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Politischer Aschermittwoch: Verbalattacken und Weißbier

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Aschermittwoch-Minutenprotokoll Wadenbeißer mit Maulkorb

So zahm war der Politische Aschermittwoch selten: CSU-Chef Seehofer lobte Bayern, sein Vorgänger Stoiber sprach über die großen Linien der Politik. Immerhin gab der SPD-Vorsitzende Gabriel wie üblich den großen Polterer. Lesen Sie die Höhepunkte im Minutenprotokoll nach.

Hamburg/Passau/Vilshofen - In diesem Jahr fiel der Politische Aschermittwoch ungewöhnlich zurückhaltend aus - die Vertreter der Parteien stichelten nur ein wenig gegeneinander, wie zum Beispiel FDP-Chef Philipp Rösler, der die SPD-Spitze als "Lehman-Brothers der Sozialdemokratie" bezeichnete. Oder Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, die spottete: "Dobrindt wird kein Johnny Depp - ganz sicher kein Johnny."

Ungewohnt sachlich gab sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer in Passau - als derzeitiger kommissarischer Bundespräsident zeigte er sich lieber zahm. Für die Abteilung Attacke hatte er seinen Vorgänger Edmund Stoiber und "Mister Aschermittwoch" zum Poltern in die Dreiländerhalle gebeten. Doch der sprach lieber über die Politik im Allgemeinen. Er lobte sogar Joachim Gauck als "sehr gute Wahl" für das Bundespräsidentenamt.

Selbst Seehofer-Herausforderer Christian Ude von der SPD bei den kommenden Landtagswahlen in Bayern gab statt Bierzelt-Polterer lieber den Landesvater in spe. Einzige Ausnahme SPD-Chef Sigmar Gabriel, der wie immer rumpolterte und Schwarz-Gelb scharf attackierte.

Lesen Sie im Minutenprotokoll nach, wie es auf den bisherigen Aschermittwochs-Veranstaltungen der Parteien zuging:

+++ CSU badet in Emotionen +++

[13.03] Und noch mehr Momente der Emotion: Seehofer kündigt das Schlusswort von Generalsekretär Dobrindt an, "der seit zwei Tagen glücklicher Vater ist." Das erkläre auch, "warum er so viel abgenommen hat, er bereitet sich auf seine Vaterpflichten vor."

+++ Stoibers Abgang unter Ovationen +++

[13.01 Uhr] Parteichef Seehofer tritt noch einmal ans Pult, heiser brüllend. "Er ist ein ganz Großer!" ruft er, der Ehrenvorsitzende Stoiber steht mit glänzenden Augen daneben. Für einen Moment ist mit Sprechgesängen ("Oh wie ist das schön") Fußballstadionatmosphäre in Passau.

+++ Kretschmann stichelt gegen die SPD +++

[12.59 Uhr] Bei den Grünen in Biberach ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann ans Rednerpult getreten. Der erste Regierungschef einer grün-roten Koalition legt gleich mit einer Stichelei gegen die SPD los: "Der Mensch gewöhnt sich an alles. So wird sich die SPD auch an uns gewöhnen."

+++ Kein Poltern und wenig Bier bei Ude +++

[12.55 Uhr] Jetzt wird Ude ein frisches Weißbier gebracht, obwohl er noch gar nicht viel von seinem ersten Glas getrunken hat. Auch das ein Zeichen dafür: Ude gibt nicht den Bierzelt-Polterer, sondern den klugen Politiker mit Überblick - und schon eine Art Landesvater. "Ich werde mich als bayerischer Ministerpräsident für alle bayerischen Landesteile einsetzen", sagt er. Das soll heißen: Seht her, ich bin nicht nur Münchner.

+++ Stoiber macht auf Elder Statesman +++

[12.54 Uhr] Jetzt sonnt sich Stoiber in der Rolle des Elder Statesman mit dem Expertenblick aus Brüssel: "Ich kann nicht dauernd über meine Verhältnisse leben", wettert er gegen die Schuldenpolitik Griechenlands. Deutschland sei "Leadnation" in der Lösung des Schuldenkrimis geworden. "Wir müssen eine Führerschaft übernehmen, auch wenn wir bei dem Wort sofort zusammenzucken", ruft Stoiber am Rande der Dezibel-Schmerzgrenze. "Auf Deutschland kommt es an, um Europa zusammenhalten."

