Umfrage zur Kanzlerkandidatur Unionsanhänger wünschen sich Söder – und strafen Laschet ab

Wer wird Kanzlerkandidat der Union? Der neue CDU-Chef Armin Laschet kommt nach einer SPIEGEL-Umfrage weder im eigenen Lager noch bei der politischen Konkurrenz gut an – ganz anders als Markus Söder.
Markus Söder, zugeschaltet beim Neujahrsempfang der NRW-CDU mit Armin Laschet (Archivbild)

Markus Söder, zugeschaltet beim Neujahrsempfang der NRW-CDU mit Armin Laschet (Archivbild)

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Federico Gambarini / dpa

Viel Zeit zur Eingewöhnung hatte Armin Laschet nicht. Nur einen Tag, nachdem seine Wahl zum CDU-Vorsitzenden juristisch bestätigt wurde, sprach er schon als neuer Parteichef beim Landesparteitag der Christdemokraten in Baden-Württemberg. »Bei dieser Bundestagswahl geht es um die Richtung der Republik«, sagte Laschet.

Doch auf dem Weg zum Wahltag Ende September stehen für den CDU-Chef einige Hürden. Etwa die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März, der erste große Stimmungstest für die Partei unter Laschet.

Kanzlerkandidat Laschet? 68 Prozent der Deutschen halten ihn für ungeeignet

Die Ergebnisse werden auf den neuen Vorsitzenden zurückfallen, gute wie schlechte. Und über allem schwebt die Frage, ob er die Kanzlerkandidatur der Union beansprucht. Er traut sie sich in jedem Fall zu. Die meisten Deutschen halten das jedoch für keine gute Idee, wie eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL zeigt.

Demnach antworteten insgesamt rund 68 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Frage, ob Laschet ein geeigneter Kanzlerkandidat der Union sei, mit »Nein, auf keinen Fall« oder »Eher nein«. Für den neuen CDU-Chef sprachen sich nur sieben Prozent der Befragten ganz entschieden mit »Ja, auf jeden Fall« aus, elf Prozent antworteten mit »Eher ja«.

Die repräsentative Umfrage wurde zwischen dem 23. und 25. Januar online durchgeführt, 5004 Personen beteiligten sich. Der Stichprobenfehler lag bei 2,5 Prozentpunkten.

Besonders schmerzhaft für Laschet ist, dass die Ablehnung im eigenen Lager mit am größten ist. Eine Auswertung der Umfrage nach Wahlabsicht ergab, dass 65 Prozent der Unionsanhängerinnen und -anhänger ihn als Kanzlerkandidat für ungeeignet halten – und nur rund 22 Prozent in Laschet einen geeigneten Kandidaten sehen.

Sehr ähnlich sieht das Stimmungsbild in den Lagern von SPD, Grünen, FDP und Linken aus. Lediglich die AfD-Anhängerinnen und -Anhänger treten Laschet mit noch größerer Ablehnung entgegen.

Für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten sind das keine guten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf. Als Ziel gab Laschet am Samstag in Stuttgart die Marke von »35 Prozent plus X« für die Union aus. Bei der Wahl 2017 waren es 32,9 Prozent.

Auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur hat Laschet vor allem einen Konkurrenten: CSU-Chef Markus Söder, mit dem nun eine Art Fernduell ansteht. Söder meldete sich in Stuttgart per Videobotschaft zu Wort und sagte den CDU-Delegierten, er arbeite mit Laschet »super« zusammen. »Aber klar ist auch: Ohne den Süden geht in Deutschland wenig.«

Söder weiß, dass er nicht nur als Vorsitzender der Schwesterpartei bei der Kanzlerkandidatur mitreden kann. Seine Beliebtheitswerte sind seit einem Dreivierteljahr enorm hoch. Söders Auftreten als resoluter, wenn auch nicht fehlerfreier Krisenmanager in der Corona-Pandemie kommt noch immer bei vielen Deutschen gut an .

Das bestätigt eine weitere repräsentative Civey-Erhebung für den SPIEGEL, für die zwischen dem 23. und 25. Januar online 5001 Personen befragt wurden. Die Hälfte der Deutschen hält demnach Söder für einen geeigneten Kanzlerkandidaten der Union. Ablehnend äußerten sich gut 41 Prozent der Befragten.

Die größte Zustimmung erfährt Söder dabei aus dem Unionslager, wo ihn insgesamt 79 Prozent der Befragten als geeigneten Kanzlerkandidaten sehen. Er wäre erst der dritte CSU-Vorsitzende, der die Union in den Bundestagswahlkampf führt – nach seinem Jugendidol Franz Josef Strauß 1980 und Edmund Stoiber 2002. Beide verloren allerdings.

Ein denkbares Szenario ist, dass Söder als Wahlsieger mit den Grünen anbandelt. Deren Lager bewertet ihn auch deutlich positiver als etwa Anhängerinnen und Anhänger der SPD. Weniger Gegenliebe würde ein Kanzlerkandidat Söder nach aktuellem Stand unter FDP-Fans erfahren, von denen viele wohl Friedrich Merz hinterhertrauern. Er unterlag im Kampf um den CDU-Vorsitz gegen Laschet.

Allerdings sind die Umfragewerte acht Monate vor dem Wahltermin gerade für die Union ein trügerisches Polster. Würde am kommenden Sonntag der Bundestag gewählt, kämen CDU und CSU auf rund 34 Prozent. Das ergab eine weitere Civey-Umfrage für den SPIEGEL.

Der Wert wäre für die Union ein großer Erfolg, stellt aber bereits einen Dämpfer im Vergleich zu den extrem hohen Zustimmungswerten aus dem vergangenen Frühjahr dar. Damals erreichten CDU und CSU Werte um 40 Prozent . Mit zunehmender Frustration über das Krisenmanagement von Bund und Ländern könnte dieser Corona-Bonus weiter schmelzen.

Die Grünen wären nach derzeitigem Stand mit gut 18 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft im Parlament – vor der SPD, die mit Olaf Scholz immerhin schon einen offiziellen Kanzlerkandidaten aufgestellt hat. Allerdings könnte ein Kanzlerkandidat Armin Laschet, der in Nordrhein-Westfalen mit der FDP regiert, auch auf eine Neuauflage von Schwarz-Gelb im Bund drängen. Einer der Deutschen, die Laschet für Kanzler-fähig halten, ist nach eigenem Bekunden FDP-Chef Christian Lindner.

mit Material von dpa
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