Ungleichheit in Deutschland Armutsrisiko bei jüngerer Generation deutlich höher

Die Schere zwischen Arm und Reich geht nach SPIEGEL-Informationen in Deutschland immer weiter auseinander - und vor allem die Jüngeren bekommen das zu spüren. Das Rentensystem benachteiligt laut einer neuen Studie die künftigen Berufstätigen.
Eltern und Kinder: "Die Kosten für Kindererziehung bleiben an Familien hängen"

Eltern und Kinder: "Die Kosten für Kindererziehung bleiben an Familien hängen"

Foto: Frank Leonhardt/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Das Rentensystem Deutschlands funktioniert auf Kosten der jüngeren Generation. Das konstatiert eine bislang unveröffentlichte Studie des unabhängigen Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung , die dem SPIEGEL vorliegt. Die demografische Entwicklung führe dazu, dass künftige Erwerbsgenerationen "nicht nur mehr in die Rentenkassen einzahlen und länger arbeiten müssen, sie werden sich auch mit bescheideneren Renten abfinden müssen", heißt es darin.

Ungleichheit entstehe schon dadurch, dass zwar die jeweilige Generation aller Erwerbstätigen per Umlagesystem die Renten finanziert. Dagegen bleiben aber "die Kosten für Kindererziehung und -betreuung nach wie vor weitgehend an den Familien hängen", wie das Institut feststellt. Das Armutsrisiko sei denn auch "in den jüngeren Altersgruppen deutlich höher als in den älteren".

Die Ungleichheit in der deutschen Gesellschaft, die die OECD bereits 2011 feststellte, nimmt außerdem zu. "Die Unterschiede sind auch in Deutschland groß geworden", sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) , Marcel Fratzscher, dem SPIEGEL. Die soziale Mobilität sei in Deutschland inzwischen fast genauso gering wie in den USA. "Wer also einmal in einem bestimmten Bildungs- und Einkommensmilieu feststeckt, kommt da nicht mehr raus."

Kaum eine westliche Industrienation bekennt sich derart klar zum Prinzip der sozialen Marktwirtschaft wie die Bundesrepublik Deutschland - und nur wenige verteilen so stark um. "Dass wir trotzdem eine so starke Ungleichheit bei den Vermögen haben, entspricht überhaupt nicht unserer Selbstwahrnehmung", sagt Fratzscher.

abl
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