Arbeitsmarkt SPD-Politikerin geißelt "Lebenslügen" ihrer Partei

Es ist eine selbstkritische Analyse, die den Sozialdemokraten Streit bescheren könnte. Die SPD-Bundestagsgeordnete Iris Gleicke hat die auch von ihrer Partei verfochtene Idee, Vollbeschäftigung durch Senkung der Lohnnebenkosten zu erreichen, als Lebenslüge bezeichnet.


Hamburg - Nach der Union droht nun auch den Sozialdemokraten eine Debatte um vermeintliche Lebenslügen der Partei. Die Sprecherin der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten, die aus Thüringen stammende Iris Gleicke, bezeichnet nach SPIEGEL-Informationen in einem Diskussionspapier zum Arbeitsmarkt "die lange auch von Sozialdemokraten verfochtene Idee, Vollbeschäftigung durch Senkung der Lohnnebenkosten, durch Entlastung der Unternehmen" erreichen zu können, als "tatsächliche Lebenslüge".

Zudem sei der Glaube, allen "Willigen" ließe sich ein Job auf dem regulären Arbeitsmarkt verschaffen, eine "Fata Morgana". Der "Traum von der klassischen Vollbeschäftigung" sei "ausgeträumt". Gleicke plädierte dafür, neben dem ersten Arbeitsmarkt und dem auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) basierenden zweiten noch einen "dritten Arbeitsmarkt" zu installieren. Bund, Länder und Kommunen sollten "ein flächendeckendes Angebot" etwa im Pflegebereich schaffen, forderte Gleicke.



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