Hubertus Heil Arbeitsminister möchte Fachkräftemangel mit mehr Zuwanderung lösen

Um qualifizierte Zuwanderung zu ermöglichen, soll es eine »Chancenkarte« geben. Der Fachkräftemangel bedrohe den Wohlstand wie früher die Massenarbeitslosigkeit, sagt Heil.
Arbeitsminister Hubertus Heil: »Wir brauchen mehr Einwanderung«

Arbeitsminister Hubertus Heil: »Wir brauchen mehr Einwanderung«

Foto: Janine Schmitz / photothek / IMAGO

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will den Fachkräftemangel mit stärkerer Zuwanderung lösen – der Weg nach Deutschland soll mit einer sogenannten Chancenkarte vereinfacht werden. »Wir brauchen mehr Einwanderung. Dafür wird die Ampel im Herbst ein modernes Einwanderungsgesetz vorlegen«, sagte Heil der »Bild am Sonntag« laut einem Vorabbericht. »Wir führen eine ›Chancenkarte‹ mit einem transparenten Punktesystem ein, damit Menschen, die unser Land braucht, einfacher zu uns kommen können.«

Die Chancenkarte soll laut Heil so funktionieren: Jedes Jahr soll ein Kontingent festgelegt werden, wie viele Menschen mit der Chancenkarte nach Deutschland kommen dürfen, um sich für eine bestimmte Zeit einen Job oder eine Ausbildung zu suchen. Für diese Zeit müssen sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern können. Wer einen von Deutschland anerkannten Abschluss, egal ob Ausbildung oder Studium, vorweisen könne, erfülle sofort die Bedingung für die Chancenkarte. »Wir wollen aber auch Menschen, die andere Stärken haben und die wir am Arbeitsmarkt brauchen, eine Chance geben, nach Deutschland zu kommen«, sagte Heil.

Dafür soll nach Informationen der Zeitung ein Punktesystem eingeführt werden, das vier Kriterien umfasst:

  1. Ausländischer Abschluss

  2. Berufserfahrung von mindestens drei Jahren

  3. Sprachkenntnisse oder ein Voraufenthalt in Deutschland

  4. Alter unter 35 Jahren

Wer drei der vier Kriterien erfülle, soll die Chancenkarte bekommen. Die genaue Ausgestaltung der Chancenkarte wird aber noch innerhalb der Regierung abgestimmt. Die Einführung der Karte ist Teil des Koalitionsvertrags.

Darüber hinaus will Heil den Fachkräftebedarf auch mit gezielter Aus- und Weiterbildung der Menschen, die bereits in Deutschland leben, decken, und durch mehr Frauen in Arbeit. Man wolle den Erwerbsanteil bei Frauen steigern, der mit 72,1 Prozent rund sieben Prozentpunkte unter dem der Männer liege. »Könnten wir diese Lücke halbieren, hätten wir schon 900.000 Arbeitskräfte gewonnen«, sagte Heil.

Der Fachkräftemangel betrifft weite Teile der Wirtschaft: Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts gaben im Juli 49,7 Prozent aller Unternehmen an, geschäftlich eingeschränkt zu sein, weil sie nicht genug Arbeitskräfte finden. Auch im Handwerk gibt es einen Mangel an Fachkräften und auch an Auszubildenden. Laut Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fehlen dem Handwerk mindestens eine Viertelmillion qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jedes Jahr blieben zwischen 15.000 und 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, sagte Wollseifer kürzlich.

has/dpa
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