Nach der Pandemie Zahl der Asylanträge in Deutschland steigt wieder

In Deutschland und der EU stellen deutlich mehr Menschen Antrag auf Asyl als im vergangenen Jahr. Besonders stark ist der Anstieg bei Asylsuchenden aus Afghanistan.
BAMF in Nürnberg (Archivbild)

BAMF in Nürnberg (Archivbild)

Foto: Christoph Hardt / Future Image / imago images

Die Menge der Asylanträge in Deutschland hat in diesem Jahr wieder zugenommen. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in seiner Statistik ausweist , nahm die Behörde bis Ende September 100.278 Erstanträge entgegen. Das sind 35,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dieses war allerdings stark von der Coronapandemie, den geschlossenen Grenzen und der weitgehenden Einstellung des Flugverkehrs geprägt. Von 2016 bis 2020 waren die Zahlen stetig gesunken.

Von den Erstantragstellern in diesem Jahr waren etwa 19,5 Prozent Kinder im Alter von unter einem Jahr, die in Deutschland geboren wurden. Die Zahl der Folgeanträge stieg nach der Übersicht des Bundesamtes um 162 Prozent auf 31.454. Damit nahm das BAMF von Januar bis September insgesamt 131.732 Asylanträge entgegen (ein Plus von 52,9 Prozent).

Die meisten Asylbewerber, die erstmals um Schutz nachsuchten, kamen auch in diesem Jahr aus Syrien, Afghanistan dem Irak. 40.472 Erstanträge stammten von Menschen aus Syrien (plus 57,1 Prozent), 8531 von Schutzsuchenden aus dem Irak (plus 22,2 Prozent). Besonders stark legte die Zahl der Antragsteller aus Afghanistan zu, insgesamt registrierte das BAMF bis Ende September 15.045 Erstanträge (plus 138 Prozent).

In Afghanistan haben im August die militant-islamistischen Taliban die Macht übernommen. Die Lage galt aber auch vorher schon als äußerst instabil. Im gesamten Jahr 2020 hatte das Bundesamt 9901 Erstanträge auf Asyl von Afghanen verzeichnet. Die Zahl ist deutlich geringer als etwa im Jahr 2016, als mehr als 127.000 Anträge von Afghanen eingegangen waren, wie aus der BAMF-Statistik.

EU-weiter Trend

In diesem Jahr hat die Zahl der Asylsuchenden in der gesamten Europäischen Union nach Angaben der EU-Asylbehörde EASO deutlich zugenommen, auch wegen eines neuen Höchststands afghanischer Asylsuchender. EASO-Direktorin Nina Gregori sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, im August 2021 seien rund 40 Prozent mehr Asylanträge gestellt worden als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Die EU-Staaten registrierten demnach rund 56.000 internationale Schutzgesuche.

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»Wir sind in Europa damit fast auf dem Niveau der Zeit vor Corona, was die Asylantragszahlen betrifft«, sagte Gregori. Allein von afghanischen Staatsangehörigen seien im August in der EU rund 10.000 Asylanträge gestellt worden. Ein Teil der Anträge stamme von den Evakuierten, die durch die Kabuler Luftbrücke gekommen seien. Auch Afghanen, die schon längere Zeit in Europa lebten, beantragten nun zum wiederholten Mal Asyl, sagte die EASO-Chefin.

Hunderttausende Afghanen suchten in den Nachbarländern von Afghanistan Schutz. »Wir müssen uns auf eine schwere Situation der Migrationsbewegung aus Afghanistan nach Europa vorbereiten«, mahnte Gregori. Ihre Behörde arbeite eng mit der EU-Kommission und den Behörden der EU-Mitgliedstaaten zusammen und baue etwa Aufnahmekapazitäten auf dem Balkan auf. Zudem werde ein Resettlement-Programm für Afghanistan in die EU vorbereitet.

Neue Route über Belarus

Zu der seit Längerem anhaltenden Weiterreise von Asylsuchenden aus den EU-Staaten Italien, Spanien und Griechenland nach Deutschland kommt seit dem Sommer eine weitere Route über Belarus hinzu. Von dort haben seit August mehrere tausend Migranten versucht, die Grenze in den EU-Mitgliedsstaat Polen zu überqueren.

Die EU geht von einer Vergeltungsaktion des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko für Brüsseler Sanktionsbeschlüsse aus. Es wird vermutet, dass die belarussischen Behörden die Migranten aus dem Nahen Osten gezielt ins Land holen und an die Grenze schleusen.

wit/dpa/Reuters/AFP
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