Antrittsbesuch Bush nimmt sich drei Stunden Zeit für Merkel

Die Erwartungen an Angela Merkel sind in Washington ungewöhnlich hoch. Rund drei Stunden will sich US-Präsident George W. Bush am Freitag beim Antrittsbesuch der Kanzlerin Zeit nehmen. Heikle Themen wie die Entführung des Deutsch-Libanesen el-Masri dürften dabei aber nicht zur Sprache kommen.


Berlin - Der Besuch im Weißen Haus habe zum Ziel, die "persönliche Basis" zwischen der Kanzlerin und dem US-Präsidenten zu vertiefen, hieß es heute aus Berliner Regierungskreisen. Merkel fliegt am Donnerstagnachmittag nach Washington und hält am Abend in der Residenz des deutschen Botschafters Wolfgang Ischinger vor führenden Persönlichkeiten, wie etwa dem scheidenden US-Notenbankenchef Alan Greenspan, eine Rede.

Am Freitagmorgen frühstückt sie mit Mitgliedern des Kongresses, anschließend ist ein rund 30-minütiges Vier-Augen-Gespräch mit Bush geplant. Bei einem gemeinsamen Mittagessen soll die ganze Bandbreite internationaler Themen angesprochen werden: Iran, die Energiepolitik, die Reform der Uno, die wirtschaftlichen Beziehungen und natürlich die Terrorismusbekämpfung. Es werde sich bei allen Gesprächen um "einen offenen Gedankenaustausch" handeln, hieß es aus Regierungskreisen weiter.

Insgesamt hat Bush mehr als drei Stunden für Merkel reserviert. "Das ist eine Dauer, die man als ungewöhnlich hoch bezeichnen kann", hieß es aus Berliner Regierungskreisen. Merkel hat Bush erst einmal getroffen, im Februar 2005 bei seinem Besuch in Mainz. Am späten Freitagnachmittag reist sie nach Berlin zurück.

Es ist der wichtigste Antrittsbesuch der Kanzlerin. Denn das deutsch-amerikanische Verhältnis hatte wegen der Irak-Politik von Bush unter der Vorgängerregierung von Gerhard Schröder schwer gelitten - dementsprechend hoch sind die Erwartungen auf der anderen Seite des Atlantiks, aber auch in Deutschland.

Die US-Regierung erwarte Merkel mit einer "großen Neugier". Die Erwartungen in Washington an die CDU-Politikerin sind hoch, seit sie im vergangenen Dezember erfolgreich bei der EU-Finanzplanung während des Brüsseler Gipfels agierte.

Zwar hatte Merkel im SPIEGEL Kritik am Gefangenenlager Guantanamo geübt. Offen ist, ob beim Thema Terrorismusbekämpfung auch Einzelfälle wie die umstrittenen CIA-Flüge, die Entführung des Deutschlibanesen Khaled el-Masri oder des aus Bremen stamenden Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz zur Sprache kommen. Es gehe um die Balance zwischen der Wahrung der Menschenrechte auf der einen und dem entschlossenen Kampf gegen die grenzüberschreitende terroristische Bedrohung, hieß es.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle forderte eine Entschuldigung der USA für die Verschleppung el-Masris. Zuvor hatte der Anwalt des in Bremen aufgewachsenen Türken Murad Kurnaz, Bernhard Docke, erklärt, Merkel habe ihm zugesichert, sich aus humanitären Gründen für seinen Mandanten einzusetzen. Kurnaz, der türkischer Staatsbürger ist, wird seit vier Jahren in Guantanamo festgehalten.



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