Lockerung der Impfreihenfolge Bayern und Baden-Württemberg wollen AstraZeneca-Vakzine ohne Priorisierung verimpfen

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca hat in Deutschland ein Akzeptanzproblem, mehr als eine Million Dosen lagen zuletzt ungenutzt rum. Zwei Bundesländer wollen deshalb nun die Impfreihenfolge lockern.
Mitarbeiterin in einem Impfzentrum in Köln: »Bevor er liegen bleibt: impfen wer will«

Mitarbeiterin in einem Impfzentrum in Köln: »Bevor er liegen bleibt: impfen wer will«

Foto:

NurPhoto / NurPhoto via Getty Images

Eine festgelegte Reihenfolge bestimmt, wer zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden darf. Um jedoch die Verschwendung von liegen gebliebenen Vakzinen des Herstellers AstraZeneca zu vermeiden, mehren sich in den Bundesländern die Forderungen nach einer Lockerung der Vorgaben.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schlug vor, die Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs aus den Depots der Bundesländer zur Impfung für alle freizugeben. »Bevor er liegen bleibt: impfen wer will. Es darf keine Dose von AstraZeneca übrig bleiben oder weggeschmissen werden. Denn jeder Geimpfte schützt sich und andere«, sagte Söder der »Bild am Sonntag«.

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca hat in Deutschland einen schwierigen Stand. Das liegt zum einen daran, dass die Vakzine bisher nur für Menschen unter 65 Jahren vorgesehen ist, wenngleich die Ständige Impfkommission (Stiko) angekündigt hat, ihre Empfehlung zu überdenken. Zum anderen haben viele Jüngere, die mit dem Mittel eigentlich geimpft werden könnten, Bedenken aufgrund von Berichten über Nebenwirkungen und eine verringerte Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Vakzinen. Verbreitet schwand die Akzeptanz, mehr als eine Million Dosen des Impfstoffs lagen zuletzt ungenutzt herum.

»Die Priorisierung ist ein Mittel der Mangelverwaltung«

Deutschland müsse beim Impfen Tempo machen, forderte Söder. Es könne nicht sein, dass einerseits zu wenig Impfstoff vorhanden sei, aber andererseits AstraZeneca-Vakzine »in hohen Zahlen nicht verimpft wird«. Der bayerische Ministerpräsident strebt eine bundesweite Regelung an, die Impfreihenfolge zu lockern. Zudem solle der Impfstoff auch durch Hausärzte verimpft werden können.

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach sich dafür aus, den Zugang zu Impfstoff für alle Bevölkerungsgruppen zu öffnen, solange einige Vakzinen auf Vorbehalte stoßen. »Die Priorisierung ist unbedingt wichtig – zumindest solange der Impfstoff noch Mangelware ist. Zugleich können wir es uns nicht leisten, dass Impfstoff herumsteht und nicht verimpft wird, weil Teile der Berechtigten ihn ablehnen«, sagte der Grünenpolitiker der »Welt am Sonntag«. »Dann müssen wir dieses strenge Regiment auflockern und Menschen impfen, die nach der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer sekundierte Söder und Kretschmann: »Die Priorisierung ist ein Mittel der Mangelverwaltung«, sagte der CDU-Politiker der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«, und sollte für diesen Impfstoff »zügig aufgehoben werden«.

apr/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.