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12. Juni 2019, 06:53 Uhr

Union

Laschet fordert Ende der Diskussion um Kanzlerkandidatur

CDU-Vize Laschet will die Diskussion um die nächste Kanzlerkandidatur in der Union vertagen. Anders als der Fraktionsvorsitzende Brinkhaus vermeidet er ein Bekenntnis zu CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer.

Wer folgt auf Angela Merkel und führt die CDU als Spitzenkandidat oder Spitzenkandidatin in den nächsten Wahlkampf? Diese Frage beschäftigt die Christdemokraten derzeit enorm. Dass es Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird, scheint zumindest nicht mehr sicher. Aus Sicht des stellvertretenden Parteivorsitzenden Armin Laschet kommt die gesamte Diskussion allerdings zu früh.

"Vor der nächsten Bundestagswahl werden sich CDU und CSU auf einen Kanzlerkandidaten einigen", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Annegret Kramp-Karrenbauer hat vorgeschlagen, dass die CDU sich dieser Frage auf einem Parteitag Ende 2020 widmen sollte. Wir sollten also die Fragen klären, wenn sie anstehen und nicht vorher."

Auf die Frage, ob die CDU-Vorsitzende den Erstzugriff auf die Kandidatur habe, antwortete Laschet: "Es ist völlig klar, dass Annegret Kramp-Karrenbauer diesen Prozess selbstverständlich führen und einen Vorschlag machen wird. Dennoch werbe ich dafür, die Personaldebatte jetzt zu beenden."

Gleichzeitig aber dürfte Laschet die Diskussion durch das Interview weiter befeuern: Die Frage, ob Kramp-Karrenbauer das Format habe, Kanzlerin zu werden, bejahte er. Die Frage, ob es noch andere in der Union mit einem solchen Format gäbe, allerdings auch.

Zerbricht die GroKo, könnte es schneller Wahlen geben

Mit dem Wechsel an der Parteispitze von Merkel zu Kramp-Karrenbauer hatte es zunächst kaum infrage gestanden, dass die neue CDU-Chefin auch die nächste Kanzlerkandidatin werden sollte. Aber nicht zuletzt der Umgang Kramp-Karrenbauers mit dem kritischen Video des YouTubers Rezo und das desolate Ergebnis bei der Europawahl hatten ihr Kritik eingebracht - auch intern.

Laschet hatte schon am Wochenende mit einem Interview in der "Welt am Sonntag" für Aufregung gesorgt. Da sagte er, mit Kramp-Karrenbauers Vorsitzendenwahl sei noch keine Entscheidung über die nächste Kanzlerkandidatur verbunden. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) sprach sich anschließend für Kramp-Karrenbauer als nächste Kanzlerkandidatin der Union aus.

Die konservative Werteunion befürwortete zuletzt, die Parteimitglieder über den nächsten Kanzlerkandidaten von CDU und CSU abstimmen zu lassen. Die Forderung nach einer Urwahl bekräftigte der Vorsitzende Alexander Mitsch in der "Passauer Neuen Presse" nun. "Eine Entscheidung dieser Tragweite sollte nicht im kleinen Kreis ausgekungelt werden", sagte er.

Die nächste Bundestagswahl wird spätestens 2021 stattfinden. Allerdings ist es nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionschefin der SPD wahrscheinlicher geworden, dass die Große Koalition zwischen der Union und den Sozialdemokraten den Herbst nicht übersteht. Dann wären Neuwahlen möglich. Eine Alternative wäre eine Minderheitsregierung der Union. Diese hat Merkel bisher zwar abgelehnt. In ihrer Partei gibt es aber durchaus Sympathie für das Modell.

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aev/dpa

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