DER SPIEGEL

Kampf um die Kanzlerkandidatur »Laschet steckt in der Defensive«

Florian Gathmann
Birgit Großekathöfer
Eine Analyse von Florian Gathmann und Birgit Großekathöfer (Video)
Wer führt die Unionsparteien in die Bundestagswahl? Armin Laschet oder Markus Söder? Der eine gerät mehr und mehr in Bedrängnis. Der andere will die Gunst der Stunde nutzen.

Rund sechs Monate vor der Bundestagswahl geht das Ringen um die Unions-Kanzlerkandidatur auf die Zielgerade: Markus Söder oder Armin Laschet? Entscheidend könnte dabei sein: Wer von beiden macht den besseren Job als Krisenmanager in der Corona-Pandemie? Und: Wer hat den so wichtigen Rückhalt der jetzigen Amtsinhaberin?

Markus Söder, Ministerpräsident Bayern
»Das Team Vorsicht hat sich insgesamt durchgesetzt und zwar bei allem.«

Armin Laschet, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen
»Bitte erkennen Sie an, dass da Leute alles tun, um es gut zu machen, dass wir uns zerreißen für dieses Land.«

Florian Gathman, DER SPIEGEL

»Das Interessante ist, dass sich in diesem Monat 13 in der Corona Pandemie sicher so vieles verändert hat und so vieles durcheinander gekommen ist. Und dazu zählt eben auch, dass, jedenfalls für den Moment, es so aussieht, als ob jemand wie Armin Laschet, der immer als enger Vertrauter von Angela Merkel galt, eher sozusagen im Anti- Merkel-Lager, jedenfalls was Teile der Corona Politik angeht, zu sein scheint. Während ausgerechnet Markus Söder, der auch in den Zeiten, als die CSU die CDU sich bis aufs Blut bekämpft haben und es fast zum Bruch kam, zu den härtesten Kritikerinnen der Kanzlerin gehörte, plötzlich ja wie der engste Vertraute von Kanzlerin Merkel gilt

Angesichts des Impfdesasters, der Maskenaffäre und sinkender Umfragewerte wächst in CDU und CSU der Druck auf die Parteispitze, die Frage der Kanzlerkandidatur möglichst schnell zu klären. Parteichef Armin Laschet aber gelingt zur Zeit nicht aus einer Position der Stärke zu handeln. In der gestrigen Talkshow von Markus Lanz reagierte er dann auch eher defensiv als der Moderator ihn nach dem Tadel der Bundeskanzlerin befragte. Stattdessen verteidigte er sein Vorgehen in der Corona-Pandemie.

(Ausschnitt: Marus Lanz)

Florian Gathman, DER SPIEGEL

»Er hat es wirklich mit so einer Mischung aus stoischer Ruhe und auch einfach mal sich um Antworten drücken und einfach auch mal Sachen sagen, die einem dann so einfallen, eigentlich geschafft, sich da halbwegs aus der Affäre zu ziehen. Und ja, den Konflikt, den es schon an diesem Punkt gibt zwischen Angela Merkel und Armin Laschet und zwar einfach an einem Punkt in der Corona Krise. Da gibt's Meinungsverschiedenheiten, da hat er es geschafft, dass dieser Konflikt nicht größer geworden ist, als er schon ist

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf der anderen Seite betont die Gefahr durch eine dritte Corona-Welle und stellt sich auf Angela Merkels Seite.

Markus Söder, Ministerpräsident Bayern

»Meiner Einschätzung nach hat die Bundeskanzlerin recht mit ihrer Warnung, mit ihrer Sorge, mit ihrer Prognose und ihrer Einschätzung. Es muss für alle klar sein: wenn über 100, dann muss reagiert werden. Das Verschieben von Notbremsen oder einfach Erhöhen bringt am Ende nichts. Es holt jeden ein. Jeden. Es ist nicht gut, wenn Bund und Länder streiten, und diese Bemerkung sei mir auch erlaubt, ich finde es seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der Bundeskanzlerin ein halbes Jahr vor der Wahl streitet.«

Florian Gathmann, DER SPIEGEL

»Also vielleicht kann man Armin Laschet vorwerfen, dass er zu lieb ist, dass er nicht abgezockt genug ist, dass ihm eine gewisse politische Gnadenlosigkeit fehlt, die sicher Markus Söder jeweils hat. Aber Armin Laschet lässt sich sozusagen auf dieses Spiel nicht ein. Das, glaube ich, aus Sicht von Markus Söder im Moment schon so funktioniert. Wie schaffe ich es, den Mann, der eigentlich als Favorit auf die Unions-Kanzlerkandidatur geht, gilt zu destabilisieren.«

Zwischen Ostern und Pfingsten soll die Entscheidung zwischen den beiden Kontrahenten fallen. Noch aber ist nicht ausgemacht, wer den Endspurt für sich entscheiden kann.

Florian Gathmann, DER SPIEGEL

»Also man kann wahrscheinlich sagen, dass Armin Laschet im Moment schon deutlich mehr in der Defensive steckt und Markus Söder im Moment so ein bisschen als derjenige aussieht, der vielleicht tatsächlich das Feld noch aufrollen könnte. Der natürlich eigentlich aus einer schwächeren Position kommt, weil die CSU ja mit Abstand die kleinere Partei der Union-Schwestern ist und eigentlich der CDU-Chef immer als der Favorit gilt, wenn es um die Kanzlerkandidatur geht. Es ist eben im Moment unklar, ob sich das nicht alles nochmal umdreht.«

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