Kleine Anfrage Immer mehr Asylbewerber dürfen in Deutschland bleiben
Asylbewerber in einer Zeltstadt in Zirndorf, Bayern: Zahl der Leistungsbezieher steigt
Foto: David Ebener/ dpaBerlin - Immer mehr Hilfesuchende dürfen in Deutschland bleiben: Fast jeder dritte Asylbewerber hat im zweiten Quartal des laufenden Jahres einen Schutzstatus erhalten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Die Anerkennungsquote lag demnach bei 29,2 Prozent nach 23,9 Prozent im Quartal davor.
Nun fordert die Linke: Die Bundesregierung solle ihre "bisherige Politik der Abschreckung gegenüber Asylsuchenden" aufgeben, sagte die Abgeordnete Ulla Jelpke. "Mit ihrer Forderung nach schnelleren Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber verweigern sich die Unions-Innenminister der Realität", sagte Jelpke. "Denn nicht nur steigt die Zahl der Asylbewerber, sie werden auch vermehrt anerkannt."
Besonders gute Aussichten auf einen Schutzstatus hatten laut der Antwort der Bundesregierung Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Sie wurden zu 88,8 Prozent anerkannt, wie aus dem Schreiben der Bundesregierung hervorgeht. Von den 8023 Flüchtlingen, die im zweiten Quartal Schutzstatus bekamen, kamen allein 4385 aus Syrien.Von den Schutzsuchenden aus dem Irak wurden 56 Prozent anerkannt; dies entsprach einer absoluten Zahl von 503 Menschen.
Besonders gering war die Quote bei Asylsuchenden aus den Balkanländern Serbien, Bosnien und Mazedonien. Sie lag jeweils unter 0,5 Prozent.
Zahl der Empfänger von Asylbewerberleistungen steigt
Auch die Zahl derer, die Gelder und Gutscheine beziehen, steigt: Ende des vergangenen Jahres bezogen rund 225.000 Menschen Asylbewerberleistungen, das sind 36 Prozent mehr als 2013. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Damit stieg die Zahl seit 2010 zum vierten Mal in Folge.
Mit den Regelleistungen, die an Asylbewerber gezahlt werden, soll der Lebensbedarf der Leistungsberechtigten etwa an Ernährung, Unterkunft, Heizung oder Kleidung durch Sachleistungen gedeckt werden. Zusätzlich wird ein monatlicher Geldbetrag, der als Taschengeld bezeichnet wird, gezahlt. Bei Krankheit, Schwangerschaft oder Geburt können weitere besondere Leistungen beantragt werden.
Zumeist kommen die Asylbewerber aus Bürgerkriegs- und Krisenländern: Aus Afghanistan stammten rund 18.000 der Leistungsempfänger, aus dem Irak und Syrien jeweils 12.000. Insgesamt kommen 41 Prozent der hilfesuchenden Menschen aus Asien, aus Europa 38 Prozent und aus Afrika 17 Prozent. Bei vier Prozent der Menschen war die Herkunft unklar. Die 86.000 Europäer kommen zumeist vom Balkan: 40.000 hatten einen serbischen, kosovarischen oder montenegrinischen Pass.
Der Staat gab im Jahr 2013 laut Bundesamt brutto 1,5 Milliarden Euro für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz aus, ebenfalls ein Drittel mehr als im Vorjahr.
Höchster Monatswert seit 1993
Auch die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt weiter an. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge meldete Mitte August 19.431 Asylanträge. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 75,6 Prozent mehr - und auch der Vergleich zum Vormonat ergab einen Zuwachs von 38,6 Prozent, zugleich der höchste Monatswert seit Juli 1993.
Lob für die deutsche Flüchtlingspolitik kam Anfang September vom Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres. In einem Gespräch mit der Zeitung "Welt" lobte er sie als vorbildlich: "Deutschland spielt eine führende Rolle beim Flüchtlingsschutz und dient als positives Beispiel, dem andere europäische Staaten folgen können."