Umfrage Zwei Drittel der Deutschen wollen Flüchtlingen helfen

Die Mehrheit der Bundesbürger ist laut einer Studie der Robert Bosch Stiftung offen für Asylbewerber. Trotzdem ist demnach jeder vierte Deutsche gegen ein Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft.

Flüchtlingsunterkunft in Berlin: "Gutes Signal, dass immer mehr Deutsche Asylsuchende persönlich unterstützen wollen"
DPA

Flüchtlingsunterkunft in Berlin: "Gutes Signal, dass immer mehr Deutsche Asylsuchende persönlich unterstützen wollen"


Hamburg - Ob in Dresden, Hamburg oder Berlin - regelmäßig sorgen Kundgebungen gegen die Errichtung neuer Flüchtlingsheime für Aufsehen. Doch die Menschen, die dort protestieren, vertreten offenbar nur einer Minderheit. Eine neue Studie der Robert Bosch Stiftung zeigt, dass die Akzeptanz von Asylbewerbern in Deutschland gestiegen ist.

Demnach können sich zwei Drittel der Deutschen vorstellen, Asylbewerber persönlich zu unterstützen, unter anderem durch Sachspenden sowie ehrenamtliche Hilfe. Zudem geht gut ein Drittel der Bevölkerung davon aus, dass Deutschland von der Arbeitskraft von Asylbewerbern profitieren könne.

Allerdings haben nur fünf Prozent der Bürger einen engen privaten Kontakt zu Asylbewerbern, immerhin 42 Prozent fänden es spannend, Asylsuchende näher kennenzulernen.

Mehrheit der Deutschen ist für strenge Asylregeln

"Es ist ein gutes Signal, dass immer mehr Deutsche Asylsuchende persönlich unterstützen wollen", sagte Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. "Wenn aber 40 Prozent der Gesellschaft auf Distanz bleiben, ist noch viel zu tun."

Fast neun von zehn Umfrage-Teilnehmern (87 Prozent) halten Bürgerkriege im Heimatland für einen legitimen Grund, Asyl in Deutschland zu suchen. Hingegen finden fast 60 Prozent der Bevölkerung eine Aufnahme von Asylsuchenden nicht gerechtfertigt, wenn jemand in Deutschland arbeiten möchte, um seine Familie im Heimatland finanziell zu unterstützen.

"In diesem Sinne dürfte auch das mehrheitliche Votum für strenge Asylregeln zu interpretieren sein", schreiben die Studien-Autoren. Dafür sprachen sich 59 Prozent aus. "Die Bevölkerung möchte hier offenbar genau differenziert wissen zwischen Asylbewerbern mit aus ihrer Sicht gerechtfertigten Asylgründen und jenen, die in den Augen der Bevölkerung keine ausreichenden Gründe für eine Aufnahme haben", heißt es in der Studie.

Jeweils rund ein Viertel (24 Prozent) der Befragten würde eine Bürgerinitiative für beziehungsweise gegen die Einrichtung eines Asylbewerberheims in der Nachbarschaft unterschreiben. 1992 lag die Zahl derjenigen, die mit ihrer Unterschrift eine solche Unterkunft abgelehnt hätten, noch bei 37 Prozent.

Insgesamt sei die Offenheit und Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung im Vergleich zu den Neunzigerjahren gestiegen, betonte die Stiftung. Damals hatte der Krieg im ehemaligen Jugoslawien zu einem starken Anstieg von Flüchtlingen in Deutschland geführt.

Für die Studie "Asyl und Asylbewerber: Wahrnehmungen und Haltungen der Bevölkerung 2014" wurden zwischen dem 28. Mai und dem 13. Juni 2014 bundesweit 1.503 Personen ab 16 Jahre befragt.

syd/dpa/AFP

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