern, wird am 17. Juli geschändet. Die Täter haben 15 Grabsteine umgestoßen und teilweise zerstört.
  • Spaziergänger entdecken am 28. Juni Verwüstungen auf dem jüdischen Friedhof in Kröpelin nahe Rostock: Grabsteine wurden umgestoßen und die Hinweistafel des Friedhofs verbeult. Erst im Mai war der Friedhof neu eingeweiht worden.
  • Tatort ist am 23. Juni eine Synagoge: Unbekannte beschmieren das Gotteshaus im nordrhein-westfälischen Wuppertal mit Hakenkreuzen.
  • 18 schwere Grabsteine werden am 17. Juni auf dem Jüdischen Friedhof in Delmenhorst, Niedersachsen, umgeworfen und teilweise zerstört. Die Täter haben auch Grabmale mit Hakenkreuzen beschmiert. "Wir sind verletzt und zornig, dass so eine Gewalt uns so nahe kommt", sagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Delmenhorst, Pedro Benjamin Becerra, dem NDR.
  • Die Fußballspieler des jüdischen Klubs TuS Makkabi werden zu Opfern von massiven rassistischen und antisemitischen Beleidigungen, als sie am 25. März gegen den Berliner Club Hürtürkel spielen. Ein Spieler von Hürtükel und der Trainer werden für einige Monate von einem Sportgericht gesperrt, außerdem gibt es Punktabzug.
  • Der Fußballverein 1. FC Kaiserslautern alarmiert am 28. Februar die Polizei: Fans beleidigen den israelischen Profi Itay Shechter. Auch auf dem Spielfeld wird er massiv beleidigt, zudem wird der Hitler-Gruß gezeigt. FCK-Trainer Marco Kurz sagt später: "Solche Szenen sind beängstigend und in höchstem Maße zu verurteilen. Von so etwas distanzieren wir uns ganz, ganz kräftig."
  • Angreifer werfen am 5. Januar Steine auf drei Jugendliche im Berliner S-Bahnhof Frankfurter Allee. Sie beleidigen sie mit antisemitischen Parolen.

kgp
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