Atom-Endlager Abkehr von Gorleben

Der Standort Gorleben sollte nach Ansicht der Stuttgarter Landesregierung und der SPD-Politikerin Ute Vogt ganz von der Suche nach möglichen Endlagern für Atommüll ausgeschlossen werden. Bislang hatten SPD und Grüne zwar harsche Kritik an Gorleben geübt, den Standort aber formal noch nicht komplett abgeschrieben.

Bergarbeiter im Salzstock Gorleben
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Bergarbeiter im Salzstock Gorleben

Von Christoph Hickmann und Christian Schwägerl


Der Standort Gorleben sollte nach Ansicht der baden-württembergischen Landesregierung und der SPD-Obfrau im zuständigen Bundestags-Untersuchungsausschuss, Ute Vogt, von der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll ausgeschlossen werden. "Nach den Erkenntnissen, die wir im Untersuchungsausschuss gewonnen haben, sehe ich persönlich keine andere Möglichkeit, als Gorleben aufzugeben", sagt Vogt.

Bisher forderten beide Parteien ein transparentes Standortsuchverfahren mit mehreren Alternativen. Sie hatten immer wieder heftige Kritik an Gorleben geäußert und die Wiederaufnahme der Erkundung dieses einzigen Standortes kritisiert. Sie hatten sich aber noch nicht hundertprozentig gegen Gorleben positioniert.

Vogt sagt nun: "Der potentielle Endlagerstandort Gorleben ist verbrannt - politisch, juristisch und wissenschaftlich." Stattdessen plädiert sie für eine "ergebnisoffene Endlagersuche an mindestens drei Standorten, mit präzisen, nachvollziehbaren Kriterien". Dabei dürfe sich kein Bundesland vorher aus der Verantwortung stehlen.

Auch der neue baden-württembergische Umweltminister, Franz Untersteller (Grüne), fordert ein Aus für Gorleben. "Es ergibt keinen Sinn, stur an Gorleben festzuhalten", sagt Untersteller. Das Angebot Baden-Württembergs stehe, ergebnisoffen in ganz Deutschland nach dem geologisch am besten geeigneten Standort zu suchen. "Wir brauchen ein Verfahren, das auf einer weißen Landkarte gründet", sagt der Grünen-Politiker. Als Vorbild nennt er die Schweiz.

Kritik äußert Untersteller am Nein Bayerns zu einer neue Suche. Es sei nicht nachvollziehbar, warum sich Bayern als einziges Land sperre. Bei Stadtstaaten wie Bremen oder Berlin hätte er Verständnis, aber Bayern könne sich mit fünf Kernkraftwerken im Land nicht weiter drücken.

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talvisota 27.05.2011
1. Etwas weiter denken!
Allein mit dem für "Erkundung" verschwendeten Milliarden hätte man im eh verstrahlten Tschernobyl ein komplettes Endlager bauen können, in dem die Castoren abgestellt werden und so ganz nebenbei auch noch die Bevölkerung im Umland mit strahlungsfreien Lebensmitteln versorgen können. Aber ausgerechnet hier mutieren unsere antinationalen Politiker zu Atommüllnationalisten.
wolfrich 27.05.2011
2. Gorleben stand nie auf der Liste der möglichen Endlager
insofern wird jetzt nach langer Zeit dem wissenschaftlichen Befund genüge getan. Und die DDR kann man damit auch nicht mehr ärgern - was ja der ursächliche Grund für die Entscheidung pro Gorleben war.
lars in berlin 27.05.2011
3. .
Zitat von talvisotaAllein mit dem für "Erkundung" verschwendeten Milliarden hätte man im eh verstrahlten Tschernobyl ein komplettes Endlager bauen können, in dem die Castoren abgestellt werden und so ganz nebenbei auch noch die Bevölkerung im Umland mit strahlungsfreien Lebensmitteln versorgen können. Aber ausgerechnet hier mutieren unsere antinationalen Politiker zu Atommüllnationalisten.
Wir haben doch etliche Tonnen in La Hague stehen (gut, die bekommen wir irgendwann wieder), nach Russland zur "Endlagerung" transportiert und mit der "Topaz" 200km vor Portugals Küste im Meer versenkt? Sooo nationalistisch ist das ja nicht.
Eutighofer 27.05.2011
4. politische Spielerei
Als GRÜNE und SPD die Regierung stellten, hätten diese Gorleben schließen können. Haben sie aber nicht - den nach wissenschaftlichen Ergebnissen ist Gorleben geeignet. Die wissenschaftlich renommierte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stellt fest: "Die bisher ermittelten Befunde zu Gorleben geben keinen Anlass zum Abbruch der Erkundungsarbeiten am Standort." http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Endlagerstandorte/endlagerstandorte_node.html
talvisota 27.05.2011
5. .
Zitat von EutighoferAls GRÜNE und SPD die Regierung stellten, hätten diese Gorleben schließen können. Haben sie aber nicht - den nach wissenschaftlichen Ergebnissen ist Gorleben geeignet. Die wissenschaftlich renommierte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stellt fest: "Die bisher ermittelten Befunde zu Gorleben geben keinen Anlass zum Abbruch der Erkundungsarbeiten am Standort." http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Endlagerstandorte/endlagerstandorte_node.html
Das Gleiche werden diese reanimierten Wissenschaftler auch zur Asse gesagt haben.
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