Atommüll Castor-Transport trifft in Deutschland ein

Ein Transport mit hochradioaktivem Abfall ist auf dem Weg von Frankreich ins norddeutsche Zwischenlager Lubmin, am Mittwochmittag passierte der Zug die Grenze. Die weitere Route hält die Polizei aus Angst vor Protesten geheim. Kernkraftgegner bereiten sich auf Dutzende Kundgebungen vor.

dapd

Berlin/Saarbrücken - Der Atommülltransport vom französischen Cadarache ins atomare Zwischenlager Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern hat am Mittwochnachmittag Deutschland erreicht. Der Zug passierte gegen 14.00 Uhr bei Saarbrücken die französisch-deutsche Grenze.

Bei dem Transport kam es zuvor zu einer ersten Verzögerung: Wenige hundert Meter vor der Grenze in der Nähe von Saarbrücken musste der Zug stoppen - aber nicht etwa wegen des Winterwetters oder Demonstranten. Dort war eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg bei Bauarbeiten am Güterbahnhof gefunden worden, wie eine Sprecherin der Bundespolizei sagte.

Die Castor-Gegner rüsten nun entlang der möglichen Route zum Protest, ein Schwerpunkt soll Greifswald sein. Dort wird der Transport mit rund 2500 Brennstäben am Donnerstag erwartet. Die genaue Route und der Zeitplan werden aus Furcht vor Protesten wie üblich geheim gehalten. Die Polizei hat sich mit einem massiven Aufgebot auf Proteste und Blockaden vorbereitet. Über dem Zug mit den Castor-Behältern kreisen Hubschrauber, Bahngleise werden seit Tagen von Einsatzkräften gesichert.

Polizei mit Großaufgebot im Einsatz

Gestartet war der Transport am Dienstagabend im südfranzösischen Aix-en-Provence. Es ist bereits der zweite Castor-Transport in diesem Jahr. Im November feierte die Anti-AKW-Bewegung einen Rekord-Protest: Mehr 50.000 Menschen demonstrierten gegen den Transport von Atommüll aus der französischen Aufbereitungsanlage in La Hague nach Gorleben. Den Gorleben-Transport mussten rund 20.000 Polizisten sichern.

In den vier Castoren, die jetzt unterwegs sind, befinden sich nicht Reste der kommerziellen Stromerzeugung, sondern staatseigener Atomschrott. Die Lieferung besteht aus 2413 Brennstäben aus der Kompakten Natriumgekühlten Kernreaktoranlage (KNK) des Forschungszentrums Karlsruhe, 52 Brennstäben aus dem Atomfrachter "Otto Hahn" sowie einige weitere hundert KNK-Brennstäbe. Diese gingen in den Jahren 1981 und 1987 für Forschungsexperimente zur Entwicklung der sogenannten Brütertechnologie ins belgische Mol. Im südfranzösischen Atomzentrum Cadarache war der Bundes-Strahlenmüll in Castor-Behälter umgeladen worden, was in Deutschland nicht ohne weiteres möglich ist.

Diesmal sind rund 3000 Beamte auf deutscher Seite im Einsatz, teilte das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern mit. Die Bundespolizei begleite den Transport "in vierstelliger Zahl", sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt.

Bislang haben die Behörden elf Mahnwachen entlang der Strecke zum Zwischenlager bei Lubmin genehmigt; insgesamt soll es aber 70 Veranstaltungen geben, die meisten davon im Raum Greifswald. "Der Karlsruher Atommüll ist in Lubmin völlig fehl am Platz", kommentierte Greenpeace-Sprecherin Anike Peters. Solange kein sicheres Endlager existiere, müsse der Müll wieder zurück in das Bundesland, in dem er produziert wurde.

Bundesdeutscher Strahlenmüll

Im bundeseigene Zwischenlager Nord befindet sich bisher vor allem Atommüll aus den früheren ostdeutschen Atomkraftwerken Lubmin und Rheinsberg. Das Zwischenlager war von 1994 an für rund 240 Millionen Euro nur wenige hundert Meter entfernt von den stillgelegten Reaktorblöcken errichtet und bis 1999 vollständig in Betrieb genommen worden. Die 18 Meter hohe Halle ist für 80 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Müll ausgelegt, 65 Castoren stehen derzeit darin.

