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NRW-Ministerpräsident Laschet über öffentlich-rechtlichen Rundfunk »Egal ob einer schaut, der Sender sendet«

Nach der »Umweltsau«-Satire verteidigt Armin Laschet den WDR gegen rechtspopulistische Attacken. Gleichzeitig kritisiert er hohe Honorare bei den Öffentlich-Rechtlichen und sagt: »Haltung ersetzt nicht Qualität.«
aus DER SPIEGEL 3/2020
Landeschef Laschet: »Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht«

Landeschef Laschet: »Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht«

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WERNER SCHUERING / DER SPIEGEL

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen verteidigt WDR-­Intendant Tom Buhrow gegen die Kritik seiner Mitarbeiter wegen des Umgangs mit dem »Umweltsau«-Video. Armin Laschet (CDU) warnt die WDR-Belegschaft aber auch vor Hybris: »Es kann nicht sein, dass Sie in Deutschland alles kritisieren dürfen, vom Papst abwärts – nur nicht die Beiträge des Westdeutschen Rundfunks.« Die gesamte Medienlandschaft stehe unter wirtschaftlichem Druck. »Die einzigen, die da eine privilegierte Stellung haben, sind die Redakteure im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.« Nach Ansicht des NRW-Ministerpräsidenten muss sich »bei den Strukturen« der Rundfunkanstalten »einiges ändern«, etwa bei den Pensionen und bei Sportlizenzen.

Lesen Sie hier das komplette Interview.

SPIEGEL: Herr Laschet, was sind Ihre Lieblingssender?

Laschet: Ich schaue fast ausschließlich die Öffentlich-Rechtlichen sowie den Nachrichtensender n-tv. Im Radio höre ich vor allem WDR 2 und Deutschlandfunk.

SPIEGEL: Sind Sie trotzdem mit der Zeit zum Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geworden? Sie äußern sich jedenfalls gern kritisch über dessen Arbeit.

Laschet: Nein. Jeder, der mich in den Verhandlungen der 16 Länder über den neuen Rundfunkstaatsvertrag erlebt, weiß, dass wir in Nordrhein-Westfalen große Unterstützer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind. Ich werbe gerade für eine gute und angemessene Finanzierung, während andere klar sagen, sie würden keiner Beitragserhöhung mehr zustimmen. Aber ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk braucht auch eine Fehlerkultur. Man muss einen Beitrag kritisieren dürfen, etwa dieses »Umweltsau«-Video. Mit Kritik wird ein Sender wie der WDR nur stärker.

SPIEGEL: Sie haben mitgeholfen, einen harmlosen Satiretext zu skandalisieren. Und haben so auch rechten Hetzern eine Legitimation für deren Propaganda gegen das Gebührensystem geliefert.

Laschet: Das ist Quatsch. Ich plädiere in all meinen Reden für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wir erleben seit Monaten, wie sehr das Thema Klimaschutz unsere Gesellschaft umtreibt und wie manche Klimaschutz als Generationenkonflikt eskalieren. In diese Situation hinein Neunjährige ihre Großeltern als Umweltsau beschimpfen zu lassen ist kein Beitrag für ein gutes gesellschaftliches Klima. Der Vorstand der Chorakademie hat ja zwischenzeitlich selbst klargestellt, man hätte dem Ansinnen des WDR nie folgen dürfen. Übrigens, wer gegen das Schüren eines Generationenkonflikts eintritt, ist nicht rechts.

SPIEGEL: Aber Rechtsextreme haben kurz nach Ihrer Kritik vor dem WDR und dem SWR demonstriert, mit zum Teil radikalen Parolen wie »Wir werden sie aus ihren Redaktionsstuben vertreiben«.

Laschet: Die Rechten nutzen doch den Kampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen seit Jahren für ihre Zwecke. Ich trete hingegen seit Jahren gegen rechts und für die Öffentlich-Rechtlichen ein. Aber ich erwarte eben auch, dass diese Sender kritikfähig sind, wenn jemand sagt: Diese Instrumentalisierung eines Kinderchors für eine Idee eines Redakteurs war daneben. Dass der Intendant Tom Buhrow sich entschuldigt hat, war ein gutes Signal.

SPIEGEL: Viele WDR-Mitarbeiter fühlen sich von Buhrow aber im Stich gelassen.

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