Atommüll-Endlager Röttgen lässt Gorleben wieder erkunden

Umweltminister Röttgen veranlasst die erneute Untersuchung des Salzstocks Gorleben. In gut 20 Jahren könnte dort die Endlagerung von Atommüll beginnen. Opposition und Umweltschützer kritisieren das Vorhaben und sehen schon den nächsten "Atommüll-Gau".
Umweltminister Röttgen: "Gorleben hat Priorität"

Umweltminister Röttgen: "Gorleben hat Priorität"

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Berlin - Die Diskussion um das mögliche Atommüll-Endlager Gorleben geht in die nächste Runde: Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Erkundung des Salzstocks als potentielles Endlager für radioaktiven Abfall noch in diesem Monat einleiten. Der Prüfungsprozess wurde vor zehn Jahren durch die rot-grüne Bundesregierung gestoppt, dieses Moratorium hält Röttgen für "verantwortungslos und feige".

Kritik an Röttgens Vorhaben kommt von Oppositionspolitikern und Umweltschützern: Die Grünen lehnen eine weitere Erkundung von Gorleben ab, Parteichef Cem Özdemir warf dem Bundesumweltministerium vor, die geologische Realität auszublenden. Der Salzstock Gorleben sei "völlig ungeeignet", so Özdemir in Berlin. Er fordert eine ergebnisoffene Standortsuche, die sich nicht auf Niedersachen beschränkt.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist gegen die erneute Untersuchung des Salzstocks. "Die Bundesregierung riskiert in Gorleben nach der Asse den nächsten Atommüll-Gau", sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Klage gegen das Vorhaben von Röttgen will die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg einreichen. Ihr Sprecher Wolfgang Ehmke wirft dem Umweltminister vor, unter dem Deckmantel der Erkundung und ohne atomrechtliches Genehmigungsverfahren bereits den Bau eines Endlagers in Gorleben voranzutreiben: Dort werde "nicht erkundet, sondern ausgebaut".

Am Montagmorgen protestierten etwa 80 Atomkraftgegner gegen die Wiederaufnahme der Untersuchungen, einige Demonstranten ketteten sich am Tor des Geländes an. Für das kommende Wochenende sind weitere Protestaktionen angekündigt.

Bürgerbeteiligung wird ausgeschlossen

Röttgen lässt sich davon offenbar nicht beeindrucken, er setzt mit der erneuten Aufnahme der Untersuchung einen Beschluss aus dem Koalitionsvertrag von Union und FDP um und betont, dass das Ergebnis des gesamten Verfahrens noch offen sei. Auch mögliche Standortalternativen werden demnach bedacht. "Gorleben hat Priorität, aber nicht notwendig Exklusivität", so Röttgen.

Die Erkundung des Salzstocks sieht keine Beteiligung der Öffentlichkeit vor, allerdings kündigte Röttgen ein transparentes Vorgehen an. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber kritisiert, dass Gorleben nicht nach Atom- sondern nach Bergrecht erkundet werden soll und eine Bürgerbeteiligung so ausgeschlossen wird.

Bislang wurden für die Arbeiten in Gorleben etwa 1,5 Milliarden Euro ausgegeben, für die weitere Erkundung wird mindestens der gleiche Betrag nötig sein. Das Endlager soll insgesamt für eine Million Jahre standsicher sein, damit die Radioaktivität abklingen kann, ohne Menschen zu gefährden. Die Tauglichkeit des Salzstocks als Endlager wird von einigen Geologen angezweifelt, weil ihrer Meinung nach ein Deckgebirge fehle und der Salzstock Kontakt zum Grundwasser habe.

Die nun beginnende Phase der Untersuchung wird voraussichtlich bis 2017 dauern. Sollten die Erkenntnisse für ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren sprechen, würde dieses mindestens zehn weitere Jahre benötigen. Erst wenn das gesamte Verfahren abgeschlossen ist, könnte der Bau am Salzstock beginnen.

tro/dpa/AFP/Reuters/ap/ddp