In den zu drei Vierteln gefüllten anderen sieben Hallen befinden sich radioaktive Großteile und Reststoffe, die schwach und mittelstark kontaminiert sind. Dazu gehören Dampferzeuger und Reaktorgehäuse aus den ehemaligen DDR-Atomkraftwerken. Die Lagerung hochradioaktiver Stoffe ist bis 2039 genehmigt. Für die Lagerung schwach- und mittelradioaktiver Stoffe gibt es eine unbefristete Genehmigung.

ore/AFP/dapd/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
T. Wagner 15.12.2010
1. Bei dem Wetter...
Zitat von sysopEin Transport mit hochradioaktivem Abfall ist auf dem Weg von Frankreich nach Norddeutschland. Am Mittwochmittag passierte der Zug die Grenze, die genaue Route hält die Polizei aus Angst vor Protesten geheim.*Die Akw-Gegner bereiten sich auf Dutzende Kundgebungen vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,734813,00.html
...wird das wohl nix. Viel Freude beim Protestieren bei -5 Grad.
intenso1 15.12.2010
2. ...
Zitat von T. Wagner...wird das wohl nix. Viel Freude beim Protestieren bei -5 Grad.
Der verantwortungsvolle Umgang mit Atommüll in Deutschland zeigt sich heute in einer Schlagzeile bei N24: "Starker Wassereinbruch in Asse II!" Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Im Norden der Republik zeigt sich so eine strahlende Zukunft.
pingpongschuhi 15.12.2010
3. Hätte man auch per Schiff bringen können.
Zitat von sysopEin Transport mit hochradioaktivem Abfall ist auf dem Weg von Frankreich nach Norddeutschland. Am Mittwochmittag passierte der Zug die Grenze, die genaue Route hält die Polizei aus Angst vor Protesten geheim.*Die Akw-Gegner bereiten sich auf Dutzende Kundgebungen vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,734813,00.html
[QUOTE=sysop;6800110]Ein Transport mit hochradioaktivem Abfall ist auf dem Weg von Frankreich nach Norddeutschland. Am Mittwochmittag passierte der Zug die Grenze, die genaue Route hält die Polizei aus Angst vor Protesten geheim.*Die Akw-Gegner bereiten sich auf Dutzende Kundgebungen vor. Die Behälter hätte man auch per Schiff transportieren können. Das hätte tausende Polizeidienststunden gespart.
janeinistrichtig 15.12.2010
4. Party!
Zitat von sysopEin Transport mit hochradioaktivem Abfall ist auf dem Weg von Frankreich nach Norddeutschland. Am Mittwochmittag passierte der Zug die Grenze, die genaue Route hält die Polizei aus Angst vor Protesten geheim.*Die Akw-Gegner bereiten sich auf Dutzende Kundgebungen vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,734813,00.html
Was zieh ich denn mal an? Das kleine Schwarze, vorm Gesicht? Oder die grüne Kutte? Minna sagt: "Lass mal lieber". Hm...ich überlege noch. Gehe zwischenzeitlich kurz ans Reißbrett und bereite eine Kundgebung vor.
disbeliever 15.12.2010
5. Unfassbar.
Im südfranzösischen Atomzentrum Cadarache war der Bundes-Strahlenmüll in Castor-Behälter umgeladen worden, was in Deutschland nicht ohne weiteres möglich ist. ... und unverantwortlich. Als Anwohner frage ich mich was passiert eigentlich bei einer großeren Leckage 8völlig Dicht gibt es ja technisch nicht) und der Notwendigkeit das Zeug in einen anderen Cator zu packen? Kann dieser Frage z.B. der Spiegel nicht mal seriös nachgehen? Hier werden ja derzeit nur sinnlos die Autofahrer kontrolliert und bei Pendlern die migeführten Schaufeln als gefährliche Gegenstände mit Bußgeldern belegt ...
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