Atomausstieg Trittin und Konzerne bleiben beim Fahrplan

Trotz der Anschläge in den USA und der Pannenserie in baden-württembergischen Atomkraftwerken: Die Stromwirtschaft und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sind sich einig, die Restlaufzeiten der 19 deutschen Reaktoren nicht zu ändern.


Pannenreaktor: AKW Philippsburg
REUTERS

Pannenreaktor: AKW Philippsburg

Berlin - Walter Hohlefelder, Vorstandsmitglied des Energiekonzerns E.ON Energie, lehnte Forderungen aus den Fraktionen von SPD und Grünen ab, ältere Kraftwerke früher vom Netz zu nehmen. "Das will keiner", sagte er der "Berliner Zeitung". Hohlefelder gilt als Koordinator der Stromwirtschaft in Fragen der Atomenergie.

Auch Trittin machte klar, nicht am Atomkonsens rütteln zu wollen, den die Bundesregierung mit den Energiekonzernen vereinbart hat. "Ich verstehe die Ungeduld, aber Tatsache ist: Kein anderes Land steigt so schnell aus wie wir", sagte er dem "Kurier am Sonntag" (Bremen). Außerdem gebe es jetzt schon die Möglichkeit, ältere Atommeiler früher als geplant vom Netz zu nehmen. Trittin erinnerte an die Ankündigung des E.ON-Konzerns, das Atomkraftwerk Stade bereits 2003 - also vor Ablauf der Betriebsgenehmigung - abzuschalten.

Am 5. November wird sich der Umweltausschuss der Bundestags bei einer Anhörung mit der Atomgesetznovelle beschäftigen. Mit diesem Regelwerk will Trittin den Ausstieg verbindlich festschreiben. Die Verabschiedung des Gesetzes durch den Bundestag soll bis zum Frühjahr erfolgen.

Trotz der Sicherheitspannen in den Atomkraftwerken der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) sieht der Chef des Konzerns, Gerhard Goll, "keine Gründe" dafür, neben Philippsburg II weitere Kraftwerke vom Netz zu nehmen. EnBW hatte zuvor bekannt gegeben, dass auch die Notkühlsysteme in den Reaktoren Obrigheim und Neckarwestheim fehlerhaft sind. Philippsburg II war Anfang Oktober vom Netz genommen worden. "Ich wehre mich dagegen, weitere Reaktoren abzuschalten", sagte Goll.



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