Flüchtlinge in Deutschland Zahl der Familiennachzüge verdreifacht sich

Die Bundesregierung hat den Familiennachzug von Asylbewerbern im vergangenen Jahr deutlich erschwert. Dennoch ist die Zahl der Nachzüge stark gestiegen - besonders bei Irakern und Syrern.
Der Familiennachzug hat in Deutschland zugenommen

Der Familiennachzug hat in Deutschland zugenommen

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

In Deutschland lebende Asylbewerber haben im vergangenen Jahr dreimal mehr Familienangehörige ins Land geholt als noch im Vorjahr: Laut Medienberichten erteilten deutsche Behörden 73.000 Visa an Personen, die von der Familiennachzugsregelung profitieren. Im Vorjahr waren es 24.000.

Vor allem Syrer und Iraker holten ihre Verwandten nach. Das berichten unter anderem die "Welt" und die "Heilbronner Stimme". Diese beiden Staaten werden wegen der hohen Bleibeperspektive vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge prioritär bearbeitet.

Ist ein Asylbewerber als Flüchtling anerkannt, beginnt eine dreimonatige Frist, um einen Antrag auf ein Visum zum Familiennachzug zu stellen. Weltweit seien fast 105.000 Visa für den Familiennachzug erteilt worden, ein Großteil davon an die Angehörigen von Flüchtlingen, hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Durch das im März 2016 in Kraft getretene Asylpaket II will die Bundesregierung den der Familiennachzug für einen bestimmten Personenkreis deutlich erschweren. Für Menschen, die nur einen sogenannten subsidiären Schutz in Deutschland genießen, wurde er für einen Zeitraum von zwei Jahren ausgesetzt.

Das sind jene, die sich nicht auf das Grundrecht auf Asyl berufen können und auch keinen Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention haben, aber dennoch nicht heimgeschickt werden, weil ihnen dort zum Beispiel Folter oder Todesstrafe drohen.

Die Zahl der Asylsuchenden war 2016 mit 280.000 in Deutschland deutlich geringer als im Jahr zuvor, als die Behörden noch 890.000 Flüchtlinge zählten. Das hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière Anfang Januar erklärt.

Die größte Gruppe unter den Schutzsuchenden stellen derzeit die Syrer, in deren Heimatland Krieg herrscht. Dessen Ende ist noch nicht absehbar. Zu den Hauptherkunftsländern zählten 2016 auch Afghanistan, der Irak, Albanien und Eritrea.

mho/dpa/Reuters
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