Arbeitslose CDU will soziales Engagement attraktiver machen

Hartz IV-Bezieher, die sich zum neuen Bundesfreiwilligendienst melden, sollen künftig mehr Geld für sich behalten dürfen. Dafür wollen sich Sozialpolitiker der CDU einsetzen. Ihr Vorschlag: 175 Euro statt der bisher erlaubten 60 Euro.

Helferin im Bundesfreiwilligendienst: höherer Freibetrag für Arbeitslose?
DPA

Helferin im Bundesfreiwilligendienst: höherer Freibetrag für Arbeitslose?


Berlin - CDU-Sozialexperten drängen darauf, den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) für Hartz-IV-Empfänger finanziell reizvoller zu machen. Der Freibetrag, den Langzeitarbeitslose zusätzlich zu ihren Hartz-IV-Bezügen behalten dürfen, solle von derzeit 60 Euro monatlich auf 175 Euro heraufgesetzt werden, erklärten die beiden CDU-Abgeordneten Carsten Linnemann und Peter Tauber am Donnerstag in Berlin. "Wer als Hartz-IV-Empfänger heute am Bundesfreiwilligendienst teilnehmen möchte, wird für sein Engagement eher bestraft als belohnt."

Den beiden Christdemokraten zufolge regt auch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags an, den Freibetrag auf 175 Euro anzuheben. Gerade für ältere Arbeitslose könne der neue Freiwilligendienst eine echte Chance sein, denn er stehe im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) Menschen jeden Alters offen, erklärten Linnemann und Tauber. Sie kündigten eine parlamentarische Initiative für die Zeit nach der Sommerpause an.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über die Idee der beiden Politiker berichtet. Demnach fehlen dem BFD bundesweit derzeit 12.000 Helfer.

Seit Anfang des Monats ist mit dem Aussetzen der Wehrpflicht auch der Zivildienst weggefallen. Die Aufgaben der Zivildienstleistenden sollen die Freiwilligen des BFD übernehmen, die für ihre Tätigkeit mit einem Taschengeld von bis zu 330 Euro im Monat und Zuschüssen zum Wohnen und Essen entlohnt werden. Der Dienst kann in sozialen Einrichtungen, aber auch in den Bereichen Sport, Integration oder Kultur geleistet werden. Der BFD tritt neben das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ).

Viele Rekruten kündigen

So wie im zivilen Bereich fehlen offenbar auch bei der Bundeswehr die Freiwilligen. Bei den Rekruten gibt es einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge eine hohe Kündigungsrate. Eine große Zahl der jungen freiwilligen Rekruten bricht demnach nach nur wenigen Tagen die Ausbildung ab. Seit dem Dienstantritt Anfang Juli hätten bei der 1. Panzerdivision in Hannover 14 Prozent der Freiwilligen gekündigt. Beim Berliner Wachbataillon liege die Abbrecherrate über zehn Prozent, meldete das Blatt am Donnerstag.

Nach dem Ende der Wehrpflicht ist die Bundeswehr komplett auf Freiwillige angewiesen. Dem Bericht zufolge haben die Freiwilligen sechs Monate Probezeit und können innerhalb von 24 Stunden kündigen.

