ARD-Deutschlandtrend Bürger trauen Obama und den USA nicht mehr

Die Beziehung zwischen Deutschland und den USA ist durch die NSA-Affäre extrem belastet: Die große Mehrheit der Deutschen traut laut ARD-Deutschlandtrend weder der Weltmacht noch US-Präsident Barack Obama. Edward Snowden gilt dagegen als Held.

US-Präsident Barack Obama: Mehrheit der Deutschen traut den USA nicht mehr
AFP

US-Präsident Barack Obama: Mehrheit der Deutschen traut den USA nicht mehr


Köln/Berlin - Das Ansehen der USA ist bei den Deutschen erneut gesunken: Während das Misstrauen in US-Präsident Barack Obama steigt, sieht die Mehrheit (60 Prozent) den Whistleblower Edward Snowden als Helden, nicht als Straftäter. Das geht aus dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend hervor. Bei der Frage, ob die Bundesregierung Snowden politisches Asyl in Deutschland anbieten sollte, sind die Deutschen jedoch uneins: 46 Prozent sind für ein Asylangebot, 48 Prozent dagegen.

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Heft 45/2013
"Wer die Wahrheit ausspricht, begeht kein Verbrechen"

Nur noch 35 Prozent der Deutschen sehen die USA als Partner, dem man vertrauen könne. Auch die Zustimmung der Deutschen zu Obama ist stark gesunken. Nur noch 43 Prozent sind zufrieden mit seiner politischen Arbeit; 32 Punkte weniger im Vergleich zum September 2012. Die Mehrheit der Deutschen (52 Prozent) ist mit der Arbeit des US-Präsidenten unzufrieden. Ein drastischer Rückgang: Noch im April 2010 war Obama auf eine Zustimmung von 88 Prozent gekommen.

Wird das No-Spy-Abkommen das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA verbessern? Nein, antworteten 92 Prozent der Befragten in der Erhebung von Infratest dimap: Ein solches Abkommen sei wirkungslos. Nur sechs Prozent glauben, dass die US-Geheimdienste nach Abschluss eines solchen Abkommens auf Überwachungsmaßnahmen in Deutschland verzichten würden.

Obwohl durch die NSA-Abhöraffäre bekannt wurde, dass der Datenverkehr in Deutschland permanent überwacht wird, sind die Befragten offenbar persönlich nicht vorsichtiger geworden. 90 Prozent geben an, dass sie nicht geändert haben, was sie am Telefon sagen oder in E-Mails schreiben.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Infratest dimap befragte 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger durch computergesteuerte Telefoninterviews.

Zeitraum: 4. und 5. November 2013

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte

vek

insgesamt 134 Beiträge
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Seite 1
pauerkraut 07.11.2013
1. Nicht verwunderlich
das diese Obama Hysterie ( 80% der Deutschen jubelten ihm bei Amtsantritt zu) mittlerweile ernuechternd feststellen muessen; das der Mann zwar ein ausgezeichtneter Redner ist, aber lediglich viel Heissluft und blauen Dunst abgeblasen hat...
nichtdoch 07.11.2013
2. Obamas Beliebtheit bei den Deutschen sinkt
Big Deal! wenn die lieben Deutschen so weitermachen,wird es in der nahen Zukunft niemanden geben der den Deutschen über den weg traut,sich von allen unangenehmen Fakten drücken den anderen den Mist ausbaden läßt ,und danach wieder mal die grossen Töne spucken!
nord1icht 08.11.2013
3. Das bedeutet ...
... 10% der Bevölkerung HABEN sich in dem Geändert, was sie am Telefon oder in E-Mails schreiben! Wie viele waren es in der DDR, die aufpassen mussten, was sie sagen? 30%? 40%? Willkommen in der Post-Demokratie.
sanko1212 08.11.2013
4. Und wann...
... wird endlich auch die Beliebtheit derer sinken, die die ganze Affäre vertuschten und es auch heute noch dort tun, wo sie Klartext reden müssten? Eine Regierung mit soviel Ignoranz gegenüber den Interessen der eigenen Bevölkerung gibt es unter den Ländern der "ersten Welt" wahrscheinlich nicht noch einmal. Jede souveräne Staatsmacht hätte in einem solchen Fall das getan, was das Völkerrecht gebietet: Alle beteiligten Straftäter, egal ob aus den USA, GB oder welchem Land auch immer kurz und schmerzlos in das nächste Flugzeug Richtung Heimatland einsteigen lassen und im zentralen Computer Schengen die entsprechenden Merkmale hinterlegen. Angst vor wirtschaftlichen Sanktionen? Mitnichten, die Wirtschaft in den USA dominiert die Politik noch viel stärker als in Europa, die wird schon ihre Interessen schützen...
Newspeak 08.11.2013
5. ...
Wieso soll man auch ändern, was man am Telefon sagt oder in e-Mails schreibt? Sind wir schon wieder soweit, daß dies notwendig wäre? Wenn unsere Regierung nicht so ignorant gegenüber unseren Grundrechten wäre, dann könnte man sagen und schreiben, was man wollte und sich sicher sein, daß das Recht auf Privatsphäre gewahrt bleibt. Was mich nach wie vor wundert, ist nicht, daß der Aufschrei der Durchschnittsdeutschen ausbleibt...die haben auch mehrheitlich Merkel gewählt, was will man also erwarten...aber wo ist der Aufschrei der Juristen, der Ärzte, der Kirche...all der Leute, bei denen eine Form des besonderen Schutzes von Geheimnissen zu ihrem Beruf gehört? Wo ist der Aufschrei der Wirtschafts- und Standesverbände, die bei jedem popeligen EU-Gesetz, das ihre Pfründe bedroht, die Lobby in Stellung bringen, aber bei massivem Grundrechtbruch, der ebenso in Nachteile umzurechnen wäre, herrscht allgemeines Schweigen?
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