Asylpolitik Schily verteidigt Afrika-Auffanglager

Otto Schily hat seinen umstrittenen Vorschlag verteidigt, Auffanglager für afrikanische Flüchtlinge auf deren Kontinent einzurichten. "Afrikas Probleme müssen in Afrika gelöst werden", sagte der Innenminister.

Berlin - Schily wehrte sich gegen den Vorwurf der Inhumanität. "Einige meiner grünen Freunde sind geübt in rhetorischer Humanität. Für die Folgen sehen sie andere in der Verantwortung", schreibt der SPD-Politiker in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Glaubwürdiger sei praktische Humanität, wie sie einerseits von Hilfsorganisationen geübt werde, andererseits aber auch seinem Vorschlag zugrunde liege.

Es könne niemanden gleichgültig lassen, dass immer mehr Menschen den Versuch, nach Europa zu gelangen, mit dem Leben bezahlten, schreibt Schily. Ließe man aber dem Migrationsdruck freien Lauf, würden lediglich die Probleme Afrikas nach Europa verlagert. "Afrikas Probleme müssen in Afrika gelöst werden."

Die Bergung von in Seenot geratenen Flüchtlingen dürfe nicht mit der Erwartung verbunden sein, automatisch ein Aufnahmerecht in Europa zu erwerben. Durch Verlagerung des Asylverfahrens auf den afrikanischen Kontinent bestehe die Chance, sie vor den Machenschaften krimineller Schlepper zu bewahren.

Schily hatte den Vorschlag, Auffanglager in Afrika einzurichten, im Zusammenhang mit der Rettungsaktion der Hilfsorganisation "Cap Anamur" im Mittelmeer geäußert.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul kritisierte Schilys Idee. "Das geht am Problem vorbei", sagte die SPD-Politikerin der in Potsdam erscheinenden "Märkischen Allgemeinen". Alle Menschen, die Anspruch auf Asyl hätten, müssten "diesen auch in europäischen Ländern einlösen können und nicht außerhalb Europas".

Außerdem nahm Wieczorek-Zeul Cap Anamur in Schutz. Viele Vorwürfe gegen die Hilfsorganisation halte sie für "abwegig und falsch". Sie kenne den Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel gut und habe "keinen Zweifel, dass es ihm allein um die Rettung der Flüchtlinge ging". Kritiker werfen Bierdel vor, die Rettungsaktion für afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer für eine Medieninszenierung benutzt zu haben.

Fünf der 37 Geretteten wurden unterdessen aus Italien abgeschoben. Wie der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu in Rom bestätigte, wurden die Nigerianer bereits am Dienstag in eine Maschine in ihr Heimatland gesetzt.

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