TV-Ansprache von Armin Laschet »Das Klima gewährt keinen Aufschub«

Ministerpräsident Laschet will den Opfern der Flutkatastrophe in NRW schnell helfen. Die Menschen sollten besser vor Extremwetter geschützt werden – auch durch stärkeren Klimaschutz.
Armin Laschet während seiner Ansprache im WDR: »Der Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern«

Armin Laschet während seiner Ansprache im WDR: »Der Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern«

Foto: Mark Hermenau / dpa

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will noch in dieser Woche mit den von der Unwetterkatastrophe betroffenen Kommunen über Finanzhilfen beraten. Das sagte er am Sonntagabend in einer Fernsehansprache im WDR .

Auch mit dem Bund werden Gespräche geführt. »Eine Katastrophe von nationaler Tragweite braucht auch eine schnelle nationale Antwort«, sagte der Kanzlerkandidat der Union. »Daran arbeite ich unter Hochdruck mit den Kolleginnen und Kollegen in der Landes- und der Bundesregierung.« Außerdem wolle er mit den Kommunalvertretern zusammenkommen, »um zu beraten, wie wir die Finanzhilfen ausgestalten, um schnell unsere Heimat wiederaufzubauen«.

Laschet machte klar, dass die Beseitigung der Schäden ein Kraftakt wird. »Als Land tun wir alles, um jetzt die direkten Auswirkungen der Katastrophe in den Griff zu bekommen.« Die Krisenstäbe tagten rund um die Uhr. »Die Wunden dieser Tage werden wir aber noch lange spüren«, sagte der Christdemokrat. »Der Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern.«

Laschet und der Klimaschutz – jetzt doch wieder mehr Tempo

Als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe fordert er mehr Vorsorge gegen Extremwetter. »Wir müssen Dämme bauen, Rückhaltebecken, Wasserreservoirs, Flächen renaturieren – Schutz nicht nur am Rhein, sondern auch an den großen und den vielen kleinen Flüssen überall im Land«, sagte Laschet. »Kurz: Natur, Umwelt, Leib und Leben schützen – quasi das Immunsystem unserer Heimat stark machen, damit wir besser gegen Wetterextreme gewappnet sind.«

Zerstörungen in Erftstadt-Blessem: »Den Klimawandel konsequenter bekämpfen«

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Foto: Christoph Hardt / imago images/Future Image

Die Häufigkeit und die Wucht solcher Katastrophen seien auch eine Folge des Klimawandels, bekräftigte Laschet. »Den müssen wir hier und weltweit schneller und konsequenter bekämpfen. Das Klima gewährt keinen Aufschub.«

In der Frage des Klimaschutzes hatte Laschet in den vergangenen Tagen mehrmals seine Meinung geändert. Am Donnerstag sagte Laschet zunächst, die zunehmenden Extremwetterereignisse seien mit dem Klimawandel verbunden. »Das bedeutet, dass wir bei den Maßnahmen zum Klimaschutz mehr Tempo brauchen.« Am selben Abend verkündete er im WDR jedoch: »Weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik.«

Jetzt tritt Laschet offenbar doch wieder für stärkeren Klimaschutz ein. Am Sonntag hatten das schon Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Kandidat Olaf Scholz und Laschets CSU-Rivale Markus Söder gefordert.

»Er ist ein Held«

In der Fernsehansprache erinnerte der CDU-Kanzlerkandidat zudem an den in Altena getöteten Feuerwehrmann. Laschet berichtete vom Telefonat mit der Witwe des 46-Jährigen. »Sie hat mir erzählt, dass ihr Mann jungen Menschen Werte vermitteln wollte. Er wollte ein Vorbild sein. Er ist noch mehr. Er ist ein Held«, sagte Laschet. Der Feuerwehrmann stehe stellvertretend für die Tausenden, die jeden Tag ihren Dienst täten und Leib und Leben riskierten.

Der Feuerwehrmann war in der dramatischen Hochwasserlage am Mittwochnachmittag in Altena – einer Stadt im Märkischen Kreis – nach der Rettung eines Mannes ins Wasser gestürzt und ertrunken. Seine Kollegen hatten ihn nur noch tot bergen können.

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Foto: Christof Stache / dpa

Nach Plünderungen im vom Unwetter getroffenen Eschweiler bei Aachen sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft, wie Laschet erklärte. Eschweiler ist besonders hart von den Auswirkungen des Hochwassers betroffen. »Es macht mich daher wütend, wenn ich höre, dass gerade jetzt Menschen in ihre verwüsteten Häuser zurückkehren und feststellen, dass Plünderer das wenige gestohlen haben, was ihnen noch geblieben ist«, sagte der Ministerpräsident.

Laschet war zuletzt in die Kritik geraten, als er beim Besuch in Erftstadt während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Hintergrund lachte. Der Ministerpräsident entschuldigte sich dafür auf Twitter: Er bedauere »den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden« sei. »Dies war unpassend und es tut mir leid.«

Am Sonntag nahm Laschet im WDR noch einmal zu der Situation Stellung. Er sei den ganzen Tag unterwegs gewesen und habe in dem Katastrophengebiet »emotionale Begegnungen« gehabt, die ihn »wirklich erschüttert« hätten. »Und deshalb ärgere ich mich umso mehr über diese wenigen Sekunden.« Es sei »nicht in Ordnung, in einem solchen Moment zu lachen«.

slü/dpa
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