+++ "Der olle Ede" +++

[12.51 Uhr] In Passau wird Stoiber bejubelt - bei Twitter nicht unbedingt: @S_Lachmann schreibt via Twitter "Spricht Bände über den Zustand der CSU wenn Sie den ollen Ede wieder ausgraben müssen." @FensterRentner sieht es ganz praktisch: "Aschermittwoch heißt für mich, sich en Kater von Edmund Stoiber wegbölken lassen."

+++ Rösler spottet über SPD-Spitze als "drei scheinheilige Könige"+++

[12.48 Uhr] Rösler fordert fordert von Griechenland, seine Reformversprechen endlich umzusetzen. "Wir werden uns nicht länger erpressen lassen", sagt er: "Keine Leistung ohne Gegenleistung - auch das geht im Rahmen der europäischen Solidarität!" Griechenland habe seine Partner in der Euro-Krise immer wieder nur vertröstet. Manches Entwicklungsland tue mehr. "So wird man die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht steigern können", so Rösler. Dass ausgerechnet SPD und Grüne der schwarz-gelben Bundesregierung jetzt gute Ratschläge erteilen wollten, sei originell: Unter Rot-Grün sei Griechenland gegen jede wirtschaftliche Vernunft in die Euro-Zone aufgenommen worden und seien die Maastricht-Kriterien aufgeweicht worden. Die SPD-Spitze verspottet Rösler als "die drei scheinheiligen Könige" und die "Lehman-Brothers der Sozialdemokratie" - Sprüche, die FDP-Anhänger gleich über Twitter weiterverbreiten.

+++ Leutheusser-Schnarrenberger attackiert Ude +++

[12.44 Uhr] Bayerns FDP-Chefin Leutheusser-Schnarrenberger greift SPD-Spitzenkandidat Ude an. "Christian Ude als Kandidat versucht gerade, ohne Kompass in der Landespolitik zu landen", sagt sie. Der Münchener Oberbürgermeister "versucht nicht nur, endlich einmal die bayerische Landkarte außerhalb Münchens zu studieren, sondern er sucht am Münchner Flughafen verzweifelt die dafür notwendige dritte Landebahn, die ihm seine Landes-SPD nach wie vor verweigert".

+++ "Dobrindt wird kein Johnny Depp" +++

[12.41 Uhr] Die Grünen-Anhänger twittern aus Landshut. @KathaSchulze zitiert Claudia Roth: "Dobrindt wird kein Johnny Depp - ganz sicher kein Johnny" - und @Gruene_Bayern posten Roths Attacke auf den CSU-Chef: "Wir müssen dem Herrgott danken, dass das nur ein Monat ist." Gemeint ist Seehofers Zeit als kommissarischer Bundespräsident. Bei @DJanecek heißt es: "Claudia Roth: Wie jemand liebt und lebt, geht niemanden etwas an! Noch nie sind bürgerliche Werte so verkommen wie unter Schwarz-Gelb."

"Ude: Ich habe zwei Jahre mehr Lebenserfahrung als Seehofer"

+++ Künast zieht über Wulff und die CDU her +++

[12.37 Uhr] Fraktionschefin Künast ist jetzt in Fahrt - und gibt den Christdemokraten und ihrem zurückgetretenen Bundespräsidenten gleichzeitig eine verbale Ohrfeige: "Ich habe Angst, dass die CDU Wulff zum Anti-Korruptionsbeauftragten der Banken macht."

+++ "Die wirklichen Narren sprechen heute" +++

[12.35 Uhr] Nicht allen gefällt der Politische Aschermittwoch - im Netz gibt es auch Häme. @iatzglangts schreibt bei Twitter: "Eigentlich beginnt der Fasching erst heute, weil jetzt die wirklichen Narren sprechen." @setr0 kommentiert: "Politischer Aschermittwoch = Langeweile ²". Und @EinSeemann findet: "Aschermittwoch ganz schön doof das ganze! welchen sinn hat dieser Tag ausser sich hoffnungslos zu besaufen?"