ler/AFP/dapd



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derandersdenkende, 21.07.2011
1. Soziales Engament
Zitat von sysopHartz IV-Bezieher, die sich zum neuen Bundesfreiwilligendienst melden, sollen künftig mehr Geld für sich behalten dürfen. Dafür wollen sich Sozialpolitiker der CDU einsetzen.*Ihr Vorschlag:*175 Euro*statt der bisher*erlaubten 60 Euro. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,775710,00.html
ist kein Mittel um großes Geld zu verdienen. Es hat zwei Grundlagen, die vielen Menschen zu eigen sind, das Gefühl dazu zugehören und eben anderen Menschen, denen es schlechter geht, helfen zu können und auch zu wollen. In Gesellschaften, die nach dem Grundgedanken, hast du was, dann bist du was, funktionieren, nimmt die eigene Motivation Menschen freiwillig zu helfen ab. Wie kann man Menschen, die man über Jahre ausgegrenzt und diskriminiert hat, für freiwillige Arbeit gewinnen ? Ganz ohne Anreiz wird es nicht gehen, dafür wurde in der Vergangenheit zuviel Porzellan zerschlagen. Der Spruch, der die Ostdeutschen in die Marktwirtschaft begleitete, lautete: Hilf Dir selbst, dann ist allen geholfen. Wie will man sie da zu Gemeinsinn zurückführen ?
taubenvergifter 21.07.2011
2. ...
Die C-Parteien sollen mal brav die missratene Suppe ihres gehypten Politclowns Guttenberg auslöffeln.
deppvomdienst 21.07.2011
3. Wehret den Anfängen
Zitat von sysopHartz IV-Bezieher, die sich zum neuen Bundesfreiwilligendienst melden, sollen künftig mehr Geld für sich behalten dürfen. Dafür wollen sich Sozialpolitiker der CDU einsetzen.*Ihr Vorschlag:*175 Euro*statt der bisher*erlaubten 60 Euro. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,775710,00.html
Verlockende Idee, aber ein fataler Fehler. Weder die Sozialdienste, noch die Bundeswehr vertragen es, so zum Auffangbecken für diejenigen zu werden, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben - noch nicht mal "vorübergehend". Von daher wäre eine finanzielle Besserstellung ein völlig falsches Signal, vom Grundgedanken des "Fordern und Fördern" derart abzukommen. Abgesehen davon, dass jede Arbeit ihren gerechten Lohn verdient hat, auch im Sozialbereich. Gerade dort muss Schluss sein mit dem unlauteren Wettbewerb zwischen bezuschussten Arbeitskräften und denen, die von ihrer Arbeit leben sollen.
Kalaharry 21.07.2011
4. Geld für Arbeit
Zitat von deppvomdienstVerlockende Idee, aber ein fataler Fehler. Weder die Sozialdienste, noch die Bundeswehr vertragen es, so zum Auffangbecken für diejenigen zu werden, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben - noch nicht mal "vorübergehend". Von daher wäre eine finanzielle Besserstellung ein völlig falsches Signal, vom Grundgedanken des "Fordern und Fördern" derart abzukommen. Abgesehen davon, dass jede Arbeit ihren gerechten Lohn verdient hat, auch im Sozialbereich. Gerade dort muss Schluss sein mit dem unlauteren Wettbewerb zwischen bezuschussten Arbeitskräften und denen, die von ihrer Arbeit leben sollen.
Eben. Wenn Arbeit geleistet werden soll, dann muss sie bezahlt werden und zwar nach Tarif. Anstatt die Hartzis zu versklaven sollte man ihnen ein Jobangebot zu einem normalen Lohn machen. Diese Leute sollen jetzt Alte und Kranke pflegen, aber dafür nur den Hartz-Satz von 364 Euro plus 150 Euro Arbeitslohn bekommen. Das ist nichts anderes als Sklaverei. Ordentliche Arbeitsverträge zu ordentlichem Lohn und die meisten dieser Leute werden die Arbeit annehmen. Man kann nicht sagen, wir zwingen euch, aber wir zahlen euch nichts. Das Motto kann nur lauten: Geld für Arbeit.
Brand-Redner 21.07.2011
5. Amerikanische Zustände
Zitat von sysopHartz IV-Bezieher, die sich zum neuen Bundesfreiwilligendienst melden, sollen künftig mehr Geld für sich behalten dürfen. Dafür wollen sich Sozialpolitiker der CDU einsetzen.*Ihr Vorschlag:*175 Euro*statt der bisher*erlaubten 60 Euro. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,775710,00.html
Das kriegen die doch nie an den Mövenpicklingen vorbei! Rösler & friends würden das allenfalls abnicken, wenn im Gegenzug sämtliche Steuern für Unternehmer / Selbstständige abgeschafft würden. Und dann könnte man auch HARTZ IV gleich abschaffen - ersatzlos, versteht sich. Es leben die amerikanischen Zustände!
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