Flüchtlinge in Deutschland Zahl der Asylbewerber steigt weiter an

In keinem anderen EU-Land beantragen mehr Menschen Asyl als in Deutschland. Im Juli hat sich die Zahl der Erstanträge im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt - auf fast 10.000. Innenminister Hans-Peter Friedrich nennt den Anstieg alarmierend.
Asylbewerberheim in Baden-Württemberg: 40 Prozent der Anträge werden abgelehnt

Asylbewerberheim in Baden-Württemberg: 40 Prozent der Anträge werden abgelehnt

Foto: Marijan Murat/ dpa

Berlin - Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist so hoch wie seit 1999 nicht mehr. Allein im Juli beantragten nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" 9516 Menschen erstmals Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich die Zahl damit mehr als verdoppelt.

Seit Jahresbeginn haben damit mehr als 50.000 Menschen in der Bundesrepublik Asyl gesucht. Bis Ende Juni waren beim BAMF 43.000 Asylerstanträge eingegangen - im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 ein Plus von 86,5 Prozent.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nannte die Zahlen alarmierend und sagte voraus: "Wir werden noch in diesem Jahr die Marke von 100.000 Asylerstanträgen erreichen." Mehr Asylzugänge als im ersten Halbjahr 2013 habe Deutschland zuletzt in den ersten sechs Monaten des Jahres 1999 verzeichnet. Kein anderes Land in der Europäischen Union verzeichnet mehr Asylanträge als die Bundesrepublik.

Die Zahlen liegen jedoch noch immer deutlich unter den Rekordjahren Mitte der Neunziger. Allein 1995 hatten laut Statistischem Bundesamt mehr als 160.000 Menschen Asyl beantragt.

Nur 15 Prozent der Asylbewerber werden als Flüchtlinge anerkannt

Derzeit kommt fast jeder vierte neue Asylbewerber in Deutschland aus Russland. Viele von ihnen stammen aus der Teilrepublik Tschetschenien. Die Menschen werden von Schleppern aus dem Kaukasus in die Bundesrepublik gelockt. In Tschetschenien machen Gerüchte die Runde, dass Flüchtlinge in Deutschland mit 4000 Euro Begrüßungsgeld empfangen werden.

Die zweitmeisten Asylsuchenden kommen aus Syrien. Seit Jahresbeginn haben etwa 5000 Menschen aus dem Bürgerkriegsland Zuflucht in Deutschland gesucht. Auf den Plätzen drei und vier liegen Afghanistan und Serbien.

Im ersten Halbjahr 2013 haben die Behörden mehr als 40 Prozent der Asylanträge abgelehnt. 15 Prozent der Antragssteller wurden als Flüchtlinge anerkannt, bei weiteren 16,8 Prozent wurden Abschiebungsverbote festgestellt, das heißt, sie dürfen nicht in ihr Heimatland zurückgeschickt werden, auch wenn die Bundesrepublik noch nicht abschließend über ihren Asylantrag entschieden hat.

Bei den übrigen Bewerbern habe sich laut Innenministerium das Verfahren "anderweitig erledigt", wie es im Behördendeutsch heißt - unter anderem weil sie ihre Asylanträge zwischenzeitlich zurückgezogen haben.

syd