+++ Ude feiert die bayerische Sozialdemokratie +++

[12.31 Uhr] Jetzt kommt Ude in Vilshofen aus der Deckung und gibt sich absolut siegessicher. Der Sozialdemokrat feiert die Tradition der SPD und ruft: "Es ist eine Unterrrichtseinheit in Landeskunde fällig: Es gibt in Bayern nur eine Partei, die 120 Jahre alt ist. Das ist die Sozialdemokratie." Der lauteste Applaus bisher, die Zuhörer klopfen auf die Tische, wieder Ude-Rufe.

+++ Künast nennt Gauck-Entscheidung Niederlage für Merkel +++

[12.28 Uhr] Bei den Grünen in Biberach ist jetzt Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast dran. Sie lobt als erstes den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck - und lästert über Kanzlerin Merkel. "Die Entscheidung für Gauck war de facto eine Niederlage für Angela Merkel", sagt sie.

+++ "Ude: Ich habe zwei Jahre mehr Lebenserfahrung als Seehofer" +++

[12.25 Uhr] SPD-Spitzenkandidat Ude nennt die CSU "Bonsai-Strategen", weil sie mit einem Gesetz eine weitere Amtszeit von ihm als Münchener Bürgermeister verhindert hätten, ihn dafür jetzt aber als Ministerpräsidenten bekämen. "Weil mir die Landespolitik unheimlich viel Spaß macht." Er will sich vom Bild des nur auf München beschränkten Politikers lösen. Dann vergleicht er sich mit Seehofer. Er sei nicht viel älter als der CSU-Politiker: "Aber ich habe zwei Jahre mehr Lebenserfahrung als Seehofer - ich finde, dass merkt man auch." Johlen und Lachen im Zelt. Jetzt beschwört Ude eine Koalition mit den grünen und den Freien Wählern.

+++ Stoiber preist Gauck +++

[12.23 Uhr] Der Ex-Ministerpräsident feuert eine wahre Lobsalve auf den designierten Bundespräsidenten ab - weil der einen großen Teil des Markenkerns der CSU mitstütze. "Joachim Gauck steht zu Hartz IV, er ist gegen den Ausbau des Sozialstaates!". Die Opposition, sagt er, werde sich noch umgucken.

+++ FDP-Chef Rösler wird frenetisch bejubelt +++

[12.21 Uhr] Die bayerische FDP bereitet ihrem Bundesvorsitzenden Rösler beim Politischen Aschermittwoch im bayerischen Dingolfing einen stürmischem Empfang. Rösler habe die Stürme bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten "standfest überstanden", sagt die Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zur Begrüßung. Aber sie versucht auch, die Wogen nach dem Koalitionskrach mit der CDU/CSU zu dämpfen: "Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul ist jetzt das Gebot der Stunde."

+++ Kuhn redet über Stuttgart +++

[12.14 Uhr] Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn hat noch viel vor in diesem Jahr - er will im Herbst Oberbürgermeister in Stuttgart werden. Beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Biberach geht es deshalb erstmal um die baden-württembergische Hauptstadt. "Ich bin immer noch der Meinung das Politik lebt von der Wahl der Alternativen. Es gibt immer eine andere Lösung", sagt Kuhn mit Blick auf das bisher von der CDU besetzte Stuttgarter Rathaus.

+++ Ude setzt auf Humor statt Angriff +++

[12.11] SPD-Spitzenkandidat Ude zählt vor allem Geschichten auf, in denen er die CSU gescheitert sieht. Den Zuhörern ist die Rede offenbar noch zu kleinteilig. Einen scharfen Angriff auf die politischen Gegner vermissen sie bisher. Das härteste, was bisher von Ude kam: "Die CSU hat sich lächerlich gemacht mit ihren Beteuerungen." Cristian Ude spielt lieber mit feinem Humor, lacht viel und verzichtet auf Parolen.

