Laschet oder Söder Drei Wege zur Kanzlerkandidatur der Union

Armin Laschet? Oder doch Markus Söder? CDU und CSU steuern auf einen Showdown in der Kanzlerfrage zu. Was jetzt passieren kann – und wann die Lage eskaliert: drei Szenarien.
Laschet und Söder im Gespräch (Archiv)

Laschet und Söder im Gespräch (Archiv)

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Sven Hoppe / picture alliance / dpa

Es waren zuletzt bittere Wochen für Armin Laschet. Maskenaffäre, Wahlschlappen, Coronachaos, Umfrageabsturz: Eigentlich sollte Laschet die CDU in eine glorreiche Zukunft führen. Doch in seiner kaum dreimonatigen Amtszeit als Parteivorsitzender hat er es vor allem mit Krisen zu tun  – im Land, in der Union, persönlich.

Kann es so noch etwas werden mit der sicher geglaubten Kanzlerkandidatur?

Längst ist bei den Christdemokraten etwas ins Rutschen geraten. Die Angst geht um vor einer Pleite bei der Bundestagswahl. Immer mehr CDU-Politiker schlagen sich auf die Seite von CSU-Chef Markus Söder.

Dass der Vorsitzende der bayerischen Schwesterpartei die Union in den Wahlkampf führt, war stets eine historische Ausnahme. Doch Söder ist in der Bevölkerung deutlich beliebter als Laschet. Alles scheint offen in diesen Tagen.

Laschet beim Besuch einer Impfstation in Nordrhein-Westfalen: Vor allem mit Krisen zu tun

Laschet beim Besuch einer Impfstation in Nordrhein-Westfalen: Vor allem mit Krisen zu tun

Foto: Political-Moments / imago images

Auch deshalb, weil Söder bislang keinerlei Anstalten macht, Laschet kampflos das Feld zu überlassen. Im Gegenteil. Gerade erst skizzierte der bayerische Ministerpräsident im SPIEGEL seine Visionen für die Union und die Republik . Es war der Auftritt eines Kanzlerkandidaten.

Vieles deutet darauf hin, dass eine Entscheidung zwischen Laschet und Söder nun unmittelbar bevorsteht. Nicht nur, weil die Grünen Druck machen. Am 19. April will die Ökopartei das Geheimnis ihrer Kanzlerkandidatur lüften.

Vor allem aber wächst spürbar die Nervosität in der Union. Und am Wochenende kommt es zum großen Schaulaufen der beiden Kontrahenten. Laschet und Söder nehmen beide an der Klausur des geschäftsführenden Fraktionsvorstands teil. Es ist ein hochbrisanter Termin, ein Showdown – jedenfalls wenn es bis dahin noch keine Einigung gibt.

Geht es jetzt alles ganz schnell? Drei Szenarien.

Szenario 1: Laschet zieht durch

In den vergangenen Tagen suchte Laschet offenbar den Kontakt zu mehreren CDU-Spitzenpolitikern. So hört man es aus der Union. Das Gerücht machte die Runde, Laschet wolle am Wochenende auf eine Entscheidung drängen – und Söder zur Aufgabe überreden. Intern sollen ihm Parteifreunde signalisiert haben, Laschet müsse nun schleunigst Führung beweisen, wenn er es in der K-Frage ernst meine.

Aus der CSU gab es empörte Reaktionen auf Laschets mutmaßliche Pläne. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte der »Bild«, er hoffe nicht, »dass hier versucht wird, einseitig Fakten zu schaffen«.

Klar ist: Kann Laschet Söder nicht ohne Weiteres durch gutes Zureden auf seine Seite ziehen, müsste er es mit der Brechstange versuchen – und etwa Druck über die Bundestagsfraktion und die Spitzengremien der Partei ausüben. Ein solches Manöver birgt jedoch große Gefahren.

Zur Befriedung der Union dürfte es jedenfalls nicht beitragen. Zu viele CDU-Politiker haben sich bereits öffentlich gegen Laschet positioniert.

Szenario 2: Laschet überlässt Söder die Kandidatur

Die Absetzbewegungen sind unübersehbar. Zahlreiche Parlamentarier gingen jüngst auf Distanz zu Laschet. Allein sieben Abgeordnete aus Baden-Württemberg sprachen sich kürzlich für Söder aus.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, verwies nun noch einmal auf Laschets miese Umfragewerte: »Das muss man schlichtweg zur Kenntnis nehmen und dann entsprechend agieren«, sagte der CDU-Politiker der »Sächsischen Zeitung«.

Hinter vorgehaltener Hand äußern inzwischen selbst frühere Unterstützer Laschets Zweifel, ob er noch der Richtige für die Kanzlerkandidatur ist. Wird der Druck zu groß?

Noch glaubt Laschet offenbar an seine Chance – doch wenn ebenfalls er zu dem Schluss kommt, dass die Union bei der Bundestagswahl mit Söder bessere Chancen hätte, bleibt ihm im Grunde nichts anderes übrig: Dann muss er zurückziehen und die Aufgabe seinem Kontrahenten überlassen. Für Laschet wäre es ein fast beispielloser Absturz binnen wenigen Wochen an der Spitze der CDU.

Szenario 3: Offener Showdown in der Fraktion

Wenn weder Laschet noch Söder ihre eigenen Ambitionen aufgeben, braucht es einen »Prozess«, wie es führende Christdemokraten nennen, um die Sache zu lösen.

Problem nur: Was man genau darunter verstehen darf, bleibt völlig offen. In der Union herrscht offenkundig Planlosigkeit.

Je länger sich die Entscheidung hinzieht, desto lauter werden jedenfalls die Forderungen aus der Bundestagsfraktion, die Sache einfach selbst in die Hand zu nehmen. Am Freitag unterzeichneten vorerst 50 Abgeordnete einen Aufruf, organisiert von Christian von Stetten, dem Chef des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion.

»Als Mitglieder einer selbstbewussten CDU/CSU-Bundestagsfraktion erwarten wir, dass, bevor eine Festlegung dieser Tragweite verkündet wird, in einer parteiübergreifenden Fraktionssitzung von CDU und CSU darüber diskutiert und im Zweifel auch dort entschieden wird«, heißt es darin.

Das ist vor allem eines: kein Vertrauensbeweis für Laschet. Während die Lage in den Parteigremien für ihn noch besser aussieht, brodelt es längst in der Fraktion. Eine Mehrheit wäre ihm keineswegs sicher.

Fest steht: Eine offene Schlacht zwischen Söder und Laschet vor der Fraktion würde die Union weiter schwer belasten. Am Freitag meldete sich auch CDU-Präsidiumsmitglied Norbert Röttgen, einer von Laschets Konkurrenten im Rennen um den Parteivorsitz, via Twitter zu Wort.

Laschet und Söder, so Röttgen, müssten denjenigen benennen, der für einen Wahlsieg »die besten Aussichten hat«. Sonst müsse man »in der Fraktion entscheiden«.

Einen solchen Fall gab es schon einmal in der Union. 1979 setzte sich Franz-Josef Strauß in einer Abstimmung der Fraktion durch und wurde Kanzlerkandidat der Union. Als CSU-Mann.

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