Atomkraftstreit Guttenberg lässt neue Super-Reaktoren erforschen

Bundeswirtschaftsminister Guttenberg lässt die Sicherheit modernster Kraftwerkstypen prüfen - wenngleich der Atomausstieg seit Jahren besiegelt ist. Direkt nach der Bundestagswahl sollen die Super-AKW näher erforscht werden. CSU-Chef Seehofer schließt neue Reaktoren in Deutschland aus.
Wirtschaftsminister Guttenberg: Renaissance der Atomkraft?

Wirtschaftsminister Guttenberg: Renaissance der Atomkraft?

Foto: A3464 Rainer Jensen/ dpa

Berlin - Das Bundeswirtschaftsministerium lässt nach Informationen der "Financial Times Deutschland" neueste Reaktortypen erforschen - auch wenn der Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland verboten ist. Das Haus von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe einen Auftrag zur Untersuchung der Sicherheit von modernen Atommeilern vergeben, berichtet die Zeitung. Die dreijährige Laufzeit dieses Projekts beginne unmittelbar nach der Bundestagswahl am 1. Oktober. Bei dem Vorhaben gehe es um die Bewertung der allerneuesten Meiler-Generation, die derzeit weltweit erprobt wird. Durchgeführt werde das 1,3 Millionen Euro teure Projekt von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit.

Das Wirtschaftsministerium verteidigte die Forschung mit Steuergeldern. Es geht darum, Kompetenz zu erhalten, schon allein um die Sicherheit von Anlagen im benachbarten Ausland bewerten zu können, sagte ein Ministeriumssprecher der Zeitung. Ein Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit sagte: "Auch wenn man damit rechnen kann, dass solche Reaktoren in Deutschland nicht gebaut werden, müssen wir die trotzdem kennen und beurteilen können."

CSU-Chef Horst Seehofer schloss den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland aus. "Nein, definitiv nein", sagte Seehofer am Freitag im Deutschlandfunk auf die Frage nach einem möglichen Neubau von Atomkraftwerken. Dies könne er "auch für die CDU garantieren". "Da gibt es niemanden bei uns, der daran denkt oder plant oder im Hinterkopf hat, neue Atomkraftwerke zu bauen." Die Atomkraft sei lediglich eine Brückentechnologie auf dem Weg zu neuen Energieformen. "Und zwar ohne Atomkraft", sagte der bayerische Ministerpräsident.

"Schwarz spielt beim Atom ein falsches Spiel"

Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast kritisierte dagegen: "Schwarz spielt beim Atom ein falsches Spiel. Der Unionsbauplan für neue Atomkraftwerke nimmt immer konkretere Formen an." Erst in dieser Woche war bekanntgeworden, dass ein Gutachten im Auftrag von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) den Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland durchgespielt hatte.

Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, lehnt eine Renaissance der Atomkraft strikt ab. "Wer Laufzeiten verlängert oder neue AKW baut, produziert einen Hemmschuh für den Ausbau der erneuerbaren Energien", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Die deutschen Klimaschutzziele für 2020 und 2050 seien nur mit einem massiven Ausbau der Öko-Energien und einer starken Erhöhung der Energieeffizienz in Industrie, Haushalten und Verkehr zu erreichen.

Gerade die Debatten über die Endlager Asse und Gorleben zeigten, dass die Atomkraft "keine nachhaltige Energieform" sei. "Die Probleme, die der Atommüll verursacht, sind nur mit riesigem Aufwand zu lösen. Diese Probleme noch zu vervielfältigen, führt nur noch weiter in die Sackgasse", sagte der UBA-Chef.

amz/dpa7Reuters/AFP
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