+++ Linken-Chef Ernst beklagt Ausgrenzung seiner Partei +++

[12.10 Uhr] Klaus Ernst wirft Merkel vor, seine Partei bei der Nominierung von Gauck als Bundespräsidenten ausgegrenzt zu haben. Man hätte erwarten können, dass die Kanzlerin alle im Bundestag vertretenen Parteien in die Kandidatenfindung einbeziehe, sagt der Linken-Chef bei der Aschermittwochs-Veranstaltung seiner Partei im niederbayerischen Tiefenbach. Das habe sie nicht getan. "Sie macht denselben Fehler der Ausgrenzung wieder. Das finden wir schäbig und unangemessen", sagt Ernst. Fünf Millionen Wählerinnen und Wähler seien damit ignoriert worden. "Auch der letzte Kandidat, der aus dem Amt geschieden ist, war ein Vorschlag von Merkel und nicht von den Linken."

+++ Rösler fängt an +++

[12.08 Uhr] Auch die FDP beginnt nun in Dingolfing. Parteichef Rösler tritt auf die Bühne.

Knappes Seehofer-Lob für Gauck

+++ Ude steigt zrückhaltend ein +++

[12.05 Uhr] Ude beginnt in Vilshofen ruhig. Der SPD-Mann lästert über gebrochene Wahlversprechen der CSU. Immer wieder wird der Münchner Oberbürgermeister von "U-de, U-de"-Rufen unterbrochen. Wirkliche Attacken auf die CSU liefert er allerdings noch nicht. Die Stimmung kühlt nach der Anfangseuphorie wieder etwas herunter.

+++ Stoiber rockt von Anfang an +++

[12.02 Uhr] Stoiber ist back, das macht er von der ersten Sekunde an klar: Fast jeder Nebensatz wird mit wohlwollendem Gelächter begleitet. "Ich bin seit fünf Jahren nicht mehr in der aktiven Politik und will auch nicht mehr zurück", meint der CSU-Veteran. Der Saal bedauert lautstark.

+++ Jetzt ist Stoiber dran +++

[11.59 Uhr] Nahtlos gehen die Jubelrufe für Seehofer in "Edmund! Edmund"-Sprechchöre über. Der CSU-Ehrenvorsitzende Stoiber tritt ans Pult. "Ich kann nur feststellen: Die Südkurve, sie steht", begrüßt er seine Leute unter Applaus.

+++ Seehofers Finale +++

[11.56 Uhr] Seehofers Rede ist zu Ende - er hat noch fünf Minuten für Applaus eingeplant, bis um Punkt 12 Uhr Edmund Stoiber auftreten will. "Bayern soll Bayern bleiben", brüllt Seehofer zum Abschied durch die Messehalle in Passau. Standing Ovations und Pfiffe gibt es satt - doch der eigentliche Höhepunkt des Aschermittwochs soll noch kommen. CSU-Veteran Stoiber soll die "Abteilung Attacke" übernehmen.

+++ Gabriel gibt an Ude ab +++

[11.53 Uhr] Gabriel ehrt einige lokale SPD-Mitglieder, die Stimmung wird ruhiger. Am Schluss spricht er nochmal über Ude und sichert sich so einen großen Endapplaus, die Hälfte der Menschen im Zelt steht auf und johlt - allerdings nicht seinen Namen, sondern "Ude". Der tritt jetzt ans Pult.

+++ Knappes Seehofer-Lob für Gauck +++

[11.52 Uhr] Joachim Gauck sei der Kandidat der CSU für die Bundespräsidenten-Wahl, sagt Parteichef Seehofer - der Beifall fällt sehr bescheiden aus. Schnell nimmt Seehofer einen Schluck aus seiner Maß und sagt "Prost".

+++ CSU-Promis sind bester Stimmung +++

[11.50 Uhr] Gute Stimmung am VIP-Tisch der CSU: Agrarministerin Ilse Aigner scherzt mit Generalsekretär Dobrindt, CSU-Grande Stoiber und Innenminister Hans-Peter Friedrich sitzen zufrieden schauend daneben. Ob Bier, Tee oder Wasser in den Maßkrügen - das ist bisher nicht bekannt.

