Atlas des Rechtsextremismus So braun ist Deutschland

Wo sind Deutschlands braune Hochburgen? Im Osten der Republik sind kleine Neonazi-Gruppen auf dem Vormarsch, aber auch im Westen gibt es eine starke Szene. Der Atlas des Rechtsextremismus zeigt, in welchen Bundesländern die Radikalen besonders aktiv sind.

Berlin - Braune Kameradschaften, heimliche Wehrsportübungen, Volksfeste der NPD: Überall in Deutschland sind Rechtsextreme aktiv. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz ist der Rechtsextremismus insgesamt zwar zurückgegangen: 25.000 Rechtsextreme zählte die Behörde im Jahr 2010 in Deutschland (2009: 26.600). Doch es gibt ein zweites, beunruhigendes Ergebnis, das sich deutschlandweit manifestiert: Unter den Rechtsextremen steigt laut Verfassungsschutz der Anteil der besonders radikalen Neonazis, derer, die im Grunde das "Dritte Reich" wieder herbeisehnen. 5600 Mitglieder hatte die Neonazi-Szene laut Sicherheitsbehörden 2010 - 600 mehr als im Jahr davor.

Unter ihnen haben die sogenannten "Autonomen Nationalisten" den stärksten Zulauf - Gruppen von jungen Männern, die sich kleiden wie Linksautonome, sogar deren Symbole kopieren. Auf ihren Transparenten stehen Sprüche wie "Fuck the law, fight the system", sie propagieren Gewalt gegen politische Gegner und Polizei. Tausend Neonazis gehören dieser Unterszene an. Eine fundierte ideologische Basis haben die "Autonomen Nationalisten" laut Verfassungsschutz nicht, es handle sich vor allem um eine "strategisch-aktionistische Neuausrichtung" unter den Neonazis, heißt es - im "traditionellen Neonazi-Lager" fürchten demnach viele, dass die "Autonomen Nationalisten" potentielle Anhänger durch ihr scharfes Auftreten verschrecken.

Besonders aktiv sind die "Autonomen Nationalisten" in Westdeutschland und im Großraum Berlin. In den anderen ostdeutschen Ländern haben sie eine kleinere Bedeutung - dafür ist hier weiterhin der Rechtsextremismus in vielen Gegenden in der Mitte der Gesellschaft verankert. Auf Sportfesten werben die rechtsradikale NPD oder deren Nachwuchsorganisation um Jugendliche, Kampfsportveranstaltungen dienen als Rekrutierungsbörse. Im sachsen-anhaltischen Laucha trainierte lange ein NPD-Funktionär die Fußballjugend.

In allen ostdeutschen Ländern lag die NPD bei den vergangenen Landtagswahlen bei mindestens zwei Prozent - in keinem westdeutschen Bundesland war das der Fall. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sitzen die Rechtsextremen im Parlament.

Behörden beobachten deutschlandweit, aber besonders im Osten, dass sich kleinere Neonazi-Gruppen zusammenschließen, meist sind es nicht mehr als zehn Personen, die sich im privaten Umfeld treffen. Nach diesem Modell funktionierte auch die Zwickauer Terrorzelle, die den Fahndern allerdings bei ihrer Informationssammlung offenbar nicht wirklich aufgefallen war.

Wo sind Rechtsradikalen in Deutschland am aktivsten? Wie schätzt der Verfassungsschutz die Szene in den jeweiligen Bundesländern ein? SPIEGEL ONLINE zeigt in einer interaktiven Karte die braunen Brennpunkte der Bundesrepublik - klicken Sie auf die Grafik oben.

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