Atom-Patzer BDI-Spitzenmann tritt wegen Brüderle-Affäre zurück

Ein Patzer, eine Entschuldigung, ein Rücktritt: Äußerungen von Minister Brüderle vor Wirtschaftsvertretern zum Atom-Moratorium sorgten für einen Eklat. Die Verantwortung für den angeblichen Protokollfehler übernimmt nun der Hauptgeschäftsführer des BDI, Werner Schnappauf.
Werner Schnappauf: "Ich übernehme die politische Verantwortung"

Werner Schnappauf: "Ich übernehme die politische Verantwortung"

Foto: dapd

Berlin - Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, tritt zurück. Dies teilte der BDI am Freitag in Berlin mit. Dem früheren bayerischen CSU-Umweltminister wird angelastet, dass pikante Äußerungen von Wirtschaftsminister Reiner Brüderle vor einer Runde Spitzenmanager nach außen drangen.

Brüderle soll am 14. März - dem Tag, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Atom-Moratorium verkündete - auf einer Vorstands- und Präsidiumssitzung des BDI die vorübergehende Abschaltung älterer Atomkraftwerke mit dem Wahlkampf in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz begründet haben. Das Zitat Brüderles ist protokolliert - er selbst und der BDI sprachen aber bislang von einem Protokollfehler. Ein Teilnehmer der Sitzung bestätigte SPIEGEL ONLINE aber, dass die Sätze inhaltlich richtig wiedergegeben worden seien. Das Protokoll war von Schnappauf abgesegnet worden.

Schnappauf stellt sein Amt auf eigenen Wunsch zum 31. März 2011 zur Verfügung. "Für die Folgen einer Indiskretion, an der ich persönlich nicht beteiligt war, übernehme ich die politische Verantwortung", teilte Schnappauf in einer Stellungnahme mit. Er wolle damit "einen Beitrag leisten, um möglichen Schaden für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik abzuwenden".

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel, der sich für den Vorfall telefonisch bei Brüderle entschuldigt hatte, betonte: "Ich zolle Werner Schnappauf hohen Respekt für seine Entscheidung und danke ihm ausdrücklich für die seit November 2007 geleistete vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit." Die Aufgaben Schnappaufs sollen bis auf weiteres die Mitglieder der Hauptgeschäftsführung des BDI, Dieter Schweer und Stefan Mair, übernehmen.

Der BDI ist das Sprachrohr für 37 Branchenverbände der deutschen Industrie und industrienaher Dienstleister. Der Verband vertritt mehr als 100.000 Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten.

amz/ffr/ssu/dpa/Reuters/AFP/dapd
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