+++ SPD-Chef macht sich über Seehofer und Niebel lustig +++

[11.45 Uhr] Kurz thematisiert Gabriel die Landespolitik: "Horst Drehhofer - Was stört mich mein Geschwätz von gestern" dichtet der SPD-Vorsitzende und macht sich über den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer lustig. Doch gleich ist er wieder bei der Bundespolitik, bei der FDP. Die Personalpolitik von Entwicklungsminister Dirk Niebel zeige die "Verkommenheit der Politik in der ehemals stolzen Partei der FDP". Und Gabriel legt noch einen drauf: "Der einzige Grund, weshalb das Entwicklungsministerium noch nicht doppelt so groß ist, ist, dass es nicht mehr genügend FDP-Mitglieder gibt." Großes Gelächter im Festzelt in Vilshofen. Gabriel wärmt die Menge für Ude auf.

Gabriel brüllt gegen die Marktradikalen an - und die CSU

+++ Gabriel spricht von "Praktikantenregierung von Berlin" +++

[11.33 Uhr] Jetzt spricht Gabriel über die Energiepolitik. In Berlin versage die "Praktikantenregierung". Merkel, Seehofer und Rösler richteten gerade einen "Scherbenhaufen in der Energiepolitik" an und würde den Atomausstieg nicht schaffen. Dann provoziert er Buh-Rufe für Merkel. Die habe "Guttenberg den Hochstapler" zu verantworten, genauso wie "Wulff, der die bürgerlichen Werte mit Füßen tritt".

+++ Seehofer schimpft auf Milliardenzahlungen +++

[11.24 Uhr] "Wir haben uns angestrengt, vom Empfänger- zum Geberland zu werden", ruft der CSU-Chef in den Raum, seine Stimme versagt für einen Moment, so sehr redet er sich in Rage. Seit Minuten schimpft er auf den Länderfinanzausgleich - 3,7 Milliarden zahlt Bayern jährlich in den Topf. Deutschland brauche Bayern, sagt der Ministerpräsident - aber das Ausgleichssystem sei "aus dem Ruder gelaufen".

+++ Gabriel wettert gegen Schuldenmacher +++

[11.22 Uhr] Der SPD-Chef ist in Fahrt. Gabriel schreit gegen Steuersünder und Schuldenmacher an. "Die Verursacher müssen endlich für die Krise mitzahlen." Kanzlerin Angela Merkel solle handeln und nicht nur die kleinen Leute zur Kasse bitten. Seine Forderung nach fairen Löhnen kommt gut an, die Menschen im Zelt johlen und schwenken ihre SPD-Fahnen.

+++ Bierkrug-Engpass bei der CSU +++

[11.20 Uhr] Der Besucheransturm in der Passauer Dreiländerhalle führt zu einem vorübergehenden Bierkrug-Engpass. "Es sind so viele Leute da, dass denen hier die Maßkrüge ausgegangen sind", berichtet der niederbayerische Kultusstaatssekretär Bernd Sibler. Er hatte gemeinsam mit vielen Bundes- und Landespolitikern auf den Ehrenplätzen Platz genommen - und saß mit seinen Kollegen zunächst auf dem Trockenen. Sibler beklagte: "Jetzt haben wir so viele Besucher, dass wir nichts zu trinken bekommen."

+++ Gabriel brüllt gegen die Marktradikalen an - und die CSU +++

[11.14 Uhr] Jetzt fängt Gabriel an zu brüllen. Es geht um soziale Gerechtigkeit. Der SPD-Chef schimpft auf Marktradikalismus und Steuerflucht. Er fordert Solidarität und mehr Rücksicht auf Menschen statt auf Märkte. Das gebe es nicht mit der CSU. "Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht mehr der CSU."

+++ Schrei der Begeisterung für den CSU-Chef? +++

[11.12 Uhr] Jemand gellt durch die überfüllte Passauer Dreiländerhalle. Eine überforderte Maß-Bedienung? Ein beschwipster Seehofer-Fan? Man erfährt es nicht. "Das war ein Schrei der Begeisterung", kommentiert der CSU-Vorsitzende.

+++ Seehofer kokettiert mit seinen Ämtern +++

[11.11 Uhr] Seehofer spielt in Passau auf seine aktuelle kommissarische Funktion als Bundespräsident an: "Für einen, der angeblich nicht weiß, was er will, ist das eine ganz schön steile Karriere!", sagt er auch mit Blick auf die lange Liste seiner bisherigen Ämter - und schaut erwartungsvoll ins Publikum, um die Lacher zu genießen.

