Arbeitsministerin Nahles "Mit dem Anwesenheitswahn muss Schluss sein"

Die neue Arbeitsministerin beginnt ihre Amtszeit mit zwei großen Versprechen. Zum einen gelobt Andrea Nahles, den Mindestlohn spätestens 2017 bundesweit einzuführen. Zum anderen will die SPD-Frau für familienfreundlichere Arbeitszeiten kämpfen.
Arbeitsministerin Nahles: In Betrieben muss stärker teamorientiert gearbeitet werden

Arbeitsministerin Nahles: In Betrieben muss stärker teamorientiert gearbeitet werden

Foto: AP/dpa

Berlin - Die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verlangt eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen. "Wir müssen Vollzeit neu definieren. Mit dem Anwesenheitswahn muss Schluss sein, denn Familien brauchen auch Zeit", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Es müsse deshalb Vollzeit neu definiert werden.

Wenn in Betrieben stärker teamorientiert gearbeitet werde, könne man sich selbst in Spitzenjobs gegenseitig vertreten. "Dann ist es möglich, dass Papa oder Mama auch mal nachmittags nach Hause gehen, wenn sie das Krippenspiel ihres Kindes anschauen wollen", sagte die Sozialdemokratin.

Nahles hatte in ihrer Zeit als SPD-Generalsekretärin im Januar 2011 ihre Tochter zur Welt gebracht und bereits acht Wochen später wieder angefangen zu arbeiten. "Mein Job ist einer, der Begehrlichkeiten weckt", sagte sie später dazu in einem Interview.

Das erste Gesetz, das sie in ihrem neuen Amt anpacken werde, sei das zum abschlagsfreien Renteneintritt mit 63 nach 45 Beitragsjahren, versprach Nahles. "Am 1. Juli 2014 wird ein großer Teil derer, die ihr Leben lang hart geschuftet haben, im Alter von 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können", kündigte die Ministerin an.

Der im Koalitionsvertrag verabredete Mindestlohn von 8,50 Euro werde spätestens 2017 bundesweit gelten. "Ohne gesetzlichen Mindestlohn gäbe es keine Große Koalition. Deshalb kann ich garantieren: Ab 1. Januar 2017 wird niemand in Deutschland weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienen", sagte Nahles.

Bestrebungen in der Union, Ausnahmen für den Mindestlohn zu definieren, erteilte sie eine klare Absage. "Ausnahmen wird es nicht geben - trotz aller Fluchtphantasien in Teilen der Union."

heb/dpa/AFP
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