Echo auf Kanzlerkandidat Laschet »Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen«

Die K-Frage in der Union scheint gelöst: Söder gibt auf, Laschet hat den CDU-Vorstand hinter sich. Die ersten Reaktionen aus der Union sind allerdings verhalten. Echte Glückwünsche kommen nur: von der SPD und den Grünen.
CDU-Chef Armin Laschet

CDU-Chef Armin Laschet

Foto: Michael Sohn / AP

Der CDU-Chef Armin Laschet wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Union als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führen. Zumindest steht er seit Dienstag ohne Konkurrenz da: Kontrahent Markus Söder hat im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur aufgegeben und Laschet seine Unterstützung zugesichert. Er habe Laschet angerufen und zur Kanzlerkandidatur gratuliert.

Auch andere gratulierten – allerdings eher verhalten.

CSU-Generalsekretär Markus Blume bestätigte in München zwar, dass Laschet Kanzlerkandidat der Union werde, konnte es aber nicht lassen, noch einmal für seinen eigenen Parteichef zu werben. »Markus Söder begeistert, und lassen Sie mich ganz persönlich sagen: Markus Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen«, sagte Blume.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gratuliert nur indirekt. Über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert lässt sie via Twitter Glückwünsche ausrichten. »Ich freue mich auf die kommenden Monate unserer Zusammenarbeit«, wird Merkel zitiert.

Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte wertete das Votum für Laschet als »Entscheidung gegen die CDU-Basis«. Die Stimmung in Thüringen sowie in mehreren anderen Landesverbänden sei deutlich für Söder als Kanzlerkandidat, sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Erfurt. Er gehe aber davon aus, dass Söder Laschet im Bundestagswahlkampf unterstützen werde. »Wir sind jetzt gut beraten, uns hinter Armin Laschet zu versammeln und uns auf Inhalte zu konzentrieren.«

Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) kritisierte den Beschluss gegen die CDU-Basis ebenfalls als »sehr bemerkenswert«. Er wundere sich sehr, dass man die eindeutige Pro-Söder-Stimmung an der CDU-Basis völlig ignoriert habe, sagt er der dpa in München.

In einer digitalen Sondersitzung des CDU-Vorstands hatten in der Nacht zum Dienstag 31 von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl für den eigenen Parteivorsitzenden Laschet als Kanzlerkandidaten plädiert. Neun stimmten für Söder, sechs enthielten sich (lesen Sie hier mehr).

Der bei der Wahl zum CDU-Chef unterlegene Friedrich Merz gratulierte seinem ehemaligen Kontrahenten hingegen deutlich: »Gratulation an Armin Laschet«, sagte Merz der »Bild«-Zeitung am Dienstag. »Jetzt richten wir den Blick nach vorn: Raus aus dem Klein-Klein, konkrete Vorschläge für die Bundestagswahl, ein Modernisierungsjahrzehnt für Deutschland

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gratuliert dem CDU-Vorsitzenden via Twitter, da es ja jetzt entschieden »scheine«. »Ich freue mich auf eine sachliche Debatte über Inhalte und den Wettstreit um die besten Ideen für unser Land. Glück auf!«

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Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gratuliere ebenfalls via Twitter. »Ich setze auf einen fairen Wahlkampf um die Führung dieses Landes«, schrieb sie. »Und darum, wer die nötigen Veränderungen energisch vorantreibt, damit wir die Herausforderungen meistern.«

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Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter schickte Glückwünsche aus Berlin. Er freue sich auf einen spannenden, inhaltlichen und fairen Wahlkampf, sagte Hofreiter. Er warf der Union zugleich vor, kein vorausschauendes Verfahren zur Nominierung ihres Kanzlerkandidaten zustande gebracht zu haben. Hofreiter fürchtet, dass es mit der »Zerrissenheit« in der Union auch nach der Entscheidung für Laschet weitergehen werde. Aber es tue einer Demokratie »nicht gut, wenn es keine funktionierende konservative Partei gibt«.

Auch die Linke kritisierte die Entscheidung zur Kanzlerkandidatur in der Union. »Nach Wochen unermüdlicher Grabenkriege« hätten die »CDU-Altvorderen« Laschet durchgedrückt, sagte Co-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow am Dienstag der dpa. »Ich will gar nicht wissen, womit die CDU hinter verschlossenen Türen Markus Söder zum Rückzug gezwungen hat, aber eine souveräne Kandidatenkür sieht anders aus.« Laschet bezeichnete sie als »maximalen Krampf-Kandidaten einer krisengeschüttelten und von Korruption gebeutelten Union«.

Ähnlich harsch im Ton äußerte sich nur die AfD. Partei-Vize Beatrix von Storch schrieb auf Twitter, das Votum für Laschet sei eine Fortsetzung von »Merkels vergrünter Versagerpolitik«.

Auf dieser Linie argumentierte auch Co-Parteichef Jörg Meuthen. »Ob Laschet oder Söder – wer die Union wählt, bekommt am Ende grün.« So wie sich Laschet und Söder nach Bekanntwerden der Kanzlerkandidatur von Analena Baerbock in ihren »Ergebenheitsadressen bereits an die Grünen angedient« hätten, stehe schon heute fest, was im Falle einer schwarzgrünen Koalition zu erwarten sei: »Dass sich die Union dem linksgrünen Zeitgeist, den bereits Angela Merkel tief in die Union getragen hat, völlig ergeben wird«, so Meuthen weiter.

Lob von der FDP

Dagegen zeigte sich der FDP-Fraktionsvize und baden-württembergische FDP-Landeschef Michael Theurer erfreut über die Entscheidung für Laschet. Er twitterte, mit Laschet bleibe der Union und ganz Deutschland »hoffentlich eine Achterbahn-Politik nach Meinungsumfragen und Zeitgeist erspart«. Söder müsse »jetzt Wort halten und CDU und CSU müssen sich wieder auf die Sacharbeit konzentrieren«. Theurer hatte am Sonntag Kanzlerin Angela Merkel gegenüber dem SPIEGEL dafür kritisiert, sich im internen Streit nicht klar positioniert zu haben.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, gratulierte ebenfalls Laschet. »Auch hier hoffe ich auf sportlichen Wettbewerb um die besten Ideen für unser Land«, twitterte der FDP-Politiker aus Nordrhein-Westfalen.

Laschet führt seit 2017 mit der FDP in Nordrhein-Westfalen (NRW) als Ministerpräsident die derzeit einzige schwarz-gelbe Koalition in Deutschland. Der NRW-Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp von der FDP hatte ihm schon am Morgen nach dem Votum des CDU-Bundesvorstands gratuliert. Er freue sich über das klare Votum, schrieb er auf Twitter. Laschet sei ein fairer Koalitionspartner, der unterschiedliche Positionen zusammenführen könne. »Unsere vertrauensvolle, unaufgeregte Zusammenarbeit« in Nordrhein-Westfalen, so Stamp mit Blick auf mögliche Gespräche von FDP und Union nach den Bundestagswahlen, »könnte stilbildend sein – auch für den Bund«.

Laschet dankt Söder

Der CDU-Vorsitzende äußerte sich am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Berlin. »Ich danke Markus Söder dafür, dass er der CDU und auch mir persönlich die Unterstützung der CSU und auch des Parteivorsitzenden der CSU zugesagt hat«, sagte der Parteichef. Die CSU habe durch ihr Vorgehen am Montag die Entscheidung der CDU ermöglicht. »Das ist ein großer Vertrauensbeweis«, sagte Laschet. Er danke CSU-Chef Söder und der gesamten CSU »für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung«. Das Verhältnis zum CSU-Vorsitzenden nannte der CDU-Chef gut und vertrauensvoll.

Der CSU-Chef werde »eine zentrale Rolle für die Union und die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland spielen«, sagte Laschet. Er kündigte an, sich weiterhin mit ihm abzustimmen. Für den Wahlerfolg müssten CDU und CSU nun als Team in den Wahlkampf ziehen. Mit ihrem Modell als Schwesterparteien seien sie ein Stabilitätsanker und Modernisierungsmotor des Landes.

mrc/sev/dpa