+++ Gabriel setzt auf Zukunfts-Ude +++

[11.09 Uhr] Gabriel nennt die SPD "Bayernpartei von morgen" und unterstellt Seehofer: "Der scheut die Konfrontation mit Ude, das ist der einzige Grund, weshalb er heute in Passau nicht redet." Da ist der SPD-Chef offenbar schlecht informiert - denn Seehofer spricht in diesem Moment bei der CSU in Passau. @Svenfranke kommentiert auf Twitter: "Zumindest ist es der CSU gelungen die SPD zu verwirren, mit der Ankuendung Seehofer redet nicht." Gabriel schimpft auch auf Stoiber als "Vertreter des Bayern von gestern". Dagegen sei Ude die Zukunft für Bayern, sagt Gabriel.

+++ Seehofer ist da +++

[11.01 Uhr] "Wir sind das Original, und alle anderen sind Plagiate". CSU-Parteichef Seehofer fängt um Punkt 11 an zu reden und sagt, dass die CSU den Politischen Aschermittwoch erfunden hat. Er hat die Aufmerksamkeit des Saales.

"So voll war's schon lange nicht mehr"

+++ Vorfreunde auf Stoiber +++

[10.55 Uhr] Stoiber sorgt für Euphorie bei der CSU: "Die Albsteigerin" - so heißt die Chefin der Jungen Union Bayern, Katrin Albsteiger, auf Twitter - reagiert auf den SPIEGEL ONLINE-Liveticker ("Junge CSUler tanzen bereits auf den Tischen") und kommentiert: "Und ich vielleicht auch, sobald Ede spricht."

+++ Ungewohnte proeuropäische Töne in Passau +++

[10.49 Uhr] CSU-Bezirkschef Weber ist auch Vize-Fraktionsvorsitzender der Konservativen im Europa-Parlament - und diesmal macht er aus seiner proeuropäischen Position keinen Hehl. Seine Rede ist teilweise ein flammendes Plädoyer für Europa, was in der Halle nur spärlichen Applaus findet.

+++ CSU-Gastgeber Weber lästert über Gabriele Pauli +++

[10.41 Uhr] Für den CSU-Bezirkschef von Niederbayern und Europa-Abgeordneten Manfred Weber ist Passau ein Heimspiel: Er begrüßt die einzelnen Kreisverbände und erntet Jubelsalven - für Gelächter sorgen seine Lästereien über das Ex-Mitglied Gabriele Pauli, "die heute nur noch wegen Latexhandschuhen von sich reden macht".

+++ Riesenjubel für Ude +++

[10.38 Uhr] Verhaltener Beifall für Nahles, Pronold und Gabriel - Riesenjubel für Ude. Auf den Schildern der Ortsvereine steht "Ude - Unser Demokratie-Erneuerer" und "Ude in die Bude". Damit ist die bayerische Staatskanzlei gemeint. Die bayerische Fraktionsvorsitzende der SPD, Natasha Kohnen brüllt schon ins Mikrofon, während vor ihr weiter nur Ude fotografiert wird.

+++ CSU schießt direkt gegen Ude +++

[10.36 Uhr] Gastgeber Manfred Weber, Chef des CSU-Bezirks Niederbayern, attackiert in Passau noch vor der Begrüßung Ude: "Wir werden Sie in die verdiente Münchener Pension schicken - und Bayern braucht Sie auch nicht", sagt er in Richtung des SPD-Spitzenkandidaten.

+++ Warten bei der FDP +++

[10.33 Uhr] In Dingolfing bei der FDP ist es noch recht ruhig, wie bei ntv zu sehen ist. Hier reden Parteichef Philipp Rösler und die Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ab 11 Uhr.

+++ Gedränge um Gabriel und Ude +++

[10.28 Uhr] In Vilshofen Gedränge im Bierzelt: Gabriel und Ude schieben sich durch begeisterte Anhänger, wie Bilder von ntv zeigen. Gabriel nimmt erst einmal ein großen Schluck Bier vor der Bühne.

+++ Stoiber und Seehofer auf der Bühne +++

[10.24 Uhr] In Passau sind Seehofer und Stoiber endlich auf der Bühne angekommen - viel Jubel.

+++ Scharfzüngiger Stargast aus der Hauptstadt +++

[10.22 Uhr] In Jacking bei Passau feiern die Linken ihren Politischen Aschermittwoch, hier ist der Saal schon voll. Man freut sich auf Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi, den scharfzüngigen Stargast aus der Hauptstadt.

+++ Bei den Grünen ist es noch leer +++

[10.20 Uhr] "In Biberach ist noch gähnende Leere", sagt der Phoenix-Reporter. In Oberschwaben beim Politischen Aschermittwoch der Grünen sollen heute Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast reden - spätestens dann wird es im Saal voll und hitzig. Auch Fritz Kuhn ist als Redner angesagt, der im Herbst für die Grünen das Rathaus in Stuttgart erobern will.

+ + + "Heute ist ein fröhlicher Tag!" + + +

[10.15 Uhr] Das erste Zitat von CSU-Ikone Stoiber an diesem Tag: "Ihr schaut so ernst!", sagt er auf dem Weg in die Messehalle zur Journalistenmenge, "heute ist ein fröhlicher Tag!"

+ + + Vilshofen ist Ude + + +

[10.10 Uhr] Feierstimmung bei der SPD auf der Vilshofener Volksfestwiese: Das Zelt, in dem 3500 Menschen Platz haben sollen, ist bis auf den letzten Platz besetzt. In den vergangenen Jahren kamen nur 600 Leute. Der Vorsitzende des Ortsvereins, Florian Gams, grüßt und kündet die Redner an. Der Vorsitzende Sigmar Gabriel wird kommen und der Bayernchef der Partei, Florian Pronold, aber eigentlich warten sie hier nur auf einen: Christian Ude. Dank ihm, so die Meinung im Bierzelt, ist die SPD in Bayern wieder wer. Ude ist die sozialdemokratische Hoffnung für das Amt des Ministerpräsidenten. Deshalb ist er heute in Vilshofen allgegenwärtig. Sogar von den Bierdeckeln grinst Ude. "Der kann's" steht über seinem Kopf. Auf der Rückseite "CSU: Die Schuldenmacher". Die SPD will mit der Haushaltsbilanz des Münchner Oberbürgermeisters punkten. Für jede Zahl, die Seehofer aus seinem "Fünf-Sterne-Land" Bayern präsentieren kann, hat Ude aus seiner "Weltstadt mit Herz" eine noch bessere parat.

+++ CSUler tanzen bereits auf den Tischen +++

[10.07 Uhr] Passau im Zeichen der christsozialen Feiertradition: Jede Minute müsste der Einmarsch der Aschermittwochsredner beginnen - Seehofer, Stoiber und Generalsekretär Alexander Dobrindt wollen in ihren Reden gegen die politischen Gegner feuern und den Saal zum Rasen bringen. Junge CSUler tanzen bereits auf den Tischen - nicht nur im übertragenen Sinne.

+++ "So voll war's schon lange nicht mehr" +++

[10.04 Uhr]: Die Dreiländerhalle ist überfüllt - die letzten Schunkelplätze sind besetzt, drumherum drängen sich durstige Feierwütige, die zum Politischen Aschermittwoch angereist sind. "So voll war's schon lange nicht mehr", sagt ein Biersausen-Fan. Ob's am Bühnencomeback von Stoiber liegt? Zwei Damen sind auf jeden Fall Fans, sie schwenken "Stoiber Superstar" Plakate.

+++ Warten auf Seehofer und Stoiber +++

[09.55 Uhr] Die Dreiländerhalle in Passau mit mehr als 10.000 Plätzen ist gerammelt voll, wie Bilder des Nachrichtensenders ntv zeigen. Nach CSU-Angaben ist die Halle bereits seit vergangener Woche ausgebucht. Die Menschen warten auf den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer. Eigentlich teilt er gerne aus, doch in diesem Jahr muss er sich, nun kommissarisches Staatsoberhaupt, zurücknehmen. Für die Abteilung Attacke hat er deshalb Edmund Stoiber reaktiviert. Der ehemalige CSU-Chef war vor seinem Sturz vor fünf Jahren leidenschaftlicher Aschermittwochs-Redner.

Von Annett Meiritz aus Passau, Christian Pfaffinger aus Vilshofen, Florian Gathmann und Christina Hebel
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