FDP-Star Christian Lindner "Ich nehme die Piraten nicht sehr ernst"

Die Liberalen liegen in Umfragen unter fünf Prozent, die Piraten kommen auf neun. Trotzdem will FDP-Star Lindner in ihnen keine Konkurrenz sehen: Er nehme die Wähler der Piraten ernst, nicht aber die Partei "als Formation". Ähnliche Lästereien hatten einem anderen FDP-Mann viel Ärger eingebracht.
Christian Lindner: Mit großer Mehrheit zum FDP-Spitzenkandidaten in NRW gewählt

Christian Lindner: Mit großer Mehrheit zum FDP-Spitzenkandidaten in NRW gewählt

Foto: dapd

Berlin - Die FDP liegt am Boden, seit Wochen landet sie in Umfragen weit unter fünf Prozent, die Wahlschlappe im Saarland - 1,2 Prozent - ist gerade ein paar Tage her. Doch das hindert Christian Lindner, den neuen Hoffnungsträger der Partei, nicht daran, gegen den politischen Gegner auszuholen.

Im ARD-"Bericht aus Berlin"  spricht Moderator Rainald Becker mit dem Liberalen über die aktuellen Polit-Überflieger - die Piraten. "Was haben die, was Sie nicht haben?", fragt Becker. Damit hat er offensichtlich einen wunden Punkt getroffen, immerhin liegen die Piraten in Umfragen bei neun Prozent. Trotzdem will Lindner in ihnen angeblich keine Konkurrenz sehen.

"Ich nehme die Piraten als Formation selbst nicht sehr ernst", sagt er in dem Interview. Viele Programminhalte der Partei seien nur vage oder inakzeptabel. Als Beispiel nennt er die Debatte über das Urheberrecht, das die Piraten grundlegend ändern wollen. Lindner zufolge würde eine Aufhebung des geistigen Eigentums "die kulturelle Verarmung unserer Gesellschaft" bedeuten.

Erst Döring, jetzt Lindner

Wenn schon nicht die Partei selbst, so nimmt der FDP-Mann nach eigener Aussage immerhin die Wähler der Piraten ernst. Die wollten mehr Transparenz von der Politik. "Die Botschaft ist bei uns angekommen."

Der 33-jährige Lindner war am Sonntag zum Spitzenkandidaten in NRW gewählt worden. 99,7 Prozent der Delegierten votierten für ihn.

Lindner ist nicht der erste FDP-Spitzenpolitiker, der gegen die Piraten austeilt. Zuvor hatte schon der designierte Generalsekretär Patrick Döring mit ähnlichen Äußerungen einige Bekanntheit im Netz erlangt. Nach der 1,2-Prozent-Wahlschlappe im Saarland - die Piraten waren auf 7,4 Prozent gekommen - sagte er: Das Menschenbild der Piraten sei "manchmal so stark von der Tyrannei der Masse geprägt, dass ich mir das als Liberaler nicht wünsche, dass dieses Politikbild sich durchsetzt".

Was folgte, war eine Welle der Empörung in den sozialen Netzwerken. An dem Shitstorm beteiligten sich nicht nur Piraten. "Er hat wirklich 'Tyrannei der Masse' gesagt, oder?", schrieb beispielsweise der nordrhein-westfälische Grünen-Abgeordnete Matthias Bolte über seinen Account. Und Nutzer "@Bosch" twitterte: "Für #FDP-Generalsekretär Döring ist es die 'Tyrannei der Masse'. Alle anderen nennen es Demokratie